Polnische Bischöfe fordern Rückkehr zum regulären Religionsunterricht
Polens Regierung baut den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen um – sehr zum Unmut der katholischen Kirche. Die Bischöfe sehen darin eine Marginalisierung religiöser Bildung und warnen zugleich vor dem neuen Pflichtfach „Gesundheitserziehung“.
Nicht nur in Deutschland wird über den Stellenwert des Religionsunterrichts an Schulen diskutiert. Während in Niedersachsen mit Beginn des neuen Schuljahres das neue Fach „Christlicher Religionsunterricht“ startet, in dem evangelische und katholische Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet werden, wird der Religionsunterricht in Polen deutlich zurückgefahren. Ab dem neuen Schuljahr ist an öffentlichen Schulen nur noch eine Wochenstunde vorgesehen – bislang waren es zwei. Kurz vor Beginn des Schuljahres haben die polnischen Bischöfe deshalb erneut eine vollständige Rückkehr zum regulären Religionsunterricht gefordert. In einer Erklärung warnen sie vor einer obligatorischen „Gesundheitserziehung“.
Religionsunterricht ein „verfassungsmäßiges Recht“
Die polnischen Bischöfe sehen sich angesichts der Änderungen im Schulunterricht zum Widerspruch verpflichtet. Man fühle sich „im Sinne der Seelsorge für die Jugend“ dazu aufgerufen, „unsere Stimme zu erheben“, heißt es in der am 24. August veröffentlichten Erklärung „Ein junger Mensch verdient mehr“. Unterzeichnet wurde sie vom Präsidium der polnischen Bischofskonferenz unter Leitung des Erzbischofs von Gdańsk (Danzig), Tadeusz Wojda.
Dabei betonen die Bischöfe, Religionsunterricht sei „kein Privileg der Kirche“, sondern ein „verfassungsmäßiges Recht“. Dieses gründe auf der Gewissens- und Religionsfreiheit sowie auf dem Recht der Eltern, ihre Kinder entsprechend ihren eigenen Überzeugungen zu erziehen.
Zugleich heben die Bischöfe den gesellschaftlichen Wert des Religionsunterrichts hervor. Auch Nichtgläubige könnten dadurch die Geschichte Polens und Europas sowie Kunst, Kultur und Literatur besser verstehen. Gerade „in Krisenzeiten“ könne Religion ein „Leitlicht“ sein, „das verhindert, dass sie sich verirren“.
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Die Bischöfe kritisieren insbesondere die Neuregelungen des Bildungsministeriums. Dazu zählen die Verlegung des Religionsunterrichts „vor oder nach anderen schulischen Aktivitäten“, die Kürzung auf eine Wochenstunde, Änderungen bei der Zusammensetzung der Religionsgruppen sowie die Abschaffung der Religionsnote für den Notendurchschnitt. Dadurch werde die religiöse Bildung an den Schulen zunehmend an den Rand gedrängt, heißt es in der Erklärung. Die Bischöfe fordern daher „die unverzügliche Wiederherstellung des angemessenen Stellenwerts dieser Fächer“ und zugleich einen „echten Dialog mit Vertretern der Religionsgemeinschaften“.
Streit um Gesundheitserziehung
Zugleich weisen die Bischöfe den Vorwurf zurück, Wertevermittlung stehe im Gegensatz zu einer pluralistischen Gesellschaft. Sie könne vielmehr „einen respektvollen Dialog und den Aufbau von Gemeinschaft“ fördern. Eine Wahlmöglichkeit zwischen Religions- und Ethikunterricht lehnen sie daher ausdrücklich nicht ab.
Kritischer äußert sich der Episkopat zum neuen Pflichtfach „Gesundheitserziehung“. Dass der Bereich Sexualität dabei optional angeboten werde, „löse das Problem nicht“, so die Bischöfe. Gerade bei einem „so sensiblen Bereich des menschlichen Lebens“ müsse das Entscheidungsrecht der Eltern bei der Ausgestaltung des Unterrichts gewahrt bleiben.
Nach Ansicht der Bischöfe sollte Sexualität im Zusammenhang mit Ehe und Familie behandelt werden. Besorgniserregend sei zudem „das Fehlen einer klaren Position, wonach die Ehe eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist“. Die Reformen sorgen in Polen weiterhin für kontroverse Debatten. Auch die „Koalition zur Rettung der polnischen Schulen“ lehnt die Gesundheitserziehung ab und wirft ihr einen „familienfeindlichen und genderideologischen Charakter“ vor.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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