Papst Leo XIV. empfängt Mainzer Bischof Kohlgraf in Castel Gandolfo
Papst Leo XIV. empfängt den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in Castel Gandolfo. Ein mögliches Gesprächsthema könnte die Debatte um Laienpredigten sein – bestätigt ist das allerdings nicht.

Papst Leo XIV. hat den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Montag, 31. August, zu einer Audienz im Apostolischen Palast in Castel Gandolfo empfangen. Der Vatikan bestätigte das Treffen, machte wie üblich jedoch keine Angaben zu den Inhalten des Gesprächs. Die Audienz folgt wenige Wochen nach kritischen Äußerungen Kohlgrafs zu den Vorgaben des Vatikans für Laienpredigten in katholischen Messfeiern.
Erster Besuch bei Papst Leo XIV.
Bischof Kohlgraf wurde von seinem Weihbischof Joshy George Pottackal O. Carm. begleitet, der im März dieses Jahres die Bischofsweihe empfing. Der aus Südindien stammende Pottackal ist der erste katholische Bischof in Deutschland mit außereuropäischen Wurzeln. Bei dessen Weihe hatte Kohlgraf Papst Leo XIV. für die Ernennung gedankt. „Glaube verbindet über alle Grenzen hinweg, die Menschen ziehen können“, sagte der Mainzer Bischof damals in seiner Predigt.
Kohlgraf steht seit August 2017 an der Spitze des Bistums Mainz. Seit 2019 ist er Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. In der Deutschen Bischofskonferenz ist er Vorsitzender der Pastoralkommission sowie der Unterkommission „Frauen in Kirche und Gesellschaft“ und Mitglied der Migrationskommission.
Das Treffen mit dem Papst findet auch vor dem Hintergrund einer aktuellen Debatte über die Verkündigung durch Laien statt. Der Vatikan hatte zuletzt bekräftigt, dass die Predigt während einer katholischen Messfeier grundsätzlich den Geweihten vorbehalten ist. Kohlgraf äußerte sich dazu vor rund zwei Wochen kritisch.
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Hintergrund der Debatte ist eine Anfrage des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, beim zuständigen Dikasterium. Wilmer hatte eine Sonderregelung angestrebt, die auch theologisch qualifizierten, nicht geweihten Frauen und Männern die Predigt in Messfeiern ermöglichen sollte. Eine solche Öffnung war auch von den am Reformprozess Synodaler Weg beteiligten Kräften gefordert worden, wurde vom Leiter des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung jedoch abgelehnt.
Bischof Kohlgraf stellt sich gegen Sanktionen
Mitte August hatte sich Bischof Kohlgraf ausführlich zum römischen Verbot der Laienpredigt geäußert. Dabei erklärte er, wenn er davon erfahre, dass nicht geweihte Menschen predigten, werde er „nicht disziplinarisch eingreifen oder das kirchenrechtlich sanktionieren“. Eine ausdrückliche Erlaubnis wolle er daraus allerdings nicht ableiten. „Ich werbe dafür aber auch nicht und ich kann es nicht erlauben“, betonte der Bischof weiter. Stattdessen verwies er auf die bereits kirchenrechtlich möglichen Formen der Verkündigung. Für die konkrete pastorale Arbeit im Bistum Mainz ändere sich durch das Verbot daher zunächst nichts.
Kritisch sieht Kohlgraf jedoch die möglichen Folgen der römischen Vorgaben. Er befürchtet, dass das wiederholte Beharren auf dem Verbot „die Denunziation fördere“. Schon bisher seien ihm Verstöße gegen die Regelung gemeldet worden – nun werde von ihm verstärkt erwartet, dagegen einzuschreiten.
Grundsätzlich ist Kohlgraf für eine Öffnung für Laienpredigten offen. Vor allem theologisch qualifizierte pastorale Mitarbeitende könnten aus seiner Sicht einen Beitrag leisten: Er sehe darin „einen Reichtum der Kirche“. Zumindest für den deutschsprachigen Raum, in dem es bereits in den 1970er Jahren eine entsprechende Ausnahmeregelung gegeben hatte, würde er eine solche Möglichkeit begrüßen.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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