Papst Leo XIV. fordert in Acerra ökologische Wende und Vorrang für das Gemeinwohl
Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch in Acerra, der süditalienischen Krisenregion „Terra dei fuochi“ eindringlich vor Umweltzerstörung, Profitgier und sozialer Ausgrenzung gewarnt.

Bei einem Pastoralbesuch in der süditalienischen Umweltkrisenregion „Terra dei fuochi“ hat Papst Leo XIV. eindringlich zu einem Umdenken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufgerufen. Vor Bürgermeistern und Gläubigen in Acerra verurteilte das Kirchenoberhaupt Profitgier, illegale Müllentsorgung und soziale Ausgrenzung und mahnte, das Gemeinwohl über wirtschaftliche Interessen zu stellen. Zugleich forderte er mehr Bildung, ethisches Handeln und einen entschlossenen Schutz von Umwelt und menschlicher Würde.
Gegen Umweltzerstörung und Profitgier
Bei seinem Pastoralbesuch in Acerra hat Papst Leo XIV. die Bewohner des sogenannten Feuerlands („Terra dei fuochi“) ermutigt, sich gegen Umweltzerstörung, Resignation und wirtschaftliche Interessen weniger Mächtiger zu stellen. In der von illegaler Müllentsorgung und Umweltkriminalität geprägten Region zwischen Neapel und Caserta traf das Kirchenoberhaupt am Samstagvormittag mit Bürgermeistern und Gläubigen zusammen. Das Gebiet mit rund drei Millionen Einwohnern gilt seit Jahrzehnten als Symbol für illegale Abfallentsorgung und Umweltvergiftung. Wie der Bischof von Acerra erklärte, begann das „Umweltdrama“ bereits in den 1980er Jahren, als giftige Industrieabfälle aus Norditalien illegal entsorgt wurden. Hinzu kamen kleinere Betriebe, die ihren Müll auf Feldern verbrannten. Der Begriff „Terra dei fuochi“ sei dadurch zu einem „schändlichen Etikett“ geworden, das auch den Niedergang der Landwirtschaft beschleunigt habe.
Auf der Piazza Calipari würdigte der Papst die Anstrengungen der Bevölkerung und sprach von der Pflicht, „der Bedrohung des Lebens durch Umweltzerstörung mit Würde und Verantwortung“ zu begegnen. Zuvor hatte er im Dom von Acerra Angehörige von Opfern der Umweltverschmutzung getroffen. Zwar mache der Begriff „Terra dei fuochi“ das Ausmaß von Kriminalität und Gleichgültigkeit sichtbar, sagte Leo XIV., zugleich werde damit aber „dem verbliebenen Guten in der Region“ nicht ausreichend Rechnung getragen.
Der Papst dankte kirchlichen Gruppen und engagierten Laien, die sich vom synodalen Prozess und der Umweltenzyklika „Laudato si’“ inspirieren ließen. Zugleich wandte er sich deutlich gegen eine Politik der Gewinnmaximierung und des Wegschauens. „Das Gemeinwohl kommt vor den Geschäften der Wenigen und vor den Parteiinteressen“, betonte er. Die Region habe bereits einen hohen Preis an menschlichem Leid bezahlt; nun brauche es ein neues Bündnis aus Verantwortung, Erinnerung und ethischem Handeln. Scharfe Kritik übte Leo XIV. zudem am „technokratischen Paradigma“, das nach seinen Worten globale Konflikte und die rücksichtslose Jagd nach Ressourcen fördere. Problematisch sei ein Fortschrittsverständnis, bei dem politische Institutionen gegenüber wirtschaftlich Mächtigen zu schwach seien und technologische Entwicklungen ausschließlich dem Profit dienten – „ohne Rücksicht auf den Menschen und dessen Arbeit“.
Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.
GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.
Bildung und Zusammenhalt stärken
Papst Leo XIV. bezeichnete Bildung als eine der entscheidenden Zukunftsaufgaben für die Region. Diese müsse alle Generationen und gesellschaftlichen Gruppen erreichen und einen tiefgreifenden Wandel „der wirtschaftlichen, zivilen und religiösen Mentalität“ fördern. Nur so könne langfristig ein verantwortungsvollerer Umgang mit Mensch und Umwelt entstehen.
Zugleich würdigte das Kirchenoberhaupt die Arbeit von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen, die frühzeitig auf die Missstände in der „Terra dei fuochi“ aufmerksam gemacht hätten. Sie seien „Pioniere“ gewesen, die oft gegen Widerstände gehandelt hätten. Der Papst mahnte zu dauerhafter Wachsamkeit gegenüber Praktiken, „die Erde, Wasser und Luft vergiften“, und sprach sich für ein neues Entwicklungsmodell aus. Dieses müsse weniger individualistisch und konsumorientiert sein und stattdessen soziale Beziehungen sowie das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellen.
Zum Abschluss seiner Ansprache verband Leo XIV. den Schutz der Umwelt mit der Bekämpfung sozialer Ausgrenzung. Mit Blick auf die Brände an den Stadträndern erklärte er, Marginalisierung schaffe immer auch Unsicherheit und gesellschaftliche Spannungen. Der richtige Weg bestehe darin, „der Ausgrenzung entgegenzuwirken, nicht den Ausgegrenzten“. Es gelte, die Ursachen der Probleme zu bekämpfen und „die gesamte Kette zu durchbrechen, anstatt nur das letzte Glied zu treffen“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.
Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.
Kommentare (0)
Kommentare werden geladen...