Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
Darf ein Spitzenpolitiker ein in Deutschland verbotenes Verfahren im Ausland nutzen, obwohl er das entsprechende Verbot selbst politisch mitgetragen hat? Der Fall Jens Spahn hat eine Grundsatzdebatte über Leihmutterschaft, politische Glaubwürdigkeit und ethische Grenzen neu entfacht. Eine aktuelle INSA-Umfrage zeigt nun, wie die Bevölkerung das Thema bewertet.

Die Debatte um Leihmutterschaft ist nach dem Rücktritt des ehemaligen Unionsfraktionschefs Jens Spahn erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Einer aktuellen INSA-Umfrage zufolge spricht sich eine relative Mehrheit der Deutschen gegen Leihmutterschaft aus. Besonders ausgeprägt ist die Ablehnung unter Männern, Ostdeutschen und Freikirchlern. Die katholische Kirche lehnt die Praxis grundsätzlich ab und verweist auf den Schutz der Würde von Kind und austragender Frau.
Mehrheit sieht Leihmutterschaft kritisch
Eine relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA hervor. 41 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass „der Wunsch nach einem eigenen Kind keine Leihmutterschaft rechtfertige“. 36 Prozent widersprachen, 19 Prozent antworteten mit „Weiß nicht“, fünf Prozent machten keine Angabe. Für die repräsentative Online-Umfrage wurden vom 17. bis 20. Juli insgesamt 2.005 Erwachsene befragt.
Neue Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch den Rücktritt des damaligen Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn. Spahn und sein Partner Daniel Funke hatten bekannt gegeben, dass ihr gemeinsamer Sohn von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde. Da Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist, löste dies innerhalb der Union eine kontroverse Debatte aus. Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender Friedrich Merz forderte Spahn schließlich zum Rückzug vom Fraktionsvorsitz auf, dem dieser nachkam.
Als bislang einziger deutscher Bischof äußerte sich der Passauer Bischof Stefan Oster SDB öffentlich zu dem Fall. Er sprach von einem „echten Skandal“. Wörtlich erklärte er: „Wenn also ein prominenter CDU-Politiker in Sachen Leihmutterschaft zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und gegen die Grundlinien der eigenen Partei in dieser für unser Menschenbild so wichtigen Sache bewusst verstößt – und damit auch noch positiv werbend für Leihmutterschaft eintritt, halte ich das für einen echten Skandal.“
Unterschiede nach Geschlecht und Konfession
Die repräsentative INSA-Erhebung zeigt deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. Männer lehnen Leihmutterschaft häufiger ab als Frauen: 44 Prozent der befragten Männer stimmten der Aussage zu, dass der Wunsch nach einem eigenen Kind Leihmutterschaft nicht rechtfertige, während 34 Prozent anderer Meinung waren. Bei den Frauen fiel das Meinungsbild deutlich ausgeglichener aus: 39 Prozent äußerten Ablehnung, 38 Prozent Zustimmung.
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Auch regional zeigen sich Unterschiede. In Ostdeutschland überwog die Ablehnung mit 42 zu 32 Prozent etwas stärker als in Westdeutschland, wo sich 41 Prozent gegen und 37 Prozent für Leihmutterschaft aussprachen.
Besonders deutlich fiel die Ablehnung unter den christlichen Konfessionen bei Freikirchlern aus: 62 Prozent lehnten Leihmutterschaft ab, 31 Prozent befürworteten sie. Unter Katholiken lag das Verhältnis bei 44 zu 35 Prozent, unter Mitgliedern der evangelischen Landeskirchen bei 41 zu 38 Prozent.
Kirche warnt vor schwerer Verletzung der Würde
Die katholische Kirche weist Leihmutterschaft grundsätzlich zurück. Sie betrachtet sie als schwerwiegenden Verstoß gegen die Würde sowohl des Kindes als auch der Frau, die das Kind austrägt. Im Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 2376 und 2377) wird erklärt, dass Verfahren, die einen Dritten – etwa eine Leihmutter – in die Fortpflanzung einbeziehen, das Recht des Kindes verletzen, von einem Vater und einer Mutter geboren zu werden, die miteinander verheiratet sind.
Diese Position wurde zuletzt durch das im April 2024 veröffentlichte Grundsatzdokument Dignitas infinita des Dikasteriums für die Glaubenslehre bekräftigt. Das von Papst Franziskus approbierte Schreiben bezeichnet Leihmutterschaft ausdrücklich als eine „schwere Verletzung der Würde“ sowohl des Kindes als auch der austragenden Frau.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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