Kultur

„Uralte Geschichte“ - Kirchenvertreter warnen vor Machtmissbrauch

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, bekräftigt seine umstrittene Aussage über Machtmissbrauch in der Kirche. Zugleich warnt der Berliner Erzbischof Heiner Koch im Kontext der Fußball-WM 2026 vor einer „Inszenierung von Macht“ und ruft zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung und Kontrolle auf.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Uralte Geschichte“ - Kirchenvertreter warnen vor Machtmissbrauch
(c) Bildnachweis: Screenshot | YouTube | Bistum Hildesheim

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hält an seiner umstrittenen Einschätzung fest, dass Machtmissbrauch „in der DNA der Kirche“ verankert sei. Zugleich mahnte der Berliner Erzbischof Heiner Koch mit Blick auf die bevorstehende FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vor einer „Inszenierung von Macht“. Beide Bischöfe betonen die Notwendigkeit von Kontrolle, Transparenz und gesellschaftlicher Wachsamkeit gegenüber Machtmissbrauch – innerhalb kirchlicher Strukturen ebenso wie bei politischen und wirtschaftlichen Großereignissen.

Machtmissbrauch als „uralte Geschichte“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hält an seiner viel diskutierten Aussage fest, wonach der Missbrauch von Macht „in der DNA der Kirche“ stecke. Trotz teils heftiger Kritik aus dem In- und Ausland sehe er keinen Anlass, von seiner Einschätzung abzurücken. „Ich habe dafür viel Haue bekommen – auch international“, sagte Wilmer am Montag in Hildesheim. „Ich stehe aber zu der Aussage.“

Der künftige Bischof von Münster betonte zugleich, dass Machtmissbrauch kein ausschließlich kirchliches Phänomen sei. Vielmehr bestehe die Gefahr überall dort, wo Menschen in Organisationen, Verbänden oder anderen Gemeinschaften Verantwortung übernähmen. „Missbrauch von Macht gibt es nicht nur in der Kirche, sondern in allen Systemen“, erklärte Wilmer.

Zur Verdeutlichung seiner Position verwies der Bischof auf biblische Überlieferungen. Bereits im Neuen Testament werde deutlich, dass Fragen von Macht und Einfluss die Menschen beschäftigten. „Wenn Sie das Neue Testament aufschlagen, da streiten sich schon die Jünger darum, wer vorne sitzt“, sagte Wilmer. Machtmissbrauch und Seilschaften seien deshalb eine „uralte Geschichte“.

Die umstrittene Formulierung hatte Wilmer bereits kurz nach seinem Amtsantritt in Hildesheim im Jahr 2018 geprägt. Damals erklärte er in einem Interview: „Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche.“ Um Fehlentwicklungen vorzubeugen, brauche es wirksame Kontrollmechanismen und Gewaltenteilung innerhalb kirchlicher Strukturen. Vor allem konservative Bischöfe weltweit hatten die Aussage seinerzeit scharf kritisiert. Wilmer bekräftigte nun erneut die Notwendigkeit einer konsequenten Auseinandersetzung mit Machtstrukturen. Institutionen müssten stets wachsam bleiben, da die Gefahr des Machtmissbrauchs überall dort bestehe, wo Menschen Verantwortung ausübten.

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Kritik an Machtinszenierung im Umfeld der Fußball-WM

In einem anderen Kontext warnte der Berliner Erzbischof Heiner Koch vor einer „Inszenierung von Macht“. In einer Radiosendung äußerte Koch am Samstag deutliche Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der bevorstehenden FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026. „Wenn Milliarden investiert werden, um perfekte Bilder zu produzieren, während zugleich Menschen ausgegrenzt, kontrolliert oder zum Risiko erklärt werden, dann läuft etwas grundsätzlich falsch“, sagte er. In diesem Fall werde der Fußball „zum Alibi“ und verliere seinen Charakter als „Fest der Völkerverständigung“.

Der Erzbischof verwies dabei auch auf Papst Franziskus, der betont habe, der wahre Sieg liege nicht im Gewinnen, sondern im gemeinsamen Spiel. Zugleich habe der Papst davor gewarnt, dass der Fußball seine „Seele verliert“, wenn er ausschließlich zur Ware werde. Diese Mahnung gelte heute „mehr denn je“, so Koch.

Die Kirche habe „die Pflicht, genau hinzuschauen“, sagte der Berliner Erzbischof weiter. Die katholische Kirche in Mexiko nehme diese Verantwortung bereits wahr; so habe Kardinal Francisco Robles Ortega im April öffentlich hinterfragt, warum große Entscheidungen über internationale Großereignisse oft an den sozialen Realitäten der Bevölkerung vorbeigingen. „Das ist keine Spielverderber-Mentalität“, betonte Koch, sondern Ausdruck von „Verantwortungsbewusstsein“.

Denn letztlich gehe es um Teilhabe und Sichtbarkeit: „Wer Stadien baut, Sicherheitszonen einrichtet, Visa vergibt oder verweigert, entscheidet über Würde“, so Koch. Die Verantwortung ende dabei nicht auf dem Spielfeld: „Auf dem Spielfeld wacht der Schiedsrichter über die Regeln – außerhalb müssen wir das gemeinsam tun.“


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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