Vatikan

Papst Leo XIV. warnt Piusbruderschaft vor Schisma: „Kehrt um!“

Der Konflikt zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft St. Pius X. spitzt sich zu: Papst Leo XIV. warnt eindringlich vor einem Bruch und ruft die Bruderschaft zur Umkehr auf.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV. warnt Piusbruderschaft vor Schisma: „Kehrt um!“
(c) Bildnachweis: Screenshot | YouTube | SSPX News - English

Mit einem eindringlichen Appell versucht Papst Leo XIV., eine neue Eskalation im Konflikt mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu verhindern. Einen Tag vor den angekündigten unerlaubten Bischofsweihen am heutigen Mittwoch, 1. Juli, in der Schweiz fordert er die Piusbrüder auf, von ihrem Vorhaben abzurücken und den Dialog mit dem Vatikan fortzusetzen. Theologen sehen in den geplanten Weihen einen möglichen Schritt ins Schisma – mit weitreichenden kirchenrechtlichen und theologischen Folgen.

Papst Leo XIV.: „Das Zertrennen des nahtlosen Gewandes Christi ist eine Sünde von äußerster Schwere“

Mit einer klaren Warnung appelliert Papst Leo XIV. an die Piusbrüder, die für Mittwoch geplanten unerlaubten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht durchzuführen. In einem am Dienstag vom vatikanischen Presseamt veröffentlichten Schreiben fordert er den Generaloberen Davide Pagliarani „voller christlicher Zuneigung“ auf, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen.

Der Papst warnt eindringlich vor den Folgen eines Bruchs mit Rom. „Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken“, schreibt Leo XIV. Der geplante „schismatische Akt“ würde die Gläubigen „des rechtmäßigen und in manchen Fällen sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben, die sie lieben und für ihre Heiligung suchen“.

Damit spielt der Papst insbesondere auf die Sakramente der Beichte und der Ehe an. Papst Franziskus hatte verfügt, dass Beichten bei Priestern der Piusbruderschaft sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch Eheschließungen kirchenrechtlich gültig sind. Diese Sonderregelungen stünden im Fall eines Schismas auf dem Spiel.

Zugleich ruft Leo XIV. die Piusbrüder dazu auf, den Dialog mit dem Vatikan fortzusetzen. „Ich bete für euch, denn das Zertrennen des nahtlosen Gewandes Christi ist eine Sünde von äußerster Schwere. Der Herr möge euer Gewissen erleuchten und eure Herzen erwecken“, heißt es in dem Schreiben.

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Die Piusbruderschaft will dennoch am Mittwoch in der Schweiz mehrere Bischöfe ohne päpstliche Zustimmung weihen. Nach katholischem Kirchenrecht zieht eine solche unerlaubte Bischofsweihe für die Hauptbeteiligten automatisch die Exkommunikation nach sich. Der Brief des Papstes trägt das Datum 29. Juni, des Hochfests der Apostel Petrus und Paulus.

Dogmatiker Tück: „Weg ins Schisma“

Unabhängig vom Appell des Papstes sieht der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück in den angekündigten Bischofsweihen den Ausdruck eines tiefer liegenden Konflikts zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und der katholischen Kirche. Eine Einigung könne es nur geben, wenn die Bruderschaft das Zweite Vatikanische Konzil vollständig anerkenne. „Ohne restlose Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt es keine Einigung“, sagte Tück.

Wer zentrale Erklärungen und Dekrete des Konzils infrage stelle, rüttle letztlich auch an dessen dogmatischen Grundlagen, betont der Theologe. Zwar habe das Konzil selbst zwischen Konstitutionen, Dekreten und Erklärungen unterschieden. Die von der Piusbruderschaft abgelehnten Neuerungen – etwa Religionsfreiheit, Ökumene und das Verhältnis zum Judentum – seien jedoch „in den dogmatischen Konstitutionen grundgelegt“.

Eine vorbehaltlose Anerkennung der Piusbruderschaft würde nach Ansicht Tücks zu „einer widersprüchlichen Theologie“ führen. So lasse sich die Ablehnung der Lehre von Nostra Aetate nicht mit der kirchlichen Überzeugung vereinbaren, dass das Judentum weiterhin im „ungekündigten Bund“ mit Gott stehe. Ebenso widersprächen Forderungen nach einem konfessionellen Staat dem kirchlichen Bekenntnis zur Religionsfreiheit und zum säkularen Rechtsstaat.

Auch im Verhältnis zu anderen christlichen Kirchen sieht Tück unüberbrückbare Gegensätze. „Man kann nicht sagen, dass die Nicht-Katholiken ,Schismatiker‘ und ,Häretiker‘ sind und ihnen zugleich auf Augenhöhe als getrennten Brüdern und Schwestern begegnen.“ Sollten die angekündigten unerlaubten Bischofsweihen tatsächlich stattfinden, würden sie daher „klare Verhältnisse“ schaffen. Mit Blick auf die Entwicklung der Piusbruderschaft spricht Tück von einem „Weg ins Schisma“.


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