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„Wahre Stärke gibt es nur gemeinsam“: Kirchen rufen am Tag der Deutschen Einheit zu Zusammenhalt auf

Beim zentralen Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen mahnten führende Geistliche mehr Zusammenhalt und Solidarität an.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Wahre Stärke gibt es nur gemeinsam“: Kirchen rufen am Tag der Deutschen Einheit zu Zusammenhalt auf
(c) Wikimedia Commons - Daniel Cox - CC BY-SA 4.0

Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen haben führende christliche Geistliche am Tag der Deutschen Einheit vor Ausgrenzung und Polarisierung gewarnt. Beim zentralen ökumenischen Festgottesdienst in Bremen forderten der evangelische Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus und der katholische Bischof Dominicus Meier mehr Solidarität – und erinnerten daran, dass sich die Stärke einer Gesellschaft gerade im Umgang mit den Schwächsten zeigt.

Einheit als Auftrag

Vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung vor 36 Jahren richteten die Geistlichen den Blick zugleich auf die Gegenwart. Der Mauerfall am 9. November 1989 und die deutsche Einheit stehen für überwundene Grenzen – doch gesellschaftlicher Zusammenhalt müsse immer wieder neu errungen werden.

Der evangelische Bremer Kirchenpräsident Kuschnerus und der Osnabrücker Bischof warnten im ökumenischen Festgottesdienst im Bremer Sankt-Petri-Dom davor, Menschen auszugrenzen und gesellschaftliche Gräben weiter zu vertiefen. Gerade angesichts schneller Veränderungen fühlten sich viele Menschen „müde, überfordert“ oder hätten Angst, zu den Verlierern zu gehören, sagte Meier laut Predigtmanuskript.

Dass Menschen wieder Halt und Stärke fänden, dürfe nicht dem Zufall überlassen bleiben, betonte der Bischof. Die Vorstellung, jeder sei allein für sein eigenes Glück verantwortlich, greife zu kurz. „Eine Gesellschaft, in der nur das Recht des Stärkeren zählt“, widerspreche dem christlichen Menschenbild.

Dabei verwies Meier auf Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen sei unantastbar. Das Evangelium stelle den einzelnen Menschen mit seiner Einmaligkeit und seinen Fähigkeiten in den Mittelpunkt – und richte sich damit zugleich gegen Ausgrenzung, Fremdenhass und Antisemitismus.

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Einheit bedeute deshalb mehr als die Überwindung einer politischen Grenze. Sie brauche Menschen, die sich gegen Spaltung und Polarisierung stellten, so Meier. Gesellschaftlicher Zusammenhalt werde dort konkret, wo auch diejenigen ihren Platz behielten, die sich angesichts der Veränderungen als Verlierer empfänden.

Wie die Bremer Stadtmusikanten: Stärke durch Gemeinschaft

Wie sehr Gemeinschaft tragen kann, machte Kuschnerus am Beispiel der Bremer Stadtmusikanten deutlich. Esel, Hund, Katze und Hahn gelten zunächst als schwach und abgeschrieben – doch gemeinsam entwickeln sie neue Kraft. Eine Parallele, die der Kirchenpräsident auf die Gesellschaft übertrug: „Allein kommt niemand von uns weiter.“

Menschen seien darauf angewiesen, einander zu tragen und auch auszuhalten. Nächstenliebe bedeute zudem, die Fähigkeiten anderer zu erkennen und ihnen etwas zuzutrauen. Das gelte besonders für Menschen, die als schwach wahrgenommen oder an den Rand gedrängt würden. „Wahre Stärke gibt es, wo wir einander brauchen und uns gegenseitig etwas zutrauen“, sagte Kuschnerus laut Predigtmanuskript. Auch in schwierigen Zeiten dürfe die Gesellschaft deshalb ihre Zuversicht nicht verlieren.

Der Gottesdienst stand unter dem Leitmotiv „Viele Stärken – ein Land“. Neben dem gesellschaftlichen Zusammenhalt kamen auch konkrete soziale Themen zur Sprache, darunter Obdachlosigkeit, sowie, mit Blick auf Bremen als Hafenstandort, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Seeleuten. Vertreter verschiedener christlicher Kirchen wirkten an der Feier mit. In den Fürbitten ging es unter anderem um Demokratie, Menschen in Armut und Einsamkeit sowie um Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind.

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