Vatikan

Papst Leo XIV. fordert von Italiens Kirche "Mut zum Wesentlichen" und Ausrichtung auf das Evangelium

„Mut zum Wesentlichen“: Papst Leo XIV. fordert von Italiens Kirche eine stärkere Ausrichtung auf das Evangelium. Zugleich warnt er vor Müdigkeit, Zersplitterung und dem Verlust des Kontakts zur jungen Generation.

A
Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Papst Leo XIV. fordert von Italiens Kirche "Mut zum Wesentlichen" und Ausrichtung auf das Evangelium
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News - Deutsch

Papst Leo XIV. ermutigte am Donnerstag die italienischen Bischöfe zu mehr Mut bei Reformen. Bei der Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz im Vatikan mahnte er, sich auf „das Wesentliche“ zu konzentrieren: die Verkündigung Christi, die Beteiligung aller Gläubigen, die Nähe zu jungen Menschen und Armen sowie die Schaffung lebendiger, einladender Gemeinden. Zugleich warnte der Papst vor Müdigkeit, Zersplitterung und einem schwindenden Kontakt zu den jüngeren Generationen.

„Mut zum Wesentlichen“ statt Bewahrung des Status quo

Mit deutlichen Worten hat Papst Leo XIV. die italienischen Bischöfe zu einer Erneuerung des kirchlichen Lebens aufgerufen. Die Kirche müsse den „Mut zum Wesentlichen“ aufbringen und sich stärker auf ihre Sendung konzentrieren, anstatt vor allem bestehende Strukturen zu bewahren. Gefragt seien Gemeinschaften, die „freier darin sind, Christus zu verkünden“, missionarische Pfarreien, lebendige Beteiligungsgremien sowie eine Kirche, die jungen Menschen aufmerksam zuhört und sich „von den Armen evangelisieren“ lässt.

In diesem Zusammenhang zeichnete der Papst ein nüchternes Bild der aktuellen Situation. In der italienischen Kirche seien vielerorts Anzeichen von „Müdigkeit, Zersplitterung und Einsamkeit“ erkennbar. Besonders die jüngeren Generationen würden von kirchlichen Verantwortlichen oft nicht mehr erreicht. Dennoch dürfe der Blick nicht von Problemen bestimmt werden. Mit Verweis auf das Evangelium erinnerte Leo XIV. daran, dass Jesus in den Menschenmengen keine Last sehe, sondern „eine Ernte – Gottes Feld“.

Der Papst ermutigte die Bischöfe, sich diese Perspektive zu eigen zu machen. Die Fruchtbarkeit einer Ortskirche lasse sich nicht an Mitgliederzahlen, öffentlicher Sichtbarkeit oder gesellschaftlichem Einfluss messen. Entscheidend sei vielmehr die Treue zum Evangelium und die Fähigkeit, Menschen mit Christus in Berührung zu bringen.

Als zentrale Aufgabe nannte Leo XIV., „das Evangelium wieder in den Mittelpunkt“ des kirchlichen Handelns zu rücken. Hirten der Kirche müssten sich immer wieder fragen, welches Bild Gottes durch Predigt, Katechese, Liturgie und das Leben der Gemeinden sichtbar werde. Ebenso gelte es zu prüfen, wie die Begegnung mit Christus gefördert werden könne und was es heute bedeute, Menschen in das christliche Leben einzuführen. Diese Fragen dürften niemals als selbstverständlich betrachtet werden, betonte der Papst. Vielmehr seien sie ein bleibender Auftrag für die Kirche und ihre Verantwortlichen.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Synodalität braucht mehr als neue Strukturen

In einem weiteren Punkt warb Leo XIV. vor den italienischen Bischöfen für eine Kirche, die sich nicht um sich selbst dreht, sondern als Ort der geistlichen Unterscheidung und der Mission wirkt. Dafür sei eine Erneuerung kirchlicher Strukturen notwendig. Die Kirche müsse synodaler werden, damit alle Gläubigen entsprechend ihrer Berufung Verantwortung übernehmen und ihre Gaben einbringen könnten.

Beteiligung sei dabei kein Zugeständnis von oben, sondern ein Wesensmerkmal kirchlicher Gemeinschaft und Evangelisierung, betonte der Papst. Die verschiedenen Mitwirkungs- und Beratungsorgane hätten einen hohen Wert. Allerdings genüge es nicht, solche Gremien lediglich einzurichten. „Es reicht nicht, dass es sie gibt“, machte Leo XIV. deutlich; entscheidend sei, „dass sie funktionieren“.

Zugleich sprach sich der Papst für eine kritische Überprüfung bestehender Strukturen aus. Alle kirchlichen Einrichtungen müssten daran gemessen werden, ob sie dem missionarischen Auftrag der Kirche unter den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen noch gerecht werden. Eine solche Prüfung schwäche die Gemeinschaft nicht, sondern trage zu ihrer Reinigung und Erneuerung bei.

Lebendig werde der Glaube dort, wo Menschen echte Gemeinschaft erfahren, führte Leo XIV. weiter aus. Christlicher Glaube wachse in Gemeinden, die beten und zuhören, in denen das Wort Gottes Entscheidungen präge und die Eucharistie tatsächlich „Quelle und Höhepunkt“ des kirchlichen Lebens sei. Ebenso hob er die besondere Rolle von Armen, Jugendlichen und Familien hervor. Arme seien nicht bloß Empfänger kirchlicher Hilfe, sondern „Brüder und Schwestern, durch die der Herr zu uns spricht“. Junge Menschen müssten als Gesprächspartner ernst genommen werden, Familien dürften mit ihren Herausforderungen nicht allein gelassen werden. Kirche, so die Botschaft des Papstes, müsse ein Ort sein, an dem Glaube nicht abstrakt bleibt, sondern konkrete Auswirkungen auf das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben entfaltet.


A

Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Du kannst auch als Gast kommentieren. Wir senden dir eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird dein Kommentar von der Redaktion geprüft.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...