Papst Leo XIV bei der Generalaudienz: Das liturgische Jahr führt uns auf dem Weg mit Christus
Papst Leo XIV. sieht im liturgischen Kalender einen geistlicher Weg. Besonders der Sonntag und die gemeinsame Eucharistiefeier stehen dabei im Mittelpunkt.

Das liturgische Jahr ist weit mehr als eine Abfolge kirchlicher Feiertage: Es lässt die Gläubigen die zentralen Ereignisse des Heils neu erfahren und führt sie Schritt für Schritt näher zu Christus. In seiner sechsten Katechese zum Liturgiejahr hob Papst Leo XIV. die besondere Bedeutung von Ostern, des Sonntags und der Eucharistie hervor. Zugleich warnte er vor einer bloß virtuellen Teilnahme an der Messe und rief dazu auf, allen Gläubigen die persönliche Mitfeier der Sonntagsliturgie zu ermöglichen.
Mit Christus durch das Kirchenjahr
Das liturgische Jahr ist weit mehr als ein Kalender mit den großen kirchlichen Festen. Es ist für die Gläubigen ein geistlicher Weg durch die Heilsgeschichte – und eine Einladung, das eigene Leben immer wieder neu auf Christus auszurichten. Das betonte Papst Leo XIV. in seiner sechsten Katechese über die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, „Sacrosanctum Concilium“.
Das Kirchenjahr vergegenwärtige fortwährend das Heilswerk Christi, erklärte der Papst. Indem die Kirche den Jahreskreis durchschreite, bleibe sie „mit dem Erlösungswerk des Herrn in Berührung“. Im Mittelpunkt stehe dabei die Begegnung mit Jesus Christus, „der für uns gestorben und auferstanden ist“.
Die Liturgie führe die Gläubigen durch die großen Geheimnisse des Glaubens: von der Erwartung des Messias über das Ostergeheimnis bis hin zur Hoffnung auf die Wiederkunft Christi. Das Kirchenjahr lasse die Gläubigen damit nicht einfach durch die Zeit gehen. Vielmehr gehe es darum, „mit Christus und ihm entgegen“ zu gehen.
Leo XIV. erinnerte zugleich daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil die aktive und bewusste Teilnahme aller Gläubigen als wesentliches Leitprinzip der Liturgie hervorgehoben habe. Das liturgische Jahr werde so zu einem geistlichen Weg, auf dem die Kirche die Gläubigen immer tiefer in das Geheimnis Christi hineinführe.
„Dies Domini“ – Sonntag als „Tag des Herrn“ und „Tag der Tage“
Eine herausragende Stellung im liturgischen Jahr kommt dem Sonntag zu. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnete ihn als „Grundlage und Kern des ganzen liturgischen Jahres“ und als den „Ur-Feiertag“. Auch Johannes Paul II. habe seine besondere Bedeutung hervorgehoben und den Sonntag als „Dies Domini“, den „Tag des Herrn“, als „Tag der Kirche“ und als „Tag des Menschen“ – und schließlich als „Tag der Tage“ – bezeichnet, betonte Leo XIV.
Zur Heiligung des Sonntags gehört nach den Worten des Pontifex wesentlich die Feier der Eucharistie. Das gemeinsame Hören des Wortes Gottes und die Teilhabe am Leib Christi setzten die „freudige Zusammenkunft der Gläubigen“ voraus. In dieser gemeinsamen Feier werde die Kirche als Gemeinschaft sichtbar und bringe ihre Verbundenheit mit Christus zum Ausdruck.
Eine bloß virtuelle Teilnahme an der Messfeier könne diese persönliche Zusammenkunft jedoch nicht ersetzen, betonte der Papst. Die Feier, so sein Appell, verlange die aktive Teilnahme der Gläubigen.
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Außerdem wandte sich Papst Leo XIV. an die Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft. Es gelte, „die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen“, damit auch jene Gläubigen an der Sonntagsmesse teilnehmen könnten, die aufgrund ihrer Arbeit nicht vom Dienst freigestellt seien.
„Ein inspirierendes Prinzip“
Zum liturgischen Jahreskreis gehören nicht nur die großen Feste des Lebens und Wirkens Jesu. Papst Leo XIV. erinnerte auch an die besondere Rolle Marias sowie der Märtyrer und Heiligen, deren Gedenktage im Lauf der Geschichte ihren festen Platz im Kirchenjahr gefunden haben.
Zum Abschluss seiner Katechese richtete der Papst den Blick auf die geistliche Bedeutung des gesamten Jahreskreises. Das liturgische Jahr vergegenwärtige „in sakramentaler Weise die Pädagogik der Heilsgeschichte“ und führe die Gläubigen von der Erwartung des Messias über die Fülle des Pascha-Mysteriums bis hin zur Hoffnung auf die künftige Herrlichkeit.
Dabei gehe es nicht allein um die Erinnerung an vergangene Ereignisse. Vielmehr feiere die Kirche im liturgischen Jahr „die heilbringende Aktualität des Mysteriums Christi“ und ermögliche den Gläubigen, immer tiefer daran teilzuhaben.
Für Papst Leo XIV. hat dieser Jahresrhythmus deshalb auch unmittelbare Bedeutung für das kirchliche Leben. Das liturgische Jahr bilde ein „inspirierendes Prinzip“ und zugleich den „wesentlichen Bezugsrahmen für jedes pastorale Handeln“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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