Regional

Wachsende Kirche: Erzbistum Köln startet Modellprojekt „Church Planting“

Neue Wege für die Kirche: Mit eigens gegründeten Gemeinden will das Erzbistum Köln Menschen erreichen, die bislang kaum Berührungspunkte mit dem Glauben haben. Das Projekt orientiert sich an erfolgreichen Modellen aus England und gilt als Novum im deutschsprachigen Raum.

A
Andreas Nachbar
2 min Lesezeit
Wachsende Kirche: Erzbistum Köln startet Modellprojekt „Church Planting“
(c) Wikimedia Commons - Cmcmcm1 - CC BY-SA 4.0

Mit einem im deutschsprachigen Raum bislang einzigartigen Projekt will das Erzbistum Köln neue Wege der Glaubensvermittlung erproben. Seit September 2025 entstehen an vier Standorten, den sogenannten „Church Plants“, neu gegründete Gemeinden, die insbesondere Menschen ansprechen sollen, die bislang wenig oder keinen Kontakt zur Kirche haben. Das Vorhaben ist Teil einer langfristigen Strategie zur missionarischen Erneuerung kirchlichen Lebens.

Neue Erfahrungsorte des Glaubens

Zwölf Frauen und Männer wurden von Kardinal Rainer Maria Woelki für die neue Aufgabe ausgesandt. Sie arbeiten in multiprofessionellen Teams, die jeweils aus einem Priester, einer Referentin für Gemeindegründung sowie einem Musiker bestehen. Die neuen Gemeinden entstehen in Köln-Zollstock, Düsseldorf, Wuppertal-Barmen sowie an zwei katholischen Schulen in Brühl. Die Initiative orientiert sich am Konzept des sogenannten Church Planting, das in verschiedenen Ländern bereits erfolgreich praktiziert wird. Ziel ist es, Gemeinden als niedrigschwellige Orte der Begegnung und Glaubenserfahrung neu zu gestalten. Neben den klassischen Kirchenräumen setzen die Teams deshalb auf zusätzliche Treffpunkte und Angebote wie Glaubenskurse, persönliche Begegnungen und gemeinschaftsbildende Veranstaltungen.

„Es geht bei Church Planting darum, neue Erfahrungsorte des Glaubens zu schaffen, an denen alles darauf ausgerichtet ist, dass Menschen Christus neu kennenlernen können“, erläutert Tabea Wiemer, Leiterin des Fachbereichs Evangelisierung im Erzbistum Köln.

Nach Angaben des Erzbistums handelt es sich um das erste derartige Projekt im deutschsprachigen Raum, das direkt von einem katholischen Bistum initiiert und strategisch umgesetzt wird. Zwar gebe es in Deutschland, Österreich und der Schweiz einzelne geistliche Gemeinschaften mit ähnlichen Ansätzen, ein vergleichbares diözesanes Modell existiere bislang jedoch nicht.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Inspiration aus London

Wichtige Impulse für das Vorhaben erhielt eine Delegation des Erzbistums um Kardinal Woelki bei einer Lernreise nach London im Frühjahr 2024. Dort informierte sie sich über Gemeindegründungen innerhalb der anglikanischen Kirche, die seit Jahren neue Formen kirchlichen Lebens entwickelt und erprobt.

Aus den Kontakten entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem Gregory Centre for Church Multiplication (CCX), einer Ausbildungsstätte für Gemeindegründungen. Zudem entwickelte sich eine ökumenische Partnerschaft zwischen Kardinal Woelki und dem damaligen anglikanischen Bischof Ric Thorpe, der inzwischen Erzbischof von Melbourne ist.

Die theologischen Grundlagen des Projekts hatte Woelki bereits in seinem Fastenhirtenbrief 2025 skizziert. Darin betonte er die Sendung der Kirche zu allen Menschen und schrieb, jeder Mensch habe „das Recht, die Botschaft des Evangeliums zu hören“.

Das Erzbistum Köln sieht die neuen Gemeinden als Ergänzung zu bestehenden Pfarreien. Langfristig soll eine „gesunde Vielfalt“ aus neu gegründeten Gemeinschaften und missionarisch erneuerten Pfarrgemeinden entstehen. Weitere Gemeindegründungen dieser Art sind bereits geplant.


A

Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Du kannst auch als Gast kommentieren. Wir senden dir eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird dein Kommentar von der Redaktion geprüft.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...