Papst Leo XIV. findet in Lourdes klare Worte zum Lebensrecht
Bei einer Begegnung mit Kranken in Lourdes bezog Papst Leo XIV. klar Stellung zur Debatte um assistierten Suizid und zur Würde des Menschen.

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat Papst Leo XIV. am Sonntag im französischen Lourdes das Lebensrecht und die unveräußerliche Würde jedes Menschen betont. Bei einer Begegnung mit Kranken und ihren Begleitpersonen wandte er sich entschieden gegen eine Gesellschaft, die im Namen vermeintlichen Mitleids die Beendigung menschlichen Lebens zulasse. Anlass für seine Äußerungen ist auch die jüngste gesetzliche Regelung Frankreichs zum assistierten Suizid, die von der katholischen Kirche und anderen Religionsgemeinschaften abgelehnt wird.
„Kein menschliches Gesetz darf euch die Gewissheit eurer Würde nehmen“
Bei seinem Besuch in Lourdes richtete Papst Leo XIV. den Blick auf Menschen, die aufgrund von Krankheit, Behinderung oder Schmerzen mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert sind. In der Begegnung mit Kranken und ihren Begleitpersonen warnte er davor, die Würde des Menschen aus dem Blick zu verlieren. Einige Gesellschaften neigten dazu, „den Blick abzuwenden oder die Augen vor der Würde des menschlichen Lebens zu verschließen“.
Mit Blick auf die Debatte über den assistierten Suizid in Frankreich wandte sich Leo gegen die Vorstellung, das Ende eines Lebens könne aus falsch verstandenem Mitleid gerechtfertigt werden. „Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen“, sagte er. Dass etwas gesetzlich erlaubt sei, bedeute nicht automatisch, dass es auch sittlich erlaubt sei.
Der Papst knüpfte dabei ausdrücklich an die Enzyklika „Evangelium vitae“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1995 an. Der Text zählt zu den zentralen Dokumenten der katholischen Lehre zum Schutz des menschlichen Lebens.
Lourdes, das seit den Marienerscheinungen von 1858 jährlich von zahlreichen Kranken besucht wird, stellte Leo zugleich als einen Ort dar, an dem menschliche Gebrechlichkeit nicht verdrängt werde. „Hier wird die Gebrechlichkeit nicht versteckt, sondern zum Ort einer heiligen Begegnung“, sagte er. Gerade Menschen, deren Leben von Krankheit und Schmerzen geprägt sei, dürften nicht den Eindruck gewinnen, weniger wert zu sein.
„Niemand“ sei in den Augen Gottes unsichtbar, betonte der Papst. Die Würde des Menschen hänge nicht von seinem Gesundheitszustand, seiner Leistungsfähigkeit oder seiner Lebenssituation ab. Sie bestehe allein aufgrund seiner Existenz und sei deshalb „nicht messbar“ und „nicht zur Diskussion“ gestellt.
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Den Kranken sprach Leo ausdrücklich Mut zu. Er wisse, dass für manche angesichts schwerer Erkrankungen und großer Schmerzen „die Zukunft dunkel, ungewiss und aussichtslos erscheinen mag“. Doch selbst dann gelte: „Kein menschliches Gesetz darf euch die Gewissheit eurer Würde nehmen.“
Im Dienst des Lebens
Auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen nahm Leo XIV. ausdrücklich in die Pflicht. Sie sollten sich auf den Kern ihrer Berufung besinnen: „sich um einen leidenden Menschen zu kümmern und nicht, ihn zu beseitigen“. Die Medizin müsse dem Leben dienen und dürfe nicht zur Instanz werden, die über dessen Wert entscheide.
„Stellt euch leidenschaftlich in den Dienst des Lebens!“, rief der Papst den Anwesenden zu. Zugleich wandte er sich gegen Entscheidungen über das Leben von Embryonen oder älteren Menschen, die sich allein auf medizinische oder technische Kriterien stützten. Seine Forderung formulierte er mit Nachdruck: „Die Medizin darf niemals zum Gehilfen des programmierten Todes werden!“
Stattdessen plädierte Leo für einen weiteren Ausbau der Palliativmedizin und eine stärkere Förderung der entsprechenden Forschung. Ebenso wichtig sei eine menschliche Begleitung von Kranken und Menschen mit Einschränkungen. Zur Fürsorge gehöre nicht allein die Behandlung des Körpers, sondern auch die Sorge um die Seele.
Den Kranken selbst sprach der Papst besondere Wertschätzung zu. „Ihr seid keine Last“, sagte er, sondern „das pulsierende Herz unserer Menschlichkeit und ein kostbarer Schatz für die Kirche“. Ihre Leiden, versicherte Leo, nehme er in seine Gebete auf.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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