Vatikan

Papst Leo XIV. bei Mittagessen mit Bedürftigen: „Hunger nach Gerechtigkeit“

Ein gemeinsames Mahl mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen wurde für Papst Leo XIV. zum Zeichen gegen Ausgrenzung und soziale Ungleichheit. In Castel Gandolfo sprach das Kirchenoberhaupt von einer Kirche, die offen sein müsse, und rief dazu auf, Brücken der Solidarität zu bauen.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV. bei Mittagessen mit Bedürftigen: „Hunger nach Gerechtigkeit“
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News - Deutsch

Bei einem gemeinsamen Mittagessen mit 200 bedürftigen Menschen in den Gärten der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo hat Papst Leo XIV. zu mehr sozialer Gerechtigkeit, Versöhnung und einer offenen Kirche aufgerufen. In einer frei gehaltenen Ansprache sprach er von einem „Hunger nach Gerechtigkeit“ und forderte dazu auf, die Ursachen von Armut und Ausgrenzung zu überwinden. Die Begegnung war Teil eines Tages, der ganz im Zeichen der Solidarität mit Menschen am Rand der Gesellschaft stand.

„Hunger nach Gerechtigkeit“

Vor den rund 200 Gästen, darunter 35 Kinder, erklärte Papst Leo XIV. in einer frei gehaltenen Ansprache, er sei „mit Hunger“ gekommen – allerdings nicht nach Essen, sondern mit einem „Hunger nach Gerechtigkeit, nach authentischer Nächstenliebe und nach einer Kirche, die wirklich die Türen zu öffnen weiß, um alle aufzunehmen“. In einer solchen Gemeinschaft hätten Feindschaft und Ausgrenzung keinen Platz; stattdessen müssten Versöhnung, Vergebung und Frieden gelebt werden.

Mit Blick auf den päpstlichen Titel Pontifex („Brückenbauer“) sagte der Papst, er wolle an diesem Tag eine Brücke zu den Anwesenden, ihren Familien und zur gesamten Gesellschaft schlagen. Ziel müsse eine Welt sein, in der die Ursachen von Armut und bestehende Ungerechtigkeiten überwunden würden. Das gemeinsame Mahl sei ein Zeichen der Hoffnung und ein Gegenbild zu einer Welt, die vielerorts von Gewalt, Hass und Diskriminierung geprägt sei. Vor dem Essen sprach Leo XIV. ein Segensgebet für alle Menschen in Not.

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Dem Mittagessen war eine feierliche Messe vorausgegangen, die Kardinal Fabio Baggio und Erzbischof Marín de San Martín gemeinsam zelebrierten. Nach einer Führung durch das Gelände der päpstlichen Sommerresidenz kamen die Gäste zu einem gemeinsamen Essen mit dem Papst zusammen.

Bedürftige als das „Herz der Kirche“

Kardinal Fabio Baggio betonte, die Anwesenheit von Papst Leo XIV. verleihe dem Begegnungstag eine besondere Bedeutung. Im Mittelpunkt stehe nicht allein die Natur, sondern „die Schwächsten, den wahren Schatz und das schlagende Herz der Kirche“. Eine echte Ökologie müsse immer auch die Menschen am Rand der Gesellschaft in den Blick nehmen. Mit einem Verweis auf die christliche Tradition sagte Baggio: „Wenn du Christus nicht im Armen an der Kirchentür findest, wirst du ihn auch nicht im Kelch des Altars finden.“

Kardinal Baldassare Reina dankte im Namen der Diözese Rom für diesen „Moment der Geschwisterlichkeit“. Die Kirche in Rom wolle eine „Kirche im Aufbruch“ sein, die die Peripherien des Lebens aufsuche und sich um Einsame und Bedürftige kümmere. Dabei leisteten Pfarrgemeinden, die Caritas, Suppenküchen, Herbergen und zahlreiche Freiwillige täglich – oft unbemerkt – ihren Dienst.

Erzbischof Marín de San Martín bezeichnete den Veranstaltungsort als ein Haus der Hoffnung, in dem die Schönheit der Schöpfung an die Zusammengehörigkeit der Menschheitsfamilie erinnere. In einer Zeit, in der Arme, Migranten und ältere Menschen ausgegrenzt würden, solle das gemeinsame Mahl ein Zeichen der Hoffnung setzen und an die Tradition Jesu erinnern, „der den Tisch zu einem Ort der Versöhnung gemacht hat“.

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