Papst Leo XIV.: „Kein Platz für Neid und Spaltung“
Papst Leo XIV. spricht beim Angelusgebet über Gottes Großzügigkeit jenseits menschlichen Leistungsdenkens und erinnert an ein dunkles Kapitel der Geschichte.

Beim Angelusgebet auf dem Petersplatz hat Papst Leo XIV. zu einem christlichen Miteinander jenseits von Konkurrenz und Leistungsdenken aufgerufen. Mit Blick auf das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg betonte er, dass Gottes Großzügigkeit anderen Maßstäben folgt als menschlichem Leistungsdenken. Zugleich erinnerte das Kirchenoberhaupt an die Opfer von Zwangsarbeit und Internierung während des Zweiten Weltkriegs und mahnte dazu, aus der Geschichte zu lernen.
Gottes Güte kennt keine Rangordnung
Vor rund 20.000 Menschen auf dem Petersplatz hat Papst Leo XIV. das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg aus dem Matthäusevangelium (Mt 20,1–16) ausgelegt. Im Mittelpunkt steht für ihn die Szene der Entlohnung: Der Gutsherr hält sein Versprechen gegenüber den Arbeitern, die den ganzen Tag gearbeitet haben, behandelt aber auch jene großzügig, die erst später zum Einsatz kamen.
Die Reaktion der zuerst angeworbenen Arbeiter sei dabei kein nebensächliches Detail. Ihre Unzufriedenheit mache vielmehr deutlich, dass Gottes Güte nicht nach menschlichen Maßstäben von Leistung und Verdienst funktioniere. Die ablehnende Haltung der Arbeiter sei „beabsichtigt“, erklärte Leo XIV., denn die Offenbarung der Güte Gottes gelte „für alle, nicht nur für einige“.
Dabei richtete der Papst den Blick auch auf jene, die sich selbst als die Ersten betrachten. „Gott hat andere Wege und neue Gedanken auch für jene, die sich für die Ersten halten“, sagte er. Wer meine, das Erreichte stehe ihm aufgrund eigener Leistung zu, müsse sich auf eine andere Sichtweise einlassen.
Christlicher Dienst sei deshalb nicht als Anspruch, sondern als Geschenk zu verstehen. „Es ist eine Gnade, Mitarbeiter Gottes zu sein, in seinem Weinberg zu arbeiten“, betonte Leo XIV. In Gottes Reich von „Gerechtigkeit und Frieden“ dürfe es keinen Raum für Neid und Spaltung geben. Zum Abschluss rief der Papst mit Worten des Propheten Jesaja dazu auf, Gott zu suchen und eigene „verkehrte Wege“ und „ungerechte Gedanken“ zu verlassen.
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Erinnerung an Internierte im Zweiten Weltkrieg
An seine Botschaft von Frieden und Versöhnung schloss Leo XIV. beim Angelus eine Erinnerung an ein dunkles Kapitel der europäischen Geschichte an. Er gedachte der Zwangsarbeiter und Internierten, die während des Zweiten Weltkriegs in deutschen Lagern festgehalten wurden, und richtete einen Gruß an die Menschen in Pescantina bei Verona.
Dort wurde an diesem Sonntag der ehemaligen Internierten gedacht, die während des Krieges deportiert und inhaftiert worden waren. Mit seinem Gruß wolle er, so der Papst, „betonen, dass wir nicht vergessen, sondern aus der Geschichte lernen müssen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen“.
Pescantina nahm nach Kriegsende eine besondere Rolle bei der Rückkehr italienischer Gefangener ein. Ab 1945 war der Ort eine zentrale Anlauf- und Durchgangsstation für Hunderttausende italienische Militärinternierte und Zwangsarbeiter, die aus deutschen Lagern befreit worden waren. Über den Bahnhof erreichten Rückkehrerzüge aus Deutschland und Österreich über den Brennerpass Italien.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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