„Unsere Position ist sonnenklar“: Wilmer weist Kritik an Schweigen zur Leihmutterschaft zurück
DBK-Vorsitzender Wilmer weist Kritik am Schweigen zur Leihmutterschaft zurück – und findet es „ermüdend", Positionen innerhalb weniger Wochen zu wiederholen.
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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer SCJ, weist in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen den Vorwurf zurück, die katholische Kirche in Deutschland habe zur Debatte über Leihmutterschaft geschwiegen. Zwar habe sich die DBK nicht unmittelbar und ausführlich zu der im Juli bekannt gewordenen Leihmutterschaft von Jens Spahn geäußert. Wilmer verweist jedoch auf kirchliche Texte aus dem Jahr 2024, in denen die Position der Kirche zur Leihmutterschaft bereits dargelegt worden sei. Es sei „ermüdend“, wenn sich die Kirche innerhalb weniger Wochen wiederholt zu bestimmten Themen äußern müsse, so Wilmer.
Bischof Wilmer: „Ich finde es ermüdend“
Der ehemalige CDU-Politiker Jens Spahn hatte Mitte Juli öffentlich gemacht, dass er mit seinem homosexuellen Partner durch eine Leihmutterschaft in den USA Vater geworden ist. Die damit verbundene gesellschaftliche und ethische Debatte löste zunächst nur wenige Reaktionen aus den Reihen der deutschen Bischöfe aus. Als erster und lange Zeit einziger Bischof äußerte sich der Passauer Bischof Stefan Oster SDB ausführlicher zu dem Thema. Die DBK meldete sich erst am 24. Juli zu Wort – sechs Tage nach Spahns Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Allerdings nicht durch ihren Vorsitzenden, Bischof Wilmer, sondern durch Prälat Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin und damit zuständig für die Verbindung zwischen Kirche und Politik.
In dem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen wurde Wilmer nun mit dem Vorwurf konfrontiert, in der Debatte über die Leihmutterschaft geschwiegen zu haben. Diesen Vorwurf weist der Vorsitzende der DBK zurück. „Das Gegenteil ist der Fall“, antwortete Bischof Wilmer. „Wir haben nicht geschwiegen. Die Texte zur Leihmutterschaft, auf die wir verwiesen haben, stammen aus dem Jahr 2024 und sind damit älter als unsere Stellungnahme zur Rente.“ Die Position sei „sonnenklar“, betonte Wilmer: „Wir lehnen die Leihmutterschaft ab. Das wissen die Leute auch.“ Weiter führte er aus: „Ich finde es ermüdend, wenn sich die Kirche alle drei bis vier Wochen zu denselben Themen äußert.“
Bemerkenswert ist dabei die Wortwahl. Wilmer nennt es „ermüdend", sich alle drei bis vier Wochen zu denselben Themen äußern zu müssen – und meint damit eine Debatte, in der es um Leihmutterschaft, um Kinder als Vertragsgegenstand und um Frauen geht, die ihren Körper zur Verfügung stellen. Wer eine Position als „sonnenklar" bezeichnet, dem sollte es nicht schwerfallen, sie auch dann noch einmal zu benennen, wenn ein prominenter Fall wie der von Jens Spahn das Thema neu in die Öffentlichkeit trägt. Eine klare Position muss dabei nicht alle paar Wochen neu erfunden werden – sie sollte jedoch dort hörbar sein, wo sie konkret zur Diskussion steht.
Streit um Segnungen homosexueller Paare
Auch die Segnung homosexueller Verbindungen war Thema des Gesprächs. Auf die Kritik aus dem Vatikan angesprochen, verwies Wilmer auf eine Aussage von Papst Leo XIV. Sein eigener Eindruck sei, „dass über diese Frage die katholische Kirche doch nicht zerbrechen möge“. Der Pontifex habe dies ebenfalls klar gesagt. Zugleich gehe es aus seiner Sicht auch aus römischer Perspektive darum, „wie wir Menschen gut pastoral begleiten können“.
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Dabei verwies Wilmer auf unterschiedliche kulturelle Gegebenheiten und Gepflogenheiten innerhalb der Weltkirche. Zugleich gebe es die Verantwortlichen in den einzelnen Bistümern, die die Situation vor Ort kennen. Er sei „fest davon überzeugt“, dass auch Rom diesen Verantwortlichen vertraue und ihnen zutraue, „mit Blick auf die Situation vor Ort und auf die Weltkirche richtige Entscheidungen zu treffen“.
Auf die Nachfrage, ob er damit Segensfeiern für homosexuelle Paare in seinem Bistum zulasse, darüber aber nicht weiter sprechen wolle, antwortete Wilmer: „Ich bin dafür, dass wir das Evangelium verkünden, mit Freude, mit Zuwendung und mit Herz.“
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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