Vatikan

Papst Leo XIV. will auf Lampedusa ein Zeichen der Menschlichkeit setzen

Mit Gebet, Begegnungen und klaren Gesten der Nähe erinnert Papst Leo XIV. auf Lampedusa an die Opfer der Flucht über das Mittelmeer. Der Besuch knüpft an die Botschaft von Papst Franziskus an und rückt die Würde der Migranten erneut in den Mittelpunkt.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV. will auf Lampedusa ein Zeichen der Menschlichkeit setzen
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News

Mit einem stillen Gebet für die im Mittelmeer verstorbenen Migranten will Papst Leo XIV. seinen Besuch auf Lampedusa beginnen und damit ein deutliches Zeichen für Menschlichkeit und Erinnerung setzen. Der Besuch, der 13 Jahre nach der historischen Visite von Papst Franziskus stattfindet, führt den Papst zu den Gräbern verstorbener Migranten, zu Überlebenden am Molo Favarolo und schließlich zur Eucharistiefeier mit der Inselgemeinde. Für den Erzbischof von Agrigent, Alessandro Damiano, soll der Besuch vor allem eine Botschaft vermitteln: Hinter den Debatten über Migration müsse stets die Würde jedes einzelnen Menschen stehen.

Papstbesuch auf Lampedusa – Was sich seit 2013 verändert hat

Seit dem Besuch von Papst Franziskus im Jahr 2013 habe sich an den Ursachen und der Realität der Migration wenig geändert, erklärt Erzbischof Damiano. Die Ankünfte auf Lampedusa gingen – abhängig von den Wetterbedingungen und der Lage an den nordafrikanischen Küsten – weiter.

Verändert habe sich jedoch die Art und Weise, wie die ankommenden Menschen aufgenommen würden. Während früher Fischer und Inselbewohner Schiffbrüchige häufig unmittelbar versorgt, in ihren Häusern aufgenommen und mit Kleidung, Nahrung sowie einfachen Hilfen unterstützt hätten, liege die Verantwortung heute weitgehend bei der Küstenwache, der Finanzpolizei und anderen staatlichen Behörden. Das habe die Abläufe zwar geordnet, zugleich seien Ankunft und Erstversorgung deutlich stärker kontrolliert worden. Damiano spricht in diesem Zusammenhang von einem inzwischen weitgehend „militarisierten“ Verfahren.

Ein erster bewegender Programmpunkt des Papstbesuchs wird das stille Gebet auf dem Friedhof der Insel sein. Dort will Leo XIV. der Menschen gedenken, die auf der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind – darunter auch des sechs Monate alten Yusuf aus Guinea, der 2020 bei einem Bootsunglück starb.

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Migranten mit Menschlichkeit begegnen

Nach dem Gedenken auf dem Friedhof wird der Papst zur Porta d’Europa und weiter zum Molo Favarolo fahren, wo die Begegnung mit einer Gruppe von Migranten vorgesehen ist. Den Abschluss des Besuchs bildet eine Eucharistiefeier mit der Inselgemeinde im Stadion von Lampedusa. Für den Erzbischof folgt das Programm einer klaren Dramaturgie: „Erinnerung an die Toten, Begegnung mit den Überlebenden und Gemeinschaft mit einer lebendigen Kirche.“

Das Gebet auf dem Friedhof bezeichnet Damiano als Schlüsselmoment des Besuchs. Es stehe für „jene Zärtlichkeit, die die Toten im Meer nicht erhalten“ hätten. Zugleich werde Leo XIV. auf Lampedusa nicht nur eine von Touristen geprägte Insel erleben, sondern vor allem eine Kirchengemeinde, die den Migranten seit Jahren mit konkreter und einfacher Nähe begegne.

Nach Ansicht des Erzbischofs sind es oft kleine Gesten, die den Unterschied machen. Die Kirche, die Bewohner Lampedusas und verschiedene Hilfsorganisationen versuchten, den Ankommenden ihre Würde zu bewahren – mit einer Flasche Wasser, einem warmen Tee oder schlicht mit einem offenen Blick. Entscheidend sei, den Menschen „in die Augen zu schauen“ und Männer, Frauen und Kinder nicht zuerst als Problem, sondern als Menschen wahrzunehmen.

Damiano ordnet den Besuch zudem in den größeren Kurs des Pontifikats ein. Bereits vor wenigen Wochen hatte Leo XIV. bei seinem Besuch auf den Kanarischen Inseln die Menschenhändler mit den eindringlichen Worten aufgefordert: „Haltet ein, bekehrt euch.“ Auch der Besuch auf Lampedusa soll diese Botschaft fortführen und den Appell zu mehr Menschlichkeit mit einer klaren Verurteilung jener verbinden, die das Leid von Flüchtenden für ihre Geschäfte ausnutzen.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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