Vatikan

Papst Leo XIV.: Gottes Reich wächst leise

Nicht Größe oder Macht entscheiden über das Reich Gottes, sondern die stille Kraft des Glaubens. Beim Angelus in Castel Gandolfo ermutigte Papst Leo XIV. die Gläubigen, Gottes verborgenes Wirken auch in schwierigen Zeiten zu erkennen und sich selbst vom Evangelium zu einem dienenden Lebensstil prägen zu lassen.

A
Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV.: Gottes Reich wächst leise
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News

Beim Angelusgebet in Castel Gandolfo hat Papst Leo XIV. die Gläubigen zu einem neuen Blick auf das Reich Gottes eingeladen. Ausgehend von den Gleichnissen des 16. Sonntags im Jahreskreis betonte er, dass Gottes Wirken nicht durch Macht, Triumph oder schnellen Erfolg geprägt sei, sondern im Verborgenen wachse – wie ein Senfkorn oder Sauerteig. Christen und Kirche seien deshalb aufgerufen, Geduld, Vertrauen und einen dienenden Lebensstil zu pflegen sowie auch dort das Gute zu erkennen, wo das Böse sichtbar erscheine. Dabei griff der Papst einen Gedanken des späteren Papstes Benedikt XVI. auf, wonach sich die Kirche der „Logik des Samenkorns“ unterwerfen müsse, um die Welt von innen heraus zu verwandeln.

Gottes leises Wirken

Ausgehend von den Gleichnissen vom guten Weizen und dem Unkraut, vom Senfkorn und vom Sauerteig (Mt 13,24–43) deutete Papst Leo XIV. das Reich Gottes als eine Wirklichkeit, die „die Welt von innen heraus verwandelt“. Die Bilder Jesu zeigten nicht nur, wie Gott in der Geschichte handle, sondern auch, auf welche Weise sein Wirken Gestalt annehme.

Dabei warnte der Papst vor einem Gottesbild, das Macht, Herrschaft und Triumph in den Mittelpunkt stelle. „Mit diesen Erzählungen warnt uns Jesus vor der Versuchung, dass wir uns Gott wie eine mächtige Gestalt vorstellen, die sich mit Gewalt durchsetzt“, sagte er. Stattdessen offenbare sich Gott im Kleinen und Unscheinbaren. Seine Liebe sei „zurückhaltend“, lasse dem Menschen die Freiheit und wirke oft verborgen – „wie das kleinste von allen Samenkörnern“ oder wie der Sauerteig, der den Teig lautlos durchdringe.

Gerade dieses verborgene Wirken Gottes stelle Christen vor eine Herausforderung, führte Leo XIV. weiter aus. Viele Menschen erwarteten ein sofortiges Eingreifen Gottes gegen das Böse und hofften auf eindeutige, sichtbare Lösungen. Das Evangelium lade jedoch zu einer anderen Sichtweise ein: Gottes Reich wachse oft unbemerkt, selbst dort, wo das Böse gegenwärtig sei.

„Wir stellen uns einen starken und mächtigen Gott vor und passen diesem Bild leider auch unsere Art an, Christen zu sein und Kirche zu sein“, gab der Papst zu bedenken. Tatsächlich breite sich das Reich Gottes „auch inmitten des Unkrauts“ aus. Deshalb brauche es einen Blick, „der, ohne alles sofort zu beurteilen, das Gute wahrnehmen kann, das selbst in der Finsternis des Bösen aufkeimt“.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Auch angesichts von Leid und Unrecht verliere Gottes Wirken nichts von seiner Kraft, betonte Leo XIV. Es brauche Geduld, um dieses Wirken zu erkennen, und Vertrauen darauf, dass Gott den Menschen nicht verlasse. Seine Liebe sei selbst dann am Werk, „wenn uns Gott abwesend zu sein scheint. Denn in Wirklichkeit begleitet er uns immer und wirkt seine Liebe stets für uns.“

Kirche soll dem Stil des Evangeliums folgen

Weiter machte Papst Leo XIV. deutlich, dass dieser göttliche Stil auch das Leben der Kirche prägen müsse. Christen seien dazu berufen, „uns einen dem Evangelium gemäßen Stil zu eigen zu machen“, sagte er. Dazu gehöre es, nicht vorschnell zu urteilen, sich nicht mit Macht und Stärke zu behaupten und das Vertrauen in Gottes Wirken nicht zu verlieren.

In diesem Zusammenhang erinnerte der Papst an einen Gedanken des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger aus einem Vortrag im Dezember 2000. Nicht Erfolg oder Größe seien der Maßstab christlichen Handelns, sondern die „Logik des Samenkorns“. Diese verlange, „uns klein zu machen und dem Leben der Menschen zu dienen“. Wer sich darauf einlasse, werde selbst „wie ein kleiner Same des Evangeliums“ und „wie ein Sauerteig der Liebe, der den Teig der Welt verwandelt“.

Zum Abschluss seiner Ansprache verwies Leo XIV. auf die Gottesmutter Maria als Vorbild des Glaubens. Sie habe das Wort Gottes in Demut aufgenommen und ihm Raum gegeben, Frucht zu bringen – eine Haltung, zu der der Papst auch die Gläubigen ermutigte.


A

Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Du kannst auch als Gast kommentieren. Wir senden dir eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird dein Kommentar von der Redaktion geprüft.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...