Tauf-Boom in Frankreich: Deutsche Bischöfe auf Spurensuche
In Frankreich verzeichnen katholische Diözesen einen deutlichen Anstieg von Erwachsenentaufen – ein Trend, der auch in Deutschland aufmerksam beobachtet wird. Eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz reist nun vor Ort an, um Ursachen, Wege zum Glauben und mögliche pastorale Möglichkeiten für Deutschland zu untersuchen.

Angesichts stark steigender Zahlen von Erwachsenentaufen in Frankreich reist eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz in dieser Woche zu mehreren französischen Bistümern. Die Kirchenvertreter wollen vor Ort untersuchen, welche Faktoren junge Menschen zum christlichen Glauben führen und welche Impulse sich daraus für die pastorale Arbeit in Deutschland gewinnen lassen. Während die katholische Kirche in Frankreich zuletzt einen bemerkenswerten Zuwachs bei Taufbewerbern verzeichnete, kämpft die Kirche in Deutschland weiterhin mit sinkenden Mitgliederzahlen und hohen Austrittsraten.
Frankreich als Vorbild?
Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) will den bemerkenswerten Anstieg der Erwachsenentaufen in Frankreich genauer untersuchen. Dazu reist eine Delegation unter Leitung des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf in mehrere französische Diözesen. Der Vorsitzende der Pastoralkommission der DBK betonte die Bedeutung der Entwicklung auch für die Kirche in Deutschland: „Wir möchten verstehen, welche Wege Menschen zum Glauben führen und wie wir sie nachhaltig pastoral begleiten können.“
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nach den Worten Kohlgrafs für die pastorale Praxis in Deutschland nutzbar gemacht werden. Hintergrund der Reise ist die seit Jahren steigende Zahl von Taufbewerberinnen und Taufbewerbern, insbesondere unter jungen Erwachsenen, in Frankreich. Auch in Deutschland beobachten Kirchenvertreter eine wachsende Nachfrage nach Erwachsenentaufen – allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.
Besonders eindrucksvoll sind die Zahlen aus Frankreich: Allein in der Erzdiözese Paris empfingen zu Ostern des vergangenen Jahres 2.652 Erwachsene die Taufe. Nach Angaben des Nationalen Dienstes für Katechumenen der französischen Bischofskonferenz stieg die Zahl der Taufen von Jugendlichen und Erwachsenen landesweit auf rund 17.800. Für 2026 wurden sogar mehr als 21.000 Taufen erwartet.
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Demgegenüber setzt sich der Mitgliederschwund der katholischen Kirche in Deutschland fort. Die Zahl der Katholiken sank innerhalb von zwei Jahrzehnten von knapp 25,9 auf rund 19,2 Millionen. Gleichzeitig bleiben die Kirchenaustritte auf hohem Niveau, während Taufen, Eintritte und Wiederaufnahmen deutlich zurückgegangen sind. Regelmäßig die Sonntagsmesse besuchen inzwischen nur noch 6,8 Prozent der Katholiken.
Persönliche Begegnungen mit Neugetauften
Bis Freitag ist die Delegation der Deutschen Bischofskonferenz im Erzbistum Paris sowie in den Bistümern Créteil und Saint-Denis unterwegs. Geplant sind Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der französischen Kirche, darunter Bischof Olivier Leborgne (Arras), Erzbischof Olivier de Germay (Lyon) sowie Catherine Lemoine, nationale Delegierte für das Katechumenat Jugendlicher und Erwachsener.
Im Mittelpunkt stehen dabei auch persönliche Begegnungen. So wollen die deutschen Kirchenvertreter Neugetaufte treffen sowie junge Erwachsene, die sich derzeit auf die Taufe vorbereiten. Ergänzend dazu ist ein Austausch über wissenschaftliche Perspektiven zur Entwicklung des Katechumenats vorgesehen. Die Erfahrungen aus Frankreich sollen anschließend in die pastorale Arbeit in Deutschland einfließen.
Zur Delegation gehören neben Kohlgraf auch Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen), die Dekanin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Katharina Karl, der Pastoraltheologe Jan Loffeld sowie der Grazer Theologe Bernd Hillebrand. Sie begleiten die Gespräche und den fachlichen Austausch während der gesamten Reise.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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