Nach einer Woche gemeinsamer Exerzitien hat sich Papst Leo XIV. am Freitagabend in freier Ansprache an die Römische Kurie gewandt und die zentrale Bedeutung von Gemeinschaft und Gebet für Kirche und geistliches Leben betont. In der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palastes dankte er dem norwegischen Zisterzienserbischof Erik Varden für dessen geistliche Impulse und rief dazu auf, das Wort Gottes als Maßstab kirchlichen Handelns neu zu verinnerlichen.
Exerzitien: Impulse für den Fastenweg
Am Ende einer Vesperfeier im Apostolischen Palast wandte sich Papst Leo XIV. mit Worten des Dankes an den norwegischen Zisterzienserbischof Erik Varden, den er mit der Leitung der Meditationen in der Paulinischen Kapelle während der Exerzitien-Woche betraut hatte. Er habe geholfen, eine „tiefgreifende spirituelle Erfahrung zu machen, die so wichtig für unseren Fastenweg ist“, sagte der Papst und fügte hinzu: „Ihre Weisheit, Ihr Zeugnis und das des klösterlichen Lebens des heiligen Bernhard, der Reichtum Ihrer Betrachtungen werden uns noch lange Zeit ein Segen, eine Quelle der Gnade und eine Quelle der Begegnung mit Jesus Christus sein.“ In seinen Meditationen rief der norwegische Bischof unter anderem zu einer Rückkehr zum Wesentlichen auf und forderte Wachsamkeit gegenüber Ehrgeiz und Zeitgeist. Darüber hinaus bezeichnete er die kirchliche Korruption als tiefste Krise.
Rückblickend auf die gemeinsame Woche nannte der Papst „einige Punkte, denen ich zustimme“. So verwies er auf den Kirchenlehrer John Henry Newman und dessen Gedicht Der Traum des Gerontius, in dem Newman Tod und Gericht als Prisma nutze, durch das der Mensch seine eigene Todesangst und sein Gefühl der Unwürdigkeit vor Gott ergründen könne.
Auch „Aspekte wie Freiheit und Wahrheit“ seien „wichtig für unser Leben“, betonte Leo XIV. Mit Blick auf den Philipperbrief erinnerte er daran, dass das Wort Gottes eine Einladung sei: „Darum lebt so, wie es dem Evangelium Christi würdig ist.“
Momente der Reflexion und Erinnerung
Er selbst sei „persönlich in manchen Momenten besonders zum Nachdenken angeregt worden“, sagte Papst Leo XIV. mit Blick auf die Exerzitien. Besonders bewegt habe ihn die Betrachtung des Predigers zur Wahl von Papst Eugen III. sowie die mahnenden Worte des heiligen Bernhard von Clairvaux: „Was hast du getan? Gott sei dir gnädig.“
In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. auch an den Tag seiner eigenen Wahl am 8. Mai. Damals hatten sich die Kardinäle in der Paulinischen Kapelle zur Eucharistie versammelt – unter der Inschrift aus dem Philipperbrief: „Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben ein Gewinn.“ Diese Worte seien ihm erneut nahegegangen, so der Papst. Zugleich betonte er, wie wichtig das gemeinsame Gebet für die Einheit der Kirche sei: Zwar komme man im Geist der Zusammenarbeit zusammen, doch erlebe man sich bisweilen auch als voneinander getrennt. Gerade deshalb sei das gemeinsame Gebet ein unverzichtbarer Moment, um über zentrale Fragen des kirchlichen Lebens nachzudenken.
Abschließend dankte der Papst den Mitarbeitern des Amtes für Liturgische Feiern für die Vorbereitung der Fastenexerzitien sowie dem Chor für die musikalische Gestaltung. Musik helfe „auf eine Weise, die Worte nicht vermögen, und erhebt unsere Herzen zum Herrn“, sagte Leo XIV., bevor er den Anwesenden seinen Segen spendete.
