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Religionsfreiheit unter Druck: Bischof Meier zieht Bilanz seiner Asienreise

Zwischen gelebtem interreligiösem Dialog und wachsender staatlicher Kontrolle: Auf seiner Reise durch Singapur, Hongkong und Macau begegnet Bischof Dr. Bertram Meier einer Kirche mit zwei Gesichtern. Während Katholiken in Singapur ihren Glauben vergleichsweise frei leben können, wächst in Chinas Einflussbereich der Druck auf kirchliche Gemeinschaften – besonders auf dem Festland.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Religionsfreiheit unter Druck: Bischof Meier zieht Bilanz seiner Asienreise
(c) Deutsche Bischofskonferenz / Ulrich Bobinger

Nach einer einwöchigen Reise nach Singapur, Hongkong und Macau zieht der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Bertram Meier, eine differenzierte Bilanz über die Lage der katholischen Kirche in Südostasien. Während die Kirche in Singapur ihren Glauben vergleichsweise frei leben könne, nehme der politische Druck auf katholische Gemeinden in Hongkong und Macau spürbar zu. Mit Sorge blickt Meier insbesondere auf die Situation der Katholikinnen und Katholiken auf dem chinesischen Festland, wo staatliche Einschränkungen das kirchliche Leben erheblich erschweren.

Zwischen Religionsfreiheit und staatlicher Repression

Mit sehr unterschiedlichen Eindrücken ist Bischof Meier von seiner Reise nach Singapur, Hongkong und Macau zurückgekehrt. „Auf meinen einzelnen Stationen habe ich sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen vorgefunden“, bilanziert der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Während die katholische Kirche in Singapur vergleichsweise frei agieren könne, stehe sie in den chinesischen Sonderverwaltungszonen zunehmend unter staatlichem Druck. „Die katholische Minderheit sieht sich hier durch eine vertiefte staatliche Regulierung in ihren Handlungsmöglichkeiten zunehmend eingeengt“, so Meier.

Den Auftakt seiner Reise bildete Singapur – ein Stadtstaat, der als Beispiel für das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen gilt. Auf einer Fläche von rund 730 Quadratkilometern leben etwa sechs Millionen Menschen, darunter rund 400.000 Katholikinnen und Katholiken.

Bei seinem Besuch traf Meier unter anderem den Erzbischof von Singapur, Kardinal William Goh. Dieser bezeichnete „gegenseitigen Respekt“ als Fundament des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Alle Religionen vermittelten ähnliche Werte wie Liebe, Gerechtigkeit und Harmonie, weshalb jede von der anderen lernen könne. Der interreligiöse Dialog sei in Singapur „weniger eine akademische Disziplin als gelebter Alltag“. Zugleich hob Goh hervor, dass der säkulare Charakter des Staates, der keine Religion bevorzuge, wesentlich zum gesellschaftlichen Frieden beitrage.

Sorge um die Kirche in China

In Hongkong und Macau gewann der Augsburger Bischof einen Eindruck von einer deutlich angespannteren Lage als in Singapur. Die beiden Sonderverwaltungszonen verfügen zwar weiterhin über größere Freiheiten als das chinesische Festland, doch seit den Protesten der Jahre 2019 und 2020 sei der Einfluss der Zentralregierung in Peking spürbar gewachsen. Diese Entwicklung wirke sich zunehmend auch auf das kirchliche Leben aus.

Während seines Aufenthalts sprach Meier mit dem Bischof von Hongkong, Kardinal Stephen Chow, dem Bischof von Macau, Stephen Lee Bun-Sang, sowie den emeritierten Hongkonger Kardinälen John Tong und Joseph Zen. Dabei habe sich der Blick immer wieder auf die Situation der Kirche auf dem chinesischen Festland gerichtet. „Die Situation der Katholiken dort ist schwieriger und auch dramatischer als in den Sonderverwaltungszonen“, fasst Meier zusammen.

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Die Kirche auf dem Festland leide unter weitreichenden staatlichen Einschränkungen, erklärt der Bischof. Diese reichten „bis hin zum Verbot der religiösen Erziehung von Kindern und Jugendlichen“. Zugleich seien die Möglichkeiten des internationalen Austauschs und der Unterstützung der katholischen Kirche in China in den vergangenen Jahren deutlich geringer geworden.

Einheit der Kirche bleibt Herausforderung

Neben dem wachsenden staatlichen Druck prägen auch innerkirchliche Spannungen die Situation der katholischen Kirche in China. Nach wie vor besteht ein Konflikt zwischen der staatlich registrierten Kirche und den Untergrundgemeinden, die eine Zusammenarbeit mit den kommunistischen Behörden ablehnen und ihre enge Bindung an den Heiligen Stuhl bewahren.

Mit einem 2018 geschlossenen und seither mehrfach verlängerten vorläufigen Abkommen zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung soll vor allem die Ernennung von Bischöfen einvernehmlich geregelt und so die Einheit der Kirche in China gestärkt werden. Der Inhalt der Vereinbarung ist jedoch bis heute nicht veröffentlicht.

Zum Abschluss seiner Reise zog Bischof Meier ein persönliches Fazit. Trotz der sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Singapur, Hongkong und Macau habe ihn überall dieselbe Frage beschäftigt: „Wo bleibt der Mensch?“ Gerade in den dicht besiedelten Metropolen stelle sich die Frage, wie viel Raum dem Einzelnen und seiner Würde bleibe.

Umso mehr habe ihn die Begegnung mit katholischen Gemeinschaften ermutigt. Dort würden Menschen „nicht nur nach ihrer politischen Verlässlichkeit und ihrer gesellschaftlichen Effizienz beurteilt“, sondern als das gesehen, „was sie sind: persönlich geliebte Geschöpfe Gottes“.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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