Papst Leo XIV. beendet Frankreichreise mit Messe in Metz und spricht über Deutschlandbesuch
Zum Abschluss seiner Frankreichreise feierte Papst Leo XIV. in Metz eine Messe und richtete eindringliche Worte an Deutschland und Frankreich.

Papst Leo XIV. hat seine viertägige Frankreichreise am Montag mit einer Messe im Stephansdom von Metz beendet. In seiner Predigt erinnerte er an die christlichen Wurzeln Europas, rief angesichts der deutsch-französischen Geschichte zur Vergebung auf und betonte die Bedeutung gemeinsamer Werte. An der Messe nahmen neben zahlreichen Gläubigen aus Frankreich und dem deutschen Sprachraum auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte teil.
Europas geistige Wurzeln
Die Kathedrale von Metz, deren Bau im 13. Jahrhundert begann und sich über rund drei Jahrhunderte hinzog, gehört zu den eindrucksvollsten Sakralbauten Frankreichs. Wegen ihrer außergewöhnlichen Glasfenster wird sie bisweilen „Laterne Gottes“ genannt. Mehr als 6.000 Quadratmeter Glas lassen das Innere des Gotteshauses in wechselnden Farben erstrahlen.
Der Ort selbst kann auf eine bewegte Vergangenheit in der europäischen Geschichte zurückblicken. Metz wechselte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach zwischen französischer und deutscher Herrschaft und wurde damit zu einem Symbol der Rivalität zwischen den beiden Nachbarländern. Aufgrund der geografischen Nähe reisten zur Papstmesse auch zahlreiche Gläubige aus dem deutschen Sprachraum an – unter anderem aus Luxemburg, Speyer, Trier und der Eifel. Die Liturgie wurde allerdings vollständig auf Französisch gefeiert, einschließlich der Fürbitten.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte nahmen an der Feier teil. Im Mittelpunkt seiner Predigt schlug Papst Leo XIV. einen weiten Bogen von der Geschichte Europas zu den geistigen Grundlagen der Gegenwart. Das Europa, „wie wir es kennen“, sei über Jahrhunderte hinweg auf Werte gegründet worden, die bereits der heilige Augustinus in seinem Werk De civitate Dei, der „Gottesstadt“, beschrieben habe.
Dabei gehe es um weit mehr als um die politischen und wirtschaftlichen Strukturen des Kontinents. Europa verfüge vielmehr über ein „geistiges und moralisches“ Erbe, das nach den Worten des Papstes bis in die christliche Antike zurückreiche. Leo XIV. verwies dabei ausdrücklich auf seinen Vorgänger Johannes Paul II. und dessen wiederholten Hinweis auf die christlichen Wurzeln Europas.
Zu diesem Erbe zählte der Papst unter anderem den Vorrang der menschlichen Person, die Heiligkeit und Unantastbarkeit des Lebens, den Schutz der persönlichen Freiheit und die Bedeutung der Familie. Ebenso nannte er die Sorge für die Armen und Bedürftigen, die Aufnahme des Fremden und die Achtung vor den älteren Menschen.
Vergebung nicht als Schwäche betrachten
Die christlichen Ortskirchen Europas hätten deshalb die Aufgabe, dieses Erbe nicht nur zu bewahren, sondern auch in die Gegenwart zu übersetzen. Sie sollten, so Leo XIV., den „einzigartigen Schatz eines fruchtbaren Dialogs zwischen Zivilgesellschaft und Glauben“ pflegen. Zugleich erinnerte er daran, dass die Weitergabe dieser Grundsätze auch in der Vergangenheit keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Die Vorfahren hätten sie „mit Treue und Beharrlichkeit“ bewahrt und damit einen Schatz hinterlassen, der nun an kommende Generationen weitergegeben werden müsse.
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Besonderes Gewicht legte der Papst auf das Thema Vergebung. Vor dem Hintergrund der Kriege und Konflikte, die Deutschland und Frankreich über Jahrhunderte hinweg gegeneinander geführt hatten, stellte Leo XIV. die Überwindung von Vergeltung und Ablehnung als Voraussetzung für einen gemeinsamen Weg heraus. Vergebung könne manchen „als Schwäche erscheinen“, sagte er – doch gerade darin liege keine Schwäche.
Mit eindringlichen Worten fragte der Papst, was Rache und Vergeltung in Menschen und Gesellschaften bewirkten. Die Erfahrung der Geschichte zeige, dass nicht derjenige stärker sei, „der Rache übt“, sondern derjenige, „der vergibt“. Ebenso wenig sei derjenige stärker, „der mit einem Knall die Tür hinter sich zuschlägt“, als jener, der die Mühe auf sich nehme, gemeinsam weiterzugehen.
Gemeinsamkeit bedeute dabei nicht, Unterschiede einzuebnen. Leo XIV. sprach vielmehr von einer „Harmonie der Unterschiede“. Gerade aus den Wunden der Vergangenheit könne etwas Neues entstehen: „Die Wunde der Vergangenheit“ könne zu einer Öffnung werden, „durch die das Licht hindurchscheinen kann“.
Damit schloss sich auch der Kreis zum Ort der Feier. Das farbige Licht der Metzer Kathedrale wurde für den Papst zum Bild für die Aufgabe der Kirche. Auch ihre Strukturen hätten nur dann einen Sinn, wenn sie dazu beitrügen, „der Welt das Licht des Evangeliums zu bringen“.
Rückreise nach Rom
Am Abend startete Leo XIV. seine Rückreise nach Rom. Frankreichs Präsident verabschiedete ihn am Flughafen von Metz mit militärischen Ehren. Um 19.33 Uhr hob die Air-France-Maschine mit dem Papst an Bord ab. Auf dem Rückflug äußerte Leo XIV. zugleich den Wunsch, künftig Deutschland zu besuchen. Einen konkreten Termin gebe es allerdings noch nicht. Er hoffe sehr, wieder nach Deutschland zu reisen, sagte der Papst, „so wie ich hoffe, viele andere Orte zu besuchen“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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