Schismatischer Akt: Piusbrüder weihen trotz päpstlichen Verbots vier Bischöfe
Trotz Warnungen aus dem Vatikan hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. im schweizerischen Ecône vier neue Bischöfe geweiht. Die Zeremonie vor tausenden Gläubigen gilt als schwerwiegender Bruch mit der Kirche und verschärft den Konflikt erneut.

Mit der unerlaubten Weihe von vier Bischöfen im schweizerischen Ecône hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. den Bruch mit Rom vertieft. Trotz eines eindringlichen Appells von Papst Leo XIV. und ausdrücklicher Warnungen des Vatikans vollzogen die Piusbrüder die Weihen ohne päpstliches Mandat. Der Heilige Stuhl wertet den Schritt als schismatischen Akt mit schwerwiegenden kirchenrechtlichen Folgen. Auch der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, spricht von einem schmerzlichen „Akt des Ungehorsams“, der die jahrzehntelangen Bemühungen um eine Versöhnung mit Rom vorerst an ein Ende gebracht habe.
Weihe trotz Warnungen aus Rom
Vor rund 15.000 Gläubigen sowie mehr als tausend Priestern, Ordensmännern und Ordensfrauen hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. am Mittwoch in Ecône vier neue Bischöfe geweiht. Die Feier begann um 9 Uhr in einem eigens errichteten Festzelt neben dem Priesterseminar der Bruderschaft und wurde in sechs Sprachen per Livestream übertragen.
Die Weihe nahm Alfonso de Galarreta als Hauptkonsekrator vor, unterstützt von Bernard Fellay als Mitkonsekrator. Beide wurden 1988 unerlaubt zu Bischöfen geweiht. Nach kirchlichem Recht zieht eine Weihe ohne päpstliches Mandat für Spender und Empfänger die Exkommunikation latae sententiae nach sich.
Zu Beginn der Liturgie verteidigte Generaloberer Davide Pagliarani das Vorgehen der Bruderschaft. Man sei „bereit, jeden Preis zu zahlen, um die Kirche zu retten“, erklärte er. Die gegenwärtige Situation der Kirche bezeichnete er als „völlig außergewöhnlichen Umstand“, da die kirchlichen Autoritäten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil „gegen die heilige Tradition handeln“ würden. Deshalb sei es eine „äußerst schwere Pflicht“, den vier Priestern die Bischofsweihe zu spenden.
Etwaige kirchenrechtliche Strafen hätten aus Sicht der Bruderschaft „keinerlei Wert“, betonte Pagliarani. Für die Piusbrüder sei der Tag daher „historisch“ und ein „Fest“. Aus Sicht des Vatikans hingegen markiert die unerlaubte Bischofsweihe eine erneute Vertiefung der Spaltung mit der katholischen Kirche.
Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.
GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.
Österreichs Bischofskonferenz-Vorsitzender Lackner: „Schismatischer Akt“
Mit deutlichen Worten hat der Salzburger Erzbischof und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Franz Lackner, auf die unerlaubten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. reagiert. Er unterstütze ausdrücklich die Haltung von Papst Leo XIV. und bedauerte, dass trotz vatikanischer Gesprächsangebote und der eindringlichen Mahnung des Papstes „ein schismatischer Akt gesetzt wurde“.
Die päpstliche Warnung sei „offensichtlich ohne Resonanz geblieben“, erklärte Lackner. Durch diesen „Akt des Ungehorsams“ hätten sich sowohl die weihenden als auch die neu geweihten Bischöfe „selbst exkommuniziert und einen schismatischen Akt gesetzt“. Jedes Schisma sei für die Weltkirche schmerzlich; zugleich sei damit „ein Schlusspunkt hinter eine jahrzehntelange Konfliktgeschichte zwischen Rom und der Piusbruderschaft gesetzt worden“.
Als eigentlichen Grund für den Bruch verwies Lackner auf die anhaltende Ablehnung zentraler Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die Piusbruderschaft. Die ökumenische Öffnung, das erneuerte Verhältnis zum Judentum sowie die Anerkennung der Religions- und Gewissensfreiheit seien für die katholische Kirche „unhintergehbar“.
Ob die tiefen Lehrdifferenzen künftig noch überwunden werden können, ließ der Erzbischof offen. Den Verantwortlichen der Bruderschaft müsse jedoch klar sein, „dass es ohne die Einheit mit dem Papst keine volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche geben kann“. Abschließend erinnerte Lackner an ein Wort des heiligen Ambrosius: „Ubi Petrus, ibi ecclesia – wo Petrus ist, dort ist die Kirche.“
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.
Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.
Kommentare (0)
Kommentare werden geladen...