Papst Leo würdigt Kardinal Ruini als prägende Gestalt der Kirche in Italien
Mit Kardinal Camillo Ruini verliert die Kirche in Italien einen ihrer einflussreichsten Gestalter der vergangenen Jahrzehnte. Bei den Exequien in Rom erinnerte Papst Leo an das Wirken des langjährigen Generalvikars der Diözese Rom, würdigte dessen Einsatz für Kirche und Gesellschaft und hob seinen Glauben hervor, der sein Leben und seinen Dienst geprägt hat.
Mit einem feierlichen Requiem hat die Kirche in Rom Abschied von Kardinal Camillo Ruini genommen. Papst Leo würdigte den im Alter von 95 Jahren verstorbenen langjährigen Generalvikar der Diözese Rom und Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz als eine der prägendsten Persönlichkeiten des italienischen Katholizismus der vergangenen Jahrzehnte. In seiner Predigt hob der Papst sowohl Ruinis nachhaltigen Einfluss auf das kirchliche und gesellschaftliche Leben Italiens als auch dessen tief verwurzelte Spiritualität und sein Vertrauen auf die Liebe Gottes hervor.
Kardinal Camillo Ruini im Alter von 95 Jahren verstorben
Der Kardinal und langjährige Generalvikar der Diözese Rom, Camillo Ruini, ist am 16. Juni im Alter von 95 Jahren verstorben. Der 1931 in Sassuolo geborene Geistliche wurde 1954 zum Priester geweiht und stieg zu einer der prägenden Figuren des italienischen Katholizismus auf. Von 1991 bis 2007 leitete er die Italienische Bischofskonferenz (CEI) und war zeitgleich von 1991 bis 2008 Generalvikar Seiner Heiligkeit für die Diözese Rom sowie Erzpriester der Lateranbasilika. 1991 erhob ihn Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand.
Über Italien hinaus pflegte Ruini enge Beziehungen zum deutschsprachigen Raum, insbesondere durch seine langjährige Zusammenarbeit mit dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Beide vertraten ähnliche theologische Positionen zur Rolle des Christentums in der europäischen Kultur sowie zu ethischen Grundsatzfragen in zunehmend säkularisierten Gesellschaften. Während des Pontifikats Benedikts XVI. galt Ruini als einer der wichtigsten kirchlichen Ansprechpartner und Stützen der Kirche in Italien. Zu den Trauerfeierlichkeiten in Rom erschienen zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter der ehemalige italienische Ministerpräsident und frühere Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, sowie der ehemalige Senatspräsident Marcello Pera.
Architekt des italienischen Katholizismus
In seiner Predigt würdigte Papst Leo den verstorbenen Kardinal Camillo Ruini als eine Persönlichkeit, die das kirchliche Leben Italiens über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt habe. Mit seinem Tod gehe „ein langes Leben im Dienst der Kirche“ zu Ende, dessen Wirkung weit über die Grenzen der Diözese Rom hinausreiche.
Der Papst hob insbesondere Ruinis nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung von Kirche und Gesellschaft hervor. Ihm seien „Einsichten und Initiativen zu verdanken, die den Weg der kirchlichen und auch der zivilen Gemeinschaft zutiefst geprägt haben“. Die Kirche in Italien verdanke dem langjährigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz „sehr viel“, betonte Leo XIV.
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Besonders erinnerte der Papst an Ruinis unermüdlichen Einsatz für die Präsenz katholischer Stimmen im öffentlichen Leben. Sein Wirken habe sich auf „die unterschiedlichsten Bereiche des religiösen, zivilen und politischen Lebens in Italien“ erstreckt. Hervorgehoben wurden zudem seine zentrale Rolle bei der Diözesansynode von Rom und deren Umsetzung sowie seine Fähigkeit, sowohl innerhalb der Kirche als auch im gesellschaftlichen Dialog Brücken zu bauen. Ruini habe sich durch eine „aktive und dialogorientierte Präsenz“ ausgezeichnet und damit die Kirche in Italien nachhaltig mitgestaltet.
Glaube als gelebte Beziehung zu Gott
Papst Leo zeichnete Kardinal Ruini als einen Hirten, der in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen für eine klare Glaubensverkündigung und zugleich für die Präsenz der Kirche im öffentlichen Raum eingetreten sei. Ruini habe die Kirche nicht als abgeschlossene Institution verstanden, sondern als lebendige Gemeinschaft, die Verantwortung in Gesellschaft und Kultur übernimmt und den Dialog mit der Welt sucht.
Anschließend erinnerte der Papst an die geistliche Haltung des Verstorbenen. Dessen Denken sei von der Überzeugung getragen gewesen, dass der Mensch seine Erfüllung in der Wahrheit finde, die aus dem Glauben erwächst. Im Zentrum seines Wirkens habe die Gewissheit gestanden, dass „nichts die Liebe Gottes besiegen oder uns von ihr trennen kann“, betonte Leo. Diese Liebe sei ein Geschenk Gottes und werde dem Menschen „über alle unsere Verdienste und Schwächen hinaus“ zuteil.
Der Glaube sei für Ruini nie bloß eine intellektuelle Überzeugung gewesen, sondern gelebte Beziehung zu Gott, die sich im Gebet, in der Liturgie und im persönlichen Einsatz bewähre. Besonders hob der Papst die Bedeutung hervor, die das Gebet im Leben des Kardinals eingenommen habe. Ruini selbst habe immer wieder bezeugt, dass ihn das Gebet seit seiner Kindheit begleitet habe – zunächst „einfach und von Herzen kommend“, später gereift durch die Erfahrungen eines langen Lebens. Diese geistliche Kraft habe ihn bis in die Jahre der Gebrechlichkeit und Krankheit getragen, erinnerte Papst Leo XIV.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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