Versöhnung stärker als Hass: Friedensappell aus Rom an Korea
Die Teilung Koreas verursacht bis heute menschliches Leid. Bei einer Messe in Rom rief Kardinal Lazzaro You Heung-sik die politische Führung Südkoreas zu neuem Dialog mit Nordkorea auf und warb für Vertrauen, Versöhnung und konkrete Schritte zum Frieden.
Mit einer Ermutigung zu Frieden und Versöhnung hat der südkoreanische Kardinal Lazzaro You Heung-sik die politischen Verantwortungsträger auf der koreanischen Halbinsel zu konkreten Schritten für einen neuen Dialog aufgerufen. Bei einer Messe in Rom, an der auch Südkoreas Präsident Lee Jae-myung teilnahm, betonte der Vatikanvertreter, dass die Teilung Koreas weiterhin großes Leid verursache und wahrer Frieden nur durch Vertrauen, Verständigung und gegenseitigen Respekt erreicht werden könne.
Kardinal mahnt zu Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel
Mit einem eindringlichen Appell für Frieden und Dialog hat Kardinal Lazzaro You Heung-sik bei einer Messe in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern an die politische Führung Südkoreas appelliert. An dem Gottesdienst nahm auch Präsident Lee Jae-myung mit einer Delegation teil.
Der Präfekt des Dikasteriums für den Klerus erinnerte an die anhaltenden Folgen der Teilung Koreas. Die Halbinsel trage „noch immer die Wunden der Teilung“, sagte der Kardinal. Viele Familien seien weiterhin voneinander getrennt. „Welches Leid könnte größer sein als dieses?“, fragte er.
Zugleich unterstrich You Heung-sik die gemeinsame Verantwortung für den Frieden. „Wir dürfen niemals auf den Frieden verzichten, aus keinem Grund“, betonte er und rief dazu auf, sich mit aller Kraft für dessen Aufbau einzusetzen.
In seiner Ansprache wandte sich der Kardinal direkt an Präsident Lee und die politischen Vertreter seines Heimatlandes. Er hoffe, dass Südkorea der Welt zeigen könne, „dass der Dialog stärker ist als die Konfrontation, die Versöhnung stärker als der Hass und das Vertrauen stärker als die Angst“. Voraussetzung dafür seien ein offenes Herz und die Bereitschaft zum Zuhören.
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Frieden braucht konkrete Schritte
Wahrer Frieden sei weit mehr als das bloße Ausbleiben von Krieg und Konflikten, betonte You Heung-sik in seiner Predigt in Rom. Frieden entstehe vielmehr durch „konkrete Verpflichtungen“ wie aufrichtigen Dialog, die Achtung der Menschenwürde und die Bereitschaft, die Perspektive des anderen zu verstehen.
Trotz unterschiedlicher Interessen und Ausdrucksweisen in Politik und Diplomatie gebe es gemeinsame Ziele. Der Wunsch, Leben zu schützen, den Menschen zu dienen und das Gemeinwohl zu fördern, könne sich „im Geist des Evangeliums stets vereinen“, so der Kardinal.
Weiter erinnerte der Präfekt des Dikasteriums für den Klerus an die Friedensinitiativen von Papst Franziskus, die heute von Papst Leo XIV. weitergeführt würden. Mit seinem Friedensgruß zu Beginn seines Pontifikats habe Leo XIV. die „Mission der Kirche in einer gespaltenen Welt“ bekräftigt. Der Papst rufe die Menschheit dazu auf, aus den Tragödien der Kriege zu lernen und sich für einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ einzusetzen.
Hintergrund
Die Worte des Kardinals fallen in eine Zeit neuer politischer Signale auf der koreanischen Halbinsel. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung setzt nach eigenen Angaben auf einen dialogorientierten Kurs gegenüber Nordkorea. Unter anderem strebt er die Wiederbelebung eines 2024 ausgesetzten Militärabkommens an, das beide Staaten zur Einstellung feindlicher Aktivitäten entlang der Grenze verpflichtet.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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