Spanische Kirche fordert humanitäre Antwort auf Migrationskrise in Ceuta
Zwischen humanitärer Hilfe und politischer Debatte: Die katholische Kirche in Spanien reagiert auf die dramatischen Ereignisse in Ceuta. Während Tausende Migranten die Exklave erreichten und die Behörden vor große Herausforderungen stellten, fordert die Bischofskonferenz einen Umgang, der Menschenrechte, Recht und gesellschaftlichen Zusammenhalt verbindet.

Angesichts des starken Zustroms von Migranten in die spanische Exklave Ceuta hat die Spanische Bischofskonferenz zu einer humanitären und rechtsstaatlichen Bewältigung der Krise aufgerufen. Der Migrationsbeauftragte Pfarrer Fernando Redondo Pavón sprach von einer beispiellosen Notsituation. Die Pfarrei stellte kirchliche Aufnahmeeinrichtungen für schutzbedürftige Menschen bereit und warnte vor einer politischen Instrumentalisierung der Ereignisse.
Kirche mahnt zu Menschlichkeit in Ceuta
Der enorme Zustrom von Migranten nach Ceuta hat nach Einschätzung der Spanischen Bischofskonferenz eine „humanitäre Krise“ ausgelöst. Pavón sprach von einer „schrecklichen“ Situation und forderte, bei allen Maßnahmen die Würde der Menschen und die geltenden Gesetze zu achten.
Nach Angaben der Diözesandelegation für Migration von Cádiz-Ceuta erlebt die Stadt nach einem „völlig unkontrollierten“ Anstieg der Ankünfte eine außergewöhnliche Lage. Redondo erinnerte zugleich an den hohen menschlichen Preis der Migrationsbewegungen: Viele Menschen hätten auf dem Weg nach Spanien ihr Leben verloren oder würden weiterhin vermisst. „Die Menschenwürde und die Rechte jedes Einzelnen müssen im Mittelpunkt stehen“, betonte der Geistliche. Gleichzeitig verwies er auf die Sorgen der Bevölkerung von Ceuta, die angesichts der angespannten Situation zunehmend das Gefühl habe, überfordert zu sein.
Als erste Hilfsmaßnahme stellte die Diözese Cádiz-Ceuta ihre Aufnahmeeinrichtungen zur Verfügung, um Behörden und Migranten zu unterstützen. In mehreren Zentren werden insbesondere besonders schutzbedürftige Menschen betreut, darunter Kranke und Verletzte. Auch die Pfarreien in Ceuta wollen mit den Kollekten der Gottesdienste die Versorgung und Begleitung der neu angekommenen Menschen unterstützen.
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Kirche warnt vor politischer Instrumentalisierung
Die Migrationsabteilung der Spanischen Bischofskonferenz rief in einer Erklärung dazu auf, die Krise unter Wahrung des Rechtsstaates zu bewältigen und gleichzeitig eine „uneingeschränkt humanitäre Behandlung“ der Migranten sicherzustellen. Der Migrationsbeauftragte der Spanischen Bischofskonferenz, Fernando Redondo Pavón, warnte zudem davor, die Situation in Ceuta für politische Auseinandersetzungen zu nutzen. Die aktuelle Migrationslage dürfe „weder für parteipolitische Zwecke noch als Instrument der Konfrontation“ missbraucht werden, erklärte er.
Zugleich wies Redondo Behauptungen zurück, die den jüngsten Zustrom von Migranten mit der vor Monaten beschlossenen außerordentlichen Regularisierung in Verbindung bringen. Ein solcher Zusammenhang entspreche „nicht der Wahrheit“, betonte der Leiter der Migrationsabteilung.
In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass Ceuta bereits 2021 eine vergleichbare Situation erlebt habe – zu einem Zeitpunkt, als es das damalige Regularisierungsverfahren noch nicht gegeben habe. Die Maßnahme habe zudem Tausenden Menschen, die bereits in Spanien lebten, ermöglicht, ihren irregulären Aufenthaltsstatus zu beenden, einer geregelten Arbeit nachzugehen und ihre gesellschaftliche Integration voranzutreiben. „Alles andere ist Manipulation der Bevölkerung“, sagte Redondo. Entscheidend müsse bleiben, dass bei jeder Reaktion auf die Migrationssituation die Würde und die Rechte der betroffenen Menschen geschützt würden.
Hintergrund
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums erreichten seit Donnerstag rund 60.000 Menschen aus Marokko auf dem See- und Landweg das Gebiet. Die meisten von ihnen kehrten anschließend wieder nach Marokko zurück. Viele Migranten versuchten, schwimmend über das Meer nach Ceuta zu gelangen, andere überwanden die Grenzanlagen im Süden der rund 18 Quadratkilometer großen Exklave. Bei den gefährlichen Übertrittsversuchen kamen nach Angaben des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Guardia Civil, Rachid Sbihi, mindestens 57 Menschen ums Leben. Die meisten Opfer ertranken, weitere starben bei einer Massenpanik am Strand von Tarajal. Die Ereignisse lösten in Ceuta, einer Stadt mit weniger als 85.000 Einwohnern, eine Debatte über den Umgang mit Migration und die Belastung der lokalen Strukturen aus.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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