Vatikan

Papst Leo XIV. fordert neue Ausrichtung der Seelsorge: „Wem wollen wir begegnen?“

Papst Leo XIV. ruft das Bistum Rom zu einer grundlegenden Überprüfung seiner Seelsorge auf – mit klaren Kriterien und einer zentralen Frage im Mittelpunkt.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV. fordert neue Ausrichtung der Seelsorge: „Wem wollen wir begegnen?“
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News

Papst Leo XIV. hat das Bistum Rom zu einer kritischen Überprüfung seiner pastoralen Arbeit aufgerufen. Bei einer Diözesanversammlung in der Lateranbasilika warnte er davor, dass sich kirchliche Aktivitäten und Termine verselbstständigen und dabei der eigentliche Kern aus dem Blick gerate: die Begegnung der Menschen mit Christus. Pastoral müsse deshalb weniger von der Frage bestimmt sein, was alles getan werden könne, sondern vielmehr davon, „wem man begegnen will, und wie“.

Seelsorge auf den Prüfstand

In seiner Ansprache rief Leo XIV. dazu auf, die pastorale Arbeit des Bistums Rom bewusst zu hinterfragen. Eine solche Prüfung bedeute, „innezuhalten, das Geschehene noch einmal zu betrachten“ und sowohl gelungene als auch weniger erfolgreiche Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Entscheidend sei, gemeinsam nach den Ursachen zu suchen: „Es bedeutet, kurz gesagt, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.“

Dabei soll die gesamte kirchliche Gemeinschaft einbezogen werden. Der Papst regte zudem an, „soweit möglich, auch Menschen zuzuhören, die nicht zur Gemeinschaft gehören“ und dadurch eine Außenperspektive auf das kirchliche Handeln zu gewinnen.

Vier Kriterien

Für die Überprüfung nannte Leo XIV. vier miteinander verbundene Maßstäbe. Pastorale Arbeit müsse die Begegnung mit Christus ermöglichen, Gemeinschaft fördern und dem Leben der Stadt dienen. Darüber hinaus müsse sie zur „Bildung des Volkes Gottes“ beitragen.

Damit verbunden seien konkrete Fragen: Fördern die Aktivitäten das Wachstum im Glauben? Entstehen daraus „missionarische Jünger“? Entwickeln Menschen Bereitschaft zu kirchlicher Verantwortung? Und führen die Angebote zu einem reifen Glauben, der sich auch in konkreten Entscheidungen und im Dienst an anderen zeigt?

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Als entscheidendes Werkzeug bezeichnete der Pontifex ein unscheinbares Wort: „wozu“. Bei jeder pastoralen Initiative müsse gefragt werden: „Warum tun wir das?“ Welche missionarische Absicht stehe dahinter, auf welches tatsächliche Bedürfnis solle reagiert werden und wie gut entspreche die jeweilige Entscheidung dem Auftrag der Kirche?

Ebenso wichtig sei der Blick auf die Ergebnisse. Warum führten manche Initiativen „zu neuen Wegen“, während andere isoliert blieben? Und weshalb beteiligten sich manche Menschen, während andere „am Rande stehen bleiben“? Solche Fragen sollten nach den Worten des Papstes helfen, pastorales Handeln nicht nur zu organisieren, sondern seine Wirkung und seinen eigentlichen Sinn zu prüfen.

Die Last gemeinsam tragen

Ausdrücklich wandte sich Leo XIV. auch an die Priester seines Bistums und dankte ihnen für ihren Dienst. Seine Anerkennung sei „nicht bloß eine Formalität“, betonte er. Der pastorale Dienst sei heute vielfach belastender als früher. Deshalb müsse niemand versuchen, alle Aufgaben allein zu bewältigen.

„Niemand ist dazu berufen, alles allein zu machen“, sagte der Papst. Das Presbyterium dürfe nicht lediglich als organisatorischer Zusammenschluss verstanden werden. Es sei vielmehr „eine brüderliche Gemeinschaft“, in der die Priester ihren Dienst gemeinsam tragen.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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