Vatikan

Welttag des Tourismus 2026: Vatikan mahnt zu ethischem Umgang mit Künstlicher Intelligenz

Zwischen Algorithmus und Erlebnis: Der Vatikan sieht Künstliche Intelligenz im Tourismus als Chance für mehr Nachhaltigkeit und Teilhabe – warnt aber zugleich vor digitaler Entfremdung, Überwachung und dem Verlust des Staunens.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Welttag des Tourismus 2026: Vatikan mahnt zu ethischem Umgang mit Künstlicher Intelligenz
(c) Tasos_Lekkas - pixabay user_id:4803779

Die fortschreitende Digitalisierung verändert den Tourismus grundlegend. In seiner Botschaft zum Welttag des Tourismus am 27. September 2026 würdigt das Dikasterium für die Evangelisierung die Chancen Künstlicher Intelligenz für einen nachhaltigen und inklusiven Reiseverkehr, warnt zugleich aber vor Überwachung, sozialer Ausgrenzung und dem Verlust echter menschlicher Begegnungen. Die von Pro-Präfekt Rino Fisichella unterzeichnete Erklärung betont, dass technologische Innovationen einer klaren ethischen Orientierung bedürften und der Mensch auch im digitalen Zeitalter im Mittelpunkt stehen müsse.

KI als Chance – aber nicht als Ersatz für den Menschen

In der vom Pro-Präfekten des Dikasteriums für die Evangelisierung, Rino Fisichella, unterzeichneten Botschaft wird die rasante Digitalisierung des Tourismus ausdrücklich anerkannt. Zugleich mahnt der Vatikan zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Technologien. Technologie sei „niemals neutral“, heißt es unter Verweis auf die Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo. Sie trage stets die Handschrift jener, die sie entwickeln, finanzieren und regulieren.

Die Kirche lehne den digitalen Fortschritt nicht ab, betont die Botschaft. Vielmehr könne Künstliche Intelligenz zu einer wertvollen Verbündeten werden – etwa für einen nachhaltigeren, effizienteren und barrierefreien Tourismus. Voraussetzung sei jedoch, dass sie „ein Werkzeug im Dienst des Menschen“ bleibe und nicht zu einem Instrument der Kontrolle oder Ausgrenzung werde.

Zugleich erinnert das Schreiben daran, dass Reisen weit mehr sei als die Organisation von Wegen und Aufenthalten. Es entspringe einem tiefen menschlichen Wunsch, „den Anderen zu begreifen“, neue Horizonte zu entdecken und sich von der Schönheit der Schöpfung berühren zu lassen. Diese Dimension lasse sich nicht digital ersetzen. Weder der erste Blick auf eine unbekannte Landschaft noch die Begegnung mit fremden Menschen oder die Ergriffenheit vor einem Kunstwerk und an einem heiligen Ort könnten durch technische Systeme reproduziert werden. Digitale Plattformen sollten deshalb reale Begegnungen fördern, statt Reisen auf den Konsum virtueller Eindrücke zu reduzieren.

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Warnung vor digitaler Entfremdung

Gleichzeitig sieht der Vatikan erhebliche Chancen für mehr globale Gerechtigkeit. Intelligente Assistenzsysteme könnten Menschen mit Behinderungen den Zugang zu bislang schwer erreichbaren Orten erleichtern. Ebenso eröffneten digitale Werkzeuge lokalen Gemeinschaften die Möglichkeit, ihre kulturelle Identität eigenständig sichtbar zu machen. Auch die ökologischen Folgen des Massentourismus ließen sich mithilfe moderner Technologien besser steuern. Technik könne so zu einem „Instrument der Geschwisterlichkeit“ werden – vorausgesetzt, das Gemeinwohl bleibe wichtiger als wirtschaftliche Interessen.

Neben den Chancen der Künstlichen Intelligenz richtet die Botschaft den Blick auch auf die Risiken des digitalen Wandels. Wo Reisende nur noch als Datensätze erfasst und Kulturen zu perfekt inszenierten Erlebnissen werden, droht der eigentliche Sinn des Reisens verloren zu gehen. Die Erfahrung verengt sich auf das, was Algorithmen als passend und vorhersehbar einstufen. Damit geht die Offenheit für das Unerwartete verloren – jenes „echte Staunen“, das nach Auffassung der Botschaft eine besondere Form der Erkenntnis ermöglicht und den Menschen für Kontemplation und tieferes Verstehen öffnet.

Kritisch bewertet der Vatikan zudem die Gefahr einer wachsenden digitalen Kluft. Regionen und Bevölkerungsgruppen ohne ausreichenden Zugang zu modernen Technologien könnten zunehmend vom touristischen und wirtschaftlichen Fortschritt ausgeschlossen werden. Sorge bereitet den Verfassern auch die umfangreiche Sammlung persönlicher Daten. Ohne verbindliche internationale Regeln bestehe das Risiko einer nahezu lückenlosen Überwachung von Reisenden. Ein solches System sei mit der Würde und Freiheit des Menschen nicht vereinbar.

Der Tourismus dürfe daher nicht auf Effizienz und Datenanalyse reduziert werden, sondern müsse eine „Schule der Fraternität“ bleiben. Politik, Wirtschaft und kirchliche Akteure seien aufgerufen, den technologischen Wandel aufmerksam zu begleiten und den Menschen als freies, beziehungsfähiges Wesen in den Mittelpunkt zu stellen. Seine Würde, so die Botschaft, entziehe sich letztlich jeder algorithmischen Berechnung.


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Redakteur / Autor bei GodMag.

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