Vatikan

„Von Natur aus synodal und hierarchisch“ – Kardinal Grech über die katholische Kirche

Kardinal Grech erläutert, warum Synodalität für die katholische Kirche kein Gegensatz zur Hierarchie ist – und was das für die kommenden Jahre bedeutet.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Von Natur aus synodal und hierarchisch“ – Kardinal Grech über die katholische Kirche
(c) Bildnachweis: Screenshot | YouTube | Vatican News

Was bedeutet es konkret, wenn die Kirche „synodal“ sein soll? Kardinal Mario Grech, Generalsekretär des Synodensekretariats, betont dabei eine entscheidende Unterscheidung: Die katholische Kirche sei von Natur aus synodal – zugleich aber auch hierarchisch. Beteiligung, gemeinsames Hören und geistliches Unterscheiden bedeuten für ihn daher nicht, die bestehende kirchliche Ordnung grundlegend zu verändern. Gerade mit Blick auf Entwicklungen wie den deutschen Synodalen Weg wird deutlich, dass es unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, wie weit Synodalität reichen soll.

Synodalität mit klarer Ordnung

Für Grech stellt sich dabei weniger die Frage nach einem Entweder-oder zwischen Beteiligung und kirchlicher Autorität. Vielmehr gehören beide Dimensionen für ihn zusammen. Die Kirche sei von Natur aus synodal, was zunächst bedeute, dass „Platz für alle“ sei und sich niemand ausgeschlossen fühlen solle. Zugleich müsse aber die hierarchische Struktur der Kirche gewahrt bleiben. Zum kirchlichen Gefüge gehörten die Bischöfe ebenso wie die Bischofskonferenzen, die Verantwortung für die Leitung des Volkes Gottes trügen. Wenn sich die Getauften versammelten, gehe es daher nicht allein um Austausch und Diskussion. Sie kämen vielmehr zusammen, „um gemeinsame Entscheidungen zu treffen“.

Damit stellt sich für Grech unmittelbar die Frage nach der Verantwortung für solche Entscheidungen. „Aber dann brauchen wir jemanden, der sicherstellt, dass diese Entscheidung richtig ist“, sagt er. Auf diözesaner Ebene liege diese Aufgabe beim Bischof, auf Ebene der Weltkirche beim Papst. Die synodale Beteiligung der Gläubigen soll aus seiner Sicht daher nicht an die Stelle der hierarchischen Verantwortung treten.

Grech spricht in diesem Zusammenhang ausdrücklich von einer „katholischen Synodalität“. Diese sei nicht ohne Weiteres mit anderen Formen und Erfahrungen von Synodalität in anderen christlichen Kirchen gleichzusetzen. Entscheidend ist für ihn, dass gemeinsames Beraten und Entscheiden innerhalb der katholischen Verfassung geschieht – und damit unter Wahrung der besonderen Verantwortung des Bischofsamtes und des Papstes.

Ein geistlicher Prozess

Synodalität zeige sich daher nicht allein in kirchlichen Strukturen, sondern vor allem darin, wie die Kirche gemeinsam handelt. Entscheidend sei eine von Gebet geprägte Atmosphäre, in der Laien, Ordensleute und Priester gemeinsam vorangehen und unterscheiden, „was der Heilige Geist der Kirche sagen möchte“.

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Auch für die weitere Entwicklung des weltweiten synodalen Prozesses hat Grech einen klaren zeitlichen Rahmen vor Augen. Die für Oktober 2028 geplante kirchliche Versammlung im Vatikan versteht er ausdrücklich nicht als Fortsetzung der bisherigen Synode. „Das Treffen im Jahr 2028 ist keine Fortsetzung der Synode“, sagt der Kardinal. Es gehe vielmehr um einen weiteren „Moment der Auswertung und des Austauschs über die Gaben unter den Kirchen“. Über die weitere Entwicklung danach müsse „der Heilige Vater entscheiden“.

Derzeit befinde sich die Kirche in einer dreijährigen Phase der Umsetzung des Schlussdokuments der Weltsynode. Das Synodensekretariat begleitet dabei Ortskirchen, Diözesen, Bischofskonferenzen und kontinentale Versammlungen auf dem Weg zur Versammlung 2028.

Der weltweite synodale Prozess war von Papst Franziskus Anfang 2020 angekündigt worden und begann im Oktober 2021. Die zunächst für 2022 geplante Bischofssynode wurde auf 2023 verschoben; im Oktober 2024 folgte eine zweite Sitzung. Im März 2025 entschied Franziskus schließlich, den Prozess zu verlängern. Die Versammlung im Oktober 2028 soll nun einen weiteren Schritt in der Umsetzung und Auswertung des bisherigen synodalen Prozesses darstellen.


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