Vatikan

Papst Leo XIV. ruft bei Generalaudienz zu mehr Tiefe in menschlichen Beziehungen auf

Papst Leo XIV. warnt vor den Gefahren der Digitalisierung für zwischenmenschliche Beziehungen und legt in seiner Generalaudienz die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens dar.

A
Andreas Nachbar
2 min Lesezeit
Papst Leo XIV. ruft bei Generalaudienz zu mehr Tiefe in menschlichen Beziehungen auf
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News

Papst Leo XIV. hat angesichts der zunehmenden Digitalisierung vor einer Entpersönlichung menschlicher Beziehungen gewarnt. Bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz betonte er die Bedeutung von Respekt, Verantwortung und persönlicher Begegnung. Mit Blick auf Social Media und Künstliche Intelligenz rief er dazu auf, Entscheidungen nicht an Algorithmen zu delegieren und das Gemeinwohl stärker in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu stellen.

Vielfalt als Chance

In seiner Auslegung von „Gaudium et spes“ richtete Leo XIV. den Blick auf die Grundlagen des Zusammenlebens. Die Verschiedenheit von Menschen und Völkern sei keine Bedrohung, sondern ein „Potenzial für Bereicherung und Wachstum“.

Wo Unterschiede in Gewalt umschlügen, zeige sich dagegen die zerstörerische Kraft von Denkweisen und Handlungen, so der Papst. Dem müsse eine „Logik der Gegenseitigkeit, des Teilens und der Fürsorge“ entgegengesetzt werden.

Beim Begriff des Gemeinwohls verwies der Pontifex auf die gegenseitige Abhängigkeit von Einzelnen, Gruppen und Völkern. Gesellschaftliche Bedingungen müssten es Menschen ermöglichen, „ein volleres und leichteres Erreichen der eigenen Vollendung“ zu verwirklichen. Zugleich trage jeder Verantwortung für das Wohl der gesamten Menschheitsfamilie.

Als weitere Maßstäbe für das gesellschaftliche Zusammenleben nannte der Papst die Achtung der menschlichen Person, den Respekt gegenüber Andersdenkenden und Gegnern sowie die Gleichheit aller Menschen. Daraus folge auch die Verpflichtung zu sozialer Gerechtigkeit.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Leo wandte sich zudem gegen eine „individualistische Mentalität“. Gesellschaft brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich aktiv beteiligen. Die Vision des Konzils von der Menschheit als Gemeinschaft bezeichnete er als ein bedeutendes Erbe, an dem jeder Einzelne mitwirken könne.

Gegen Gewalt und Diskriminierung

Mit deutlichen Worten wandte sich Papst Leo XIV. gegen Gewalt und jede Form der Diskriminierung. Mit Verweis auf „Gaudium et spes“ verurteilte er Handlungen, die „zum Leben selbst in Gegensatz“ stünden. Dazu zählte er, dem Konzilstext folgend, unter anderem Mord und Völkermord ebenso wie Abtreibung, Euthanasie und Selbsttötung.

Auch körperliche und psychische Gewalt, Verhaftungen und Verschleppungen, Sklaverei, Prostitution sowie Mädchen- und Menschenhandel nannte der Papst. Ebenso kritisierte er die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft.

Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, gesellschaftlicher Stellung, Sprache oder Religion müsse „überwunden und beseitigt werden, weil sie dem Plan Gottes widerspricht“, zitierte Leo aus der Konzilskonstitution.

Die Vorstellung einer Menschheit, die füreinander Verantwortung trägt, bezeichnete der Papst als „wertvolles Vermächtnis“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Jeder Einzelne könne dazu beitragen. „Gaudium et spes“ biete dabei Orientierung, um gesellschaftliche und politische Vorhaben anhand von Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit und der Beteiligung am Gemeinwohl zu beurteilen.

A

Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Du kannst auch als Gast kommentieren. Wir senden dir eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird dein Kommentar von der Redaktion geprüft.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...

Bleiben Sie auf dem neuesten Stand – melden Sie sich für unseren Newsletter an