Über 10.000 Studierende in Österreich haben eine Petition unterzeichnet, die die „Österreichische Hochschüler_innenschaft“ (ÖH) auffordert, ihren umstrittenen „Repro-Fördertopf“ abzuschaffen. Das Programm fördert mehrere Themenbereiche, wie etwa die Abtreibung und wird aus obligatorischen Studienbeiträgen finanziert. Die Initiative, organisiert von ProLife Europe und CitizensGo, sieht die Pflichtbeiträge als Zwang für Studierende, Abtreibungen unabhängig von ihren moralischen Überzeugungen zu unterstützen, und richtet sich zugleich als Signal an das zuständige Ministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
Verpflichtende Studienbeiträge für Abtreibungen verwenden? Ein Angriff auf Gewissen und Moral
Laut dem ÖH-Haushalt für das akademische Jahr 2025–2026 wurden 18.000 Euro aus Pflichtbeiträgen zur Finanzierung von Abtreibungen bereitgestellt – mit Plänen, das Programm in den kommenden Jahren noch auszuweiten. In Österreich ist ein Abbruch in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft zwar straffrei, wird jedoch nicht ausdrücklich als Rechtsanspruch garantiert. Die Kosten müssen meist privat getragen werden, und selbst Frauen ohne österreichische Krankenversicherung können den Eingriff in Anspruch nehmen.
In Österreich sind Studierende verpflichtet, bei der Einschreibung einen Beitrag an die ÖH zu zahlen. Ohne diese Zahlung können sie weder Vorlesungen besuchen noch Prüfungen ablegen – und verlieren zugleich die studentische Unfallversicherung. Da die Gebühr fest in die Immatrikulation eingebettet ist, haben Studierende keine Möglichkeit, sich gegen die Finanzierung von Programmen wie dem Repro-Fördertopf zu entscheiden. Kritiker sehen darin eine faktische Zwangsbeteiligung an der Finanzierung von Abtreibungen.
„Dass Studierende gezwungen werden, über ihre Pflichtbeiträge einen Topf zu speisen, der Abtreibungen direkt fördert, verletzt die Gewissensfreiheit vieler und ist mit ihrer moralischen Überzeugung unvereinbar“, heißt es in der Petition. Sie bezeichnet die Praxis als ethisch nicht vertretbar und fordern ein sofortiges Ende der Zwangsbeteiligung an diesem Förderprogramm.
Petition als Signal an die Politik
Ursprünglich hatten die Organisatoren gehofft, rund 8.000 Unterschriften zu sammeln, doch die Petition übertraf dieses Ziel noch vor Ablauf der Frist, berichtete Maria Czernin, Präsidentin von ProLife Europe, gegenüber CNA Deutsch. Bei Informationsaktionen auf dem Campus trafen die Freiwilligen auch Studierende, die sich selbst zwar nicht als Abtreibungsgegner bezeichneten, aber dennoch Einwände gegen die Verwendung ihrer obligatorischen Beiträge für Abtreibungen hatten „Viele waren zwar nicht pro-life, wollten aber nicht, dass ihr Geld dafür verwendet wird“, so Czernin. Diese Haltung zeige, wie umstritten dieses Programm sei, so die ProLife-Präsidentin weiter.
Weiter betonte Czernin, dass die Petition auch als Signal an Eva-Maria Holzleitner, die österreichische Ministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, gerichtet sei, deren Ministerium für die Hochschulpolitik zuständig ist. „Wir hoffen, dass Ministerin Holzleitner die klare Botschaft der Studierenden wahrnimmt: Viele lehnen die Kooperation der ÖH mit dem Repro-Fördertopf ab und wollen nicht, dass ihre Pflichtbeiträge dafür verwendet werden“, so Czernin.
Sie verwies darauf, dass es keine Belege dafür gebe, dass Abtreibungen Frauen beim Studienabschluss helfen, während Studien darauf hindeuten, dass sie die psychische Gesundheit beeinträchtigen können. Zudem schließen viele Studentinnen ihr Studium erfolgreich ab, auch wenn sie ihr Kind austragen, so Czernin, die Unterstützungsangebote für studierende Mütter als konstruktivere Alternative hervorhob.
