Proteste und politische Debatte beim Auftritt von Merz auf dem Katholikentag in Würzburg
Proteste beim Auftritt von Bundeskanzler Merz auf dem Katholikentag in Würzburg: 600 Demonstrierende kritisieren Regierung - Merz debattiert über Jugendbeteiligung in der Politik und Streitkultur.
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Beim Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Katholikentag in Würzburg ist es am Freitag zu Protesten und Zwischenrufen gekommen. Vor dem Congress Centrum Würzburg demonstrierten laut Polizei rund 600 Menschen gegen die Politik der Bundesregierung, während Merz im Inneren mit Jugendvertreterinnen über politische Teilhabe, Streitkultur und die Rolle junger Menschen in der Demokratie diskutierte. Dabei räumte der Kanzler Kommunikationsdefizite ein und warb zugleich für mehr Engagement in Parteien und kommunalen Gremien.
Merz wirbt beim Katholikentag für mehr Jugendbeteiligung
Beim Katholikentag in Würzburg ist Bundeskanzler Friedrich Merz in einer Diskussion mit Jugendvertreterinnen auf Kritik an seiner Politik und Kommunikation gestoßen. Vertreterinnen der jungen Generation forderten im voll besetzten Congress Centrum, Jugendliche stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen und sie nicht pauschal als „faul“ zu bezeichnen. Merz wies diese Darstellung zurück: „In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind“, sagte er, räumte jedoch zugleich ein: „Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss.“
Unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“ diskutierte der Kanzler mit Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, sowie Lisa Quarch vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Zu Beginn wurde Merz auf eine Bibelstelle angesprochen, auf die er sich bereits beim Katholikentag in Erfurt bezogen hatte. Die Passage aus dem Hebräerbrief – „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige“ – bedeute für ihn, „dass es in dieser Welt immer nur um vorletzte Dinge geht“ und dass sie zur Demut aufrufe. Er habe damit ausdrücken wollen, „dass wir diese Welt nur geliehen haben“ und den Auftrag hätten, „die Welt den Kindern und Enkelkindern in einem guten Zustand zu übergeben“, so Merz weiter.
Gleichzeitig warb Merz für mehr politisches Engagement junger Menschen in Parteien und in der Kommunalpolitik. Ehrenamtliches Engagement sei wichtig, könne aber die langfristige politische Arbeit nicht ersetzen: „Ohne die politischen Parteien ist unsere Demokratie keine Demokratie mehr.“ Zugleich betonte er: „Zur Demokratie gehört Streit“, dieser müsse jedoch zu Ergebnissen führen – möglicherweise werde im politischen Alltag derzeit „zu viel gestritten und zu wenig gelöst“.
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Merz: „Demokratie lebt vom Streit – aber er muss zu Ergebnissen führen“
Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Katholikentag in Würzburg fehlende Fortschritte bei zentralen politischen Vorhaben eingeräumt. „Zur Demokratie gehört Streit“, sagte er in einer Diskussion. „Wenn wir zu einem politischen Thema nicht mehr streiten, ist wahrscheinlich etwas falsch.“ Gleichzeitig warnte er jedoch davor, dass politische Auseinandersetzungen ins Leere laufen könnten: „Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse.“
Mit Blick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt stellte Merz die Frage, ob sich die Menschen in Deutschland weiterhin gegenseitig zuhören und unterschiedliche Positionen akzeptieren. „Leben wir in einem Land, in dem wir uns gegenseitig noch ertragen, uns zuhören und auch andere Meinungen akzeptieren?“, so der Kanzler. Ziel müsse es sein, „trotz aller Ausdifferenzierungen des politischen Spektrums Probleme lösen“ zu können.
Zugleich rief Merz insbesondere junge Menschen dazu auf, sich stärker in Parteien und kommunalen Gremien zu engagieren. Zwar gebe es viel ehrenamtliches Engagement für einzelne Themen, dies ersetze jedoch nicht die politische Arbeit in Institutionen: „Ohne die politischen Parteien ist unsere Demokratie keine Demokratie mehr.“ Eine Absenkung des Wahlalters auf Bundesebene lehnte der Kanzler erneut ab. Er wolle es „dabei belassen, dass wir das aktive und passive Wahlrecht bei 18 belassen“.
Proteste begleiten Merz-Auftritt in Würzburg
Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Katholikentag in Würzburg ist von Protesten begleitet worden. Nach Angaben der Polizei versammelten sich am Freitagvormittag rund 600 Demonstrierende vor dem Congress Centrum Würzburg. Zu der Kundgebung hatte das „Offene Antifaschistische Treffen“ aufgerufen. Die Organisatoren warfen der Bundesregierung und Merz vor, die Anliegen junger Menschen zu ignorieren. Unterstützt wurde der Protest unter anderem von Ortsgruppen der Klimabewegung Fridays for Future sowie der Initiative Seebrücke.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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