So reagieren die Vorsitzenden der Deutschen und Österreichischen Bischofskonferenz auf „Magnifica Humanitas“
Die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in Deutschland und Österreich sehen in der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ einen deutlichen ethischen Weckruf.
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Die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., „Magnifica Humanitas“, stößt bei den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in Deutschland und Österreich auf breite Zustimmung und wird als ethischer Weckruf für Kirche und Gesellschaft verstanden. Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der DBK, und Bischof Franz Lackner betonen insbesondere die zentrale Bedeutung der Menschenwürde im Umgang mit technologischen Entwicklungen sowie die Notwendigkeit, globale Konflikte, Machtfragen und den Einsatz von KI kritisch zu reflektieren.
Ethische Leitplanken der Enzyklika „Magnifica Humanitas“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, sieht in der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV. einen klaren Auftrag an Christinnen und Christen, sich künftig intensiv mit den ethischen Fragen Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. „Dafür gebe es keinen Masterplan“, sagte Wilmer am Pfingstmontag in Bonn vor Journalisten, doch der Papst habe „Leitplanken für einen vernünftigen Umgang mit der KI“ aufgezeigt.
Dabei stellte Wilmer zugleich klar, Leo XIV. sei „alles andere als ein Technikfeind“. Im Zentrum der Bewertung von KI müsse jedoch konsequent der Mensch mit seiner Würde stehen. Ein Grundgedanke von „Magnifica Humanitas“ laute, dass Technologie „nicht neutral“ sei, sondern von jenen geprägt werde, „die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen“. Daraus leite sich der Appell ab, auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz „zutiefst menschlich zu bleiben“.
Besonders deutlich wurde Wilmer mit Blick auf das Verhältnis von Mensch und Maschine: Der Mensch sei „Person, kein Datensatz“, so seine Interpretation der Enzyklika. Es dürfe nicht dazu kommen, dass der Mensch durch Algorithmen zur bloßen Ressource gemacht und ausgebeutet werde. Die Unverletzlichkeit der Menschenrechte müsse daher auch im Umgang mit KI verbindlich bleiben. Der technische Fortschritt dürfe, so der Papst, „das Herz des Menschen nicht verkümmern lassen“ – echte Begegnung dürfe nicht ersetzt werden.
Auch den Abschnitt über Macht und Krieg hob Wilmer als zentral hervor. „Magnifica Humanitas“ kritisiere eine neue „Kultur der Macht“, die den Krieg zunehmend „als Instrument der internationalen Politik“ rehabilitiere. Die klassische Theorie des gerechten Krieges werde dabei zunehmend untergraben und müsse – abgesehen vom Recht auf Selbstverteidigung – überwunden werden. Stattdessen seien Dialog, Diplomatie und Vergebung zu stärken.
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Mit Blick auf militärische Anwendungen warnte der Bischof zudem vor KI-gestützten Waffensystemen. Diese reduzierten Opfer zu Daten und machten Krieg „lediglich schneller und unpersönlicher“, was zugleich die Schwelle zur Gewalt senken könne. Die aktuelle weltpolitische Lage mit ihren zahlreichen Konflikten und einer wachsenden Unordnung bereite den deutschen Bischöfen und auch ihm seit Längerem große Sorge, so Wilmer abschließend.
Enzyklika warnt vor „Selbstverdrängung“ des Menschen
Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Franz Lackner, hat die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. unter dem Titel „Magnifica Humanitas“ als differenziertes Lehrschreiben über Fortschritt und Verantwortung eingeordnet. Das Dokument benenne „die vielen positiven Errungenschaften des Fortschritts“, zeige aber zugleich „deutlich die mannigfaltigen Risiken auf“, die entstünden, wenn der Mensch sich selbst verdränge und sich einer „inhumanen Umwelt aussetze“.
Bei der Vorstellung des Dokuments am Pfingstmontag betonte Lackner, das päpstliche Schreiben stelle das Menschenbild klar in den Mittelpunkt. „So wird das Bekenntnis des Papstes zum Menschen an sich, der Abbild des Schöpfers ist, auch zum Wort für Frieden und Gerechtigkeit“, sagte der Erzbischof.
Zugleich rief er dazu auf, die umfangreiche Enzyklika nicht vorschnell zu verkürzen oder auf einzelne Sätze zu reduzieren. Wer das Schreiben „scheinbar schnell verstehen und kommentieren“ wolle, laufe Gefahr, dessen Tiefe zu verfehlen. Stattdessen solle man sich ausführlich mit dem Text befassen, damit dessen „Reichtum, Wesen und die hohe, lehrende und mahnende Absicht des Autors“ nicht verloren gingen.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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