Papst Leo XIV.: Gebet ist unverzichtbare Dimension des Menschseins
Ist Beten heute noch zeitgemäß? Papst Leo XIV. widerspricht dem Eindruck, Gebet sei bloße Meditation oder Realitätsflucht. Bei der Generalaudienz erläuterte er, warum Liturgie und Stundengebet das christliche Leben prägen und Hoffnung schenken.

Nach der Sommerpause hat Papst Leo XIV. seine wöchentlichen Generalaudienzen wieder aufgenommen und dabei die Bedeutung des Gebets in den Mittelpunkt gestellt. Aufgrund der hohen Temperaturen in Rom verlagerte er die Zusammenkunft in den Petersdom, wo etwa 5.000 Gläubige seinen Worten lauschten. Dabei warnte er vor einer Reduzierung des Betens auf bloßes persönliches Wohlbefinden und betonte dessen zentrale Rolle als Begegnung zwischen Gott und Mensch. Zugleich hob er die Bedeutung der Liturgie und des Stundengebets für die Heiligung des Alltags und das Leben der Kirche hervor.
Gebet ist mehr als persönliches Wohlbefinden
Papst Leo XIV. hat bei seiner Generalaudienz die kirchliche Dimension des Gebets in den Mittelpunkt gestellt. Im Rahmen seiner Katechesereihe zur Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils warnte er davor, das Gebet im modernen Alltag misszuverstehen.
In einer von Effizienz- und Konsumdenken geprägten Gesellschaft erscheine das Beten vielen Menschen als „etwas Nutzloses oder Lächerliches“. Auch werde es häufig mit einer psychologischen Methode verwechselt, „die auf das persönliche Wohlbefinden abzielt“. Dem widersprach der Papst deutlich: Das Gebet sei „eine grundlegende Dimension unseres Menschseins“ und müsse „in seiner Wahrheit wiederentdeckt werden“.
Zugleich kritisierte Leo XIV., dass das Gebet in vielen christlichen Familien nicht mehr selbstverständlich weitergegeben werde. In einer Welt, in der Wissenschaft und Technik häufig den Anspruch erheben, auf alle Fragen Antworten zu liefern, könne Beten zwar als Realitätsflucht erscheinen. Tatsächlich aber sei es eine wesentliche Begegnungsdimension zwischen Gott und Mensch und damit ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens.
Papst Leo XIV. betonte zudem, dass das Zweite Vatikanische Konzil den Begriff des Gebets bewusst weit fasse und auf die gesamte Liturgie beziehe. Diese Sichtweise sei „entscheidend“, weil sie die Liturgiereform geprägt und die aktive Teilnahme der Gläubigen zu ihrem „tragenden Grundpfeiler“ gemacht habe. Die Liturgie sei vor allem ein „Ort der Begegnung“ zwischen Gott und den Menschen. Gott ergreife in Christus die Initiative und komme den Menschen entgegen; die Gläubigen antworteten darauf „durch Christus, mit Christus und in Christus“ im gemeinsamen Gebet der Kirche.
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Stundengebet als Quelle der Hoffnung
In diesem Zusammenhang unterstrich der Pontifex die Bedeutung der Liturgie und insbesondere des Stundengebets für das geistliche Leben der Gläubigen. Unter Bezugnahme auf Papst Paul VI. und den heiligen Augustinus erklärte er, dass das Stundengebet in enger Verbindung mit der Eucharistie den Alltag der Christen heilige und den gesamten Tagesablauf im Glauben präge. Es müsse „immer stärker in den Alltag der Getauften und der Gemeinden integriert und gelebt werden“. Gerade Menschen, die das Beten erst erlernen wollten – insbesondere Katechumenen –, könne es „den Weg und die Schule des christlichen Gebets“ eröffnen.
Jede Gebetszeit habe dabei ihre eigene geistliche Bedeutung: Der Morgen beginne „im Glauben und in Dankbarkeit“, zur Mittagszeit werde um Kraft und Treue in den täglichen Herausforderungen gebetet, während die Vesper den Abschluss des Tages begleite. In der Nacht vertrauten sich die Gläubigen schließlich „dem Frieden Gottes“ an.
Das Stundengebet sei darüber hinaus ein Ausdruck christlicher Hoffnung, betonte der Papst. „Jede Stunde ist ein Akt der Hoffnung“, sagte Leo XIV. Während der irdischen Pilgerschaft warte die Kirche gemeinsam auf „die glorreiche Wiederkunft des Herrn“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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