„Vom Verbot zur Gewohnheit“ – Erzbischof von Sydney fordert Alternativen zur Sterbehilfe
Australien diskutiert erneut über den Umgang mit freiwilliger Sterbehilfe. Der Erzbischof von Sydney, Anthony Fisher, warnt vor einer weiteren Lockerung der Regeln und sieht die Kirche in der Pflicht, Schwerkranken durch Begleitung, Pflege und menschliche Zuwendung andere Wege aufzuzeigen.

Mit deutlichen Worten kritisiert der Erzbischof von Sydney, Anthony Fisher, die Bestrebungen, den Zugang zur freiwilligen Sterbehilfe in Australien weiter zu erleichtern. In diesem Zusammenhang warnt der Geistliche vor einer schrittweisen Aufweichung der Schutzmechanismen und fordert, Schwerkranken durch Palliativversorgung, seelsorgliche Begleitung und Unterstützung für Angehörige echte Alternativen zur Sterbehilfe aufzuzeigen.
Kritik an geplanter Liberalisierung
Nach dem Beschluss der regierenden Labor Party Ende Juli, den Zugang zur freiwilligen Sterbehilfe weiter zu erleichtern, übt der Erzbischof von Sydney, Anthony Fisher, scharfe Kritik. Die Partei spricht sich dafür aus, rechtliche Hürden für Fernkonsultationen im Zusammenhang mit der Genehmigung von Sterbehilfe abzubauen.
Fisher warnt davor, Anträge künftig vermehrt per Telefon oder Internet ohne ein persönliches Gespräch zwischen Arzt und Patient zu bearbeiten. Dadurch bestehe die Gefahr, dass der tatsächliche Pflege- und Behandlungsbedarf der Betroffenen nicht ausreichend erfasst werde. Zugleich sieht der Erzbischof eine schrittweise Aufweichung der Schutzmechanismen, die ursprünglich mit der Einführung der Sterbehilfe verbunden gewesen seien. Angesichts der raschen Ausweitung entsprechender Gesetze in den australischen Bundesstaaten würden diese Sicherungen zunehmend an Wirksamkeit verlieren.
Kirche setzt auf Alternativen
Die katholische Kirche sieht ihre Aufgabe darin, Menschen in schweren Lebenssituationen Alternativen zur Sterbehilfe aufzuzeigen. Dazu zählen nach den Worten von Erzbischof Fisher eine bessere Palliativversorgung, seelsorgliche Begleitung und Unterstützung für Angehörige. Ziel sei es, Ängste vor Schmerzen, Kontrollverlust oder dem Gefühl, anderen zur Last zu fallen, aufzufangen.
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„Wir als Kirche müssen den Menschen positive Alternativen anbieten“, betont Fisher. Wenn Betroffene ausreichend versorgt, begleitet und über unterschiedliche Möglichkeiten im Umgang mit ihrem Leiden informiert würden, hätten sie möglicherweise nicht mehr das Gefühl, dass die freiwillige Sterbehilfe „die einzige Option“ sei.
Mit Blick auf die Entwicklung in Australien zeigt sich der Erzbischof besorgt: „Wie schnell hat sich die Lage in diesem Land doch gewandelt: Von einer Zeit, in der Sterbehilfe überhaupt nicht legal war, sind wir nun bei mehr als 14.000 Menschen angelangt, die einen Antrag darauf gestellt haben, und mehr als 7.000 sind dadurch gestorben“, sagt Fisher.
Zugleich fordert die katholische Kirche in Australien das Recht für kirchliche Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal, eine Mitwirkung an Sterbehilfemaßnahmen aus Gewissensgründen abzulehnen. „Wenn ihnen jedoch keine anderen Optionen angeboten werden, haben viele Menschen Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, Angst vor starken Schmerzen und Angst davor, anderen zur Last zu fallen“, warnt der Erzbischof.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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