Papst Leo XIV. in Rimini: Mit Liebe gegen Angst und Spaltung
In Rimini richtet Leo XIV. einen eindringlichen Appell an die junge Generation: Sie soll sich nicht von Krisen, Machtkämpfen und gesellschaftlicher Spaltung lähmen lassen. Statt Rückzug fordert der Papst Mut zur Begegnung – und eine Liebe, die auch Gegner und Fremde einschließt.

Papst Leo XIV. hat die jungen Teilnehmer des 47. „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern“ in Rimini zu einem Christentum der Begegnung, Barmherzigkeit und Verantwortung aufgerufen. In einer von Kriegen, Krisen und gesellschaftlicher Spaltung geprägten Welt dürfe nicht die Angst das Handeln bestimmen, sondern die Liebe. Der Papst appellierte an einen „Realismus der Barmherzigkeit“, der den Menschen in den Mittelpunkt stelle und auch im digitalen Zeitalter Orientierung gebe.
Im Dienst an einer gerechten Welt
Begegnung statt Abschottung, Barmherzigkeit statt Vergeltung, Hoffnung statt Angst: Papst Leo XIV. hat die Teilnehmer des „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern“ in Rimini zu einem Christentum aufgerufen, das sich den Krisen und Spaltungen der Gegenwart aktiv entgegenstellt. Frieden, so seine Botschaft, beginne dort, wo Menschen bereit seien, einander zuzuhören und Unterschiede auszuhalten.
In diesem Zusammenhang würdigte Papst Leo XIV. das von der katholischen Bewegung „Comunione e Liberazione“ organisierte Treffen als ein „lebendiges Erbe“, das seinen Teilnehmern zugleich eine „große geschichtliche Verantwortung“ auferlege. Ihr Auftrag bestehe darin, einer Menschheit zu dienen, die „nach Gerechtigkeit hungert und dürstet“.
Besonders deutlich wandte sich der Papst gegen einen falschen Realismus, der auf Aufrüstung und Macht setze und dadurch Konflikte weiter verschärfe. Dem stellte er einen „Realismus der Barmherzigkeit“ gegenüber. In dieser Perspektive könne es „keine Feinde“ geben – auch Gegner seien Brüder und Schwestern, denen man „in die Augen schauen und in der Wahrheit begegnen“ müsse.
Dabei verschwieg Leo XIV. die Realität von Schuld und Sünde nicht. „Die Sünde existiert, gewiss“, sagte er, doch stärker sei „die erlösende Liebe Christi“. Diese Liebe müsse nach seinen Worten alle Lebensbereiche prägen – von persönlichen Interessen und Gewohnheiten bis hin zu Plänen und Investitionen. Entscheidend sei, alles abzulegen, was von einer „Kultur der Macht“ geprägt sei.
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Der Maßstab des christlichen Handelns könne schließlich nicht die eigene Größe sein. Die Menschen seien vielmehr dazu berufen, nach der Herrlichkeit Gottes zu streben, betonte der Papst – und diese sei etwas grundlegend anderes als die eigene Herrlichkeit. Für Leo XIV. muss christliche Umkehr daher über das persönliche Leben hinausgehen. Auch gesellschaftliche Strukturen, Machtverhältnisse und eine von Profit geprägte Kultur müssten kritisch hinterfragt werden.
Glaube im digitalen Zeitalter
Gleiches gelte für technologische Entwicklungen, die dem Menschen schaden können. Wer Veränderung fordere, müsse dabei „selbst beginnen“, betonte der Papst. Mit Blick auf die rasanten Veränderungen durch Algorithmen und globale Netzwerke sprach Leo XIV. von der Notwendigkeit einer anderen Orientierung. In einer Welt, in der um Märkte und Einfluss gerungen werde, brauche es eine „andersartige, weise und gütige Bestimmung“. Der barmherzige Plan Gottes könne dabei zum „Kompass für ein dem Evangelium entsprechendes Leben im digitalen Zeitalter“ werden. Im Mittelpunkt stehe für Christen das „Geheimnis der Menschwerdung“.
Besonders an die jungen Teilnehmer des Treffens richtete Leo XIV. eine ermutigende Botschaft. Ihr freiwilliger Einsatz in Rimini zeige, dass „die Zukunft eine Verheißung und keine Bedrohung“ sei. Der Papst rief die Jugendlichen zugleich dazu auf, ihre Gemeinschaften nicht als Rückzugsorte zu verstehen. Sie sollten vielmehr von dort aus den Weg in die Gesellschaft suchen und die Begegnung mit anderen wagen. „Widersetzt euch dem, was euch von Brüdern und Schwestern anderer Kulturen, Empfindungen und Herkunft entfremden möchte“, forderte Leo XIV. – und fügte mit Nachdruck hinzu: „Geht stattdessen hinaus und geht auf alle zu!“
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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