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Parolin bei UN: Vertrauen durch Dialog und Gerechtigkeit stärken

Bei der UN-Generalversammlung in New York vertritt Kardinalstaatssekretär Parolin den Heiligen Stuhl und mahnt angesichts weltweiter Konflikte zu Dialog und Gerechtigkeit.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Parolin bei UN: Vertrauen durch Dialog und Gerechtigkeit stärken
(c) Bildnachweis: Beitragsbild @ palinchak - Depositphotos - ID - 113945748

Während Papst Leo XIV. derzeit Frankreich besucht, vertritt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin den Heiligen Stuhl bei der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. In seiner Ansprache rief der Vatikan-Diplomat die internationale Gemeinschaft dazu auf, angesichts zahlreicher Kriege und Krisen neues Vertrauen durch Dialog, Gerechtigkeit und die Achtung des Völkerrechts aufzubauen. Das Motto der diesjährigen UN-Generalversammlung– „Vertrauen wiederherstellen, Transformation gestalten: Vereinte Nationen, die für alle da sind“ -sei angesichts der aktuellen Herausforderungen „nicht nur ein Wunsch, sondern ein dringendes moralisches und politisches Gebot“.

Multilateralismus vor neuen Herausforderungen

Ausgangspunkt für Parolins Appell ist die Frage, wie internationale Zusammenarbeit angesichts der zahlreichen Konflikte wieder handlungsfähiger werden kann. Die Vereinten Nationen müssten sich dabei an die veränderten globalen Bedingungen anpassen, ohne ihren grundlegenden Auftrag aus den Augen zu verlieren. „Die Krise des Multilateralismus schmälert nicht seine Bedeutung“, betonte der Kardinal.

Die 1945 gegründeten Vereinten Nationen seien aus den Erfahrungen einer globalen Katastrophe hervorgegangen. Ihr Auftrag bestehe weiterhin darin, den Frieden zu schützen, Menschenrechte zu verteidigen und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Zugleich müssten die Strukturen „zielgerichteter, effizienter und stärker auf die Einheit der Menschheitsfamilie ausgerichtet“ werden.

In seiner Ansprache verwies Parolin auf zahlreiche aktuelle Krisenherde – von der Ukraine und dem Nahen Osten über den Sudan und die Demokratische Republik Kongo bis hin zu Venezuela, Haiti und Nicaragua. Auch die Lage der Rohingya sowie der Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan kamen zur Sprache. Angesichts dieser Konflikte setzt der Heilige Stuhl auf Dialog, Waffenstillstände, humanitäre Hilfe und den Schutz der Zivilbevölkerung.

„Kultur der Verhandlung“ zum Aufbau von Vertrauen

Als Grundlage für eine solche Politik nannte Parolin drei Begriffe, die Papst Leo XIV. für die Diplomatie hervorgehoben habe: Frieden, Gerechtigkeit und Wahrheit. Notwendig sei ein Wandel von einer „Kultur der Macht“ hin zu einer „Kultur der Verhandlung“. Dialog und Diplomatie müssten dabei zentrale Instrumente zur Lösung von Konflikten und zum Wiederaufbau von Vertrauen sein.

Frieden erschöpfe sich nach den Worten des Kardinals nicht in der bloßen Abwesenheit von Krieg. „Frieden ist die Frucht der Gerechtigkeit“, sagte Parolin. Ungleichheit, Ausgrenzung und die Verletzung grundlegender Rechte könnten den Frieden ebenso gefährden wie die Haltung, den anderen nicht als Bruder oder Schwester, sondern als Rivalen zu betrachten.

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Zugleich sprach sich der Vatikan-Diplomat für Abrüstung aus. Das Recht eines Staates auf Selbstverteidigung müsse gewahrt bleiben, dürfe jedoch nicht zu einem neuen Wettrüsten führen.

Mensch und Menschenrechte im Mittelpunkt

Neben den aktuellen Konflikten richtete Parolin den Blick auch auf die Folgen des technologischen Wandels. Besonders bei der künstlichen Intelligenz müsse der Mensch im Mittelpunkt bleiben. In einer Zeit, in der Menschen zunehmend auf Konsumenten, Daten oder Instrumente reduziert werden könnten, müsse er nach den Worten von Papst Leo XIV. „das Maß allen Fortschritts“ bleiben.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Kardinal dem Einsatz von KI in autonomen Waffensystemen. Entscheidungen über tödliche Gewalt dürften nicht undurchsichtigen oder automatisierten Verfahren überlassen werden. Sie müssten vielmehr „unter wirksamer, bewusster und verantwortlicher menschlicher Kontrolle“ bleiben. Der Heilige Stuhl plädiert deshalb für internationale Regeln, die ein technologisches Wettrüsten begrenzen und den Schutz der Zivilbevölkerung sicherstellen.

Auch Menschenwürde und Menschenrechte seien bei diesen Entwicklungen als Maßstab zu beachten. Parolin betonte, dass Menschenrechte nicht von Staaten oder Regierungen verliehen würden, sondern jedem Menschen zukämen. Besonderen Schutz benötigten Menschen in verletzlichen Situationen, darunter Migranten und Flüchtlinge.

„Die Würde hängt nicht vom geografischen Ort oder vom sozioökonomischen Status ab“, sagte der Kardinal. Wer seine Heimat verlassen müsse oder zur Flucht gezwungen werde, verliere diese Würde nicht. Auch die Religionsfreiheit bezeichnete Parolin als grundlegendes Menschenrecht. Der Schutz der Freiheit einer einzelnen religiösen Gemeinschaft trage zugleich zur Freiheit aller bei.

Zum Abschluss seiner Ansprache rief Parolin zu einer erneuerten internationalen Zusammenarbeit auf. Entscheidend seien „der Wille, die Gerechtigkeit zu wahren, statt auf Gewalt zurückzugreifen“ und „den Frieden der Zerstörung vorzuziehen“. Die internationale Gemeinschaft müsse Vertrauen wiederherstellen und durch Dialog und Solidarität eine multilaterale Ordnung schaffen, „die wirklich für alle da ist“.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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