Mit einem Vers aus dem Lukasevangelium hat Heiner Wilmer sein Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz angetreten. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ – dieses Wort aus dem Gloria-Gebet sei für ihn geistlicher Kompass, sagte der Hildesheimer Bischof nach seiner Wahl. In seiner Ansprache auf der Pressekonferenz sprach er über den Ukraine-Krieg, den inneren Zusammenhalt in Deutschland und die Herausforderungen der katholischen Kirche. Wilmer warb für Synodalität, Reformbereitschaft und eine Kirche, die Hoffnung stiftet und Verantwortung für Frieden und Demokratie übernimmt.
Offen für Reformen: Bischof Wilmer unterstützt Synodalen Weg
Mit einem Zitat aus dem Gloria-Gebet eröffnete der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer seine erste Pressekonferenz nach der Wahl. Der Vers aus dem Lukasevangelium – „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ – sei für ihn programmatisch. Die Worte vereinten, die Ausrichtung auf Gott mit dem Auftrag, sich für Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen einzusetzen, erklärte Wilmer.
Im Anschluss dankte er seinen Mitbrüdern im Bischofsamt für das entgegengebrachte Vertrauen. Auch sprach er seinem Vorgänger an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, ausdrücklich Anerkennung und Dank für dessen Leitung aus. „Du, lieber Georg, hast unsere Konferenz geleitet in schwerer Zeit. Dir gebührt mein Respekt und meine ganze Dankbarkeit!“, so Wilmer wörtlich.
Beim Synodalen Weg zählte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer regelmäßig zur Mehrheit der Bischöfe und der Synodalversammlung, die für weitreichende Reformvorschläge zur kirchlichen Lehre stimmten. So unterstützte Wilmer bei der Frage der Segnung homosexueller Paare die entsprechende Initiative des Reformprozesses. Auch in weiteren Grundsatztexten, etwa zur kirchlichen Bewertung von Homosexualität und zur Rolle von Frauen in sakramentalen Ämtern, zeigte er sich offen für Veränderungen.
Eine vor einigen Jahren diskutierte mögliche Berufung Wilmers an die Spitze des vatikanischen Dikasteriums für die Glaubenslehre soll im Umfeld der Kurie auf deutliche Vorbehalte gestoßen sein, unter anderem durch den damaligen Kardinaldekan Giovanni Battista Re.
Christus im Zentrum der Synodalität
Besonders wandte sich Heiner Wilmer an die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland, die er als „lebendiges Gesicht der Kirche“ bezeichnete. In Gemeinden, Verbänden, der Caritas, in Schulen, Familien und im persönlichen Gebet werde der Glaube konkret gelebt. Der christliche Glaube sei „eine Quelle von Kraft und Weite“, die Halt gebe, Generationen verbinde und „Räume der Hoffnung“ öffne. Diese Hoffnung werde nicht isoliert gelebt, sondern in ökumenischer Verbundenheit mit evangelischen und orthodoxen Christen sowie im Dialog mit Juden und Muslimen.
Zugleich bekannte sich der Hildesheimer Bischof zur „Freude am Evangelium“ und zum weltweiten synodalen Prozess der katholischen Kirche. Entscheidend sei dabei das gemeinsame Hören aufeinander und auf den Geist Gottes. Synodalität verstehe er als geistliche Grundhaltung: gemeinsam unterwegs sein, Verantwortung teilen und Entscheidungen miteinander tragen. „Christus steht im Zentrum“, betonte Wilmer. Aus dieser Mitte wachse Vertrauen – und Vertrauen eröffne Zukunft. Ziel bleibe es, das Evangelium glaubwürdig zu verkünden, „mit aller Kraft, notfalls auch mit Worten“.
Katholische Kirche als Botschafterin eines „höheren und gerechten Friedens“
Heiner Wilmer bezeichnete die katholische Kirche als „attraktiv“ und hob die besondere Qualität christlicher Hoffnung hervor. Denn, diese sei mehr als bloßer Optimismus und weder von Resignation noch von Untergangsstimmung geprägt. Zugleich zeigte er sich besorgt über gesellschaftliche Entwicklungen, in denen der Mitmensch zunehmend als Gegner wahrgenommen werde.
Die Botschaft des Evangeliums bestehe darin, aus einer Haltung der Demut heraus Stärke zu gewinnen – auch in politischen Auseinandersetzungen. Die katholische Kirche in Deutschland verstehe sich deshalb als Botschafterin eines „höheren und gerechten Friedens“, sowohl im Innern der Gesellschaft als auch im Blick auf internationale Konflikte.
Damit schlug Heiner Wilmer den Bogen zum Krieg in der Ukraine. Er erinnerte an den vierten Jahrestag des russischen Angriffs und fand eindringliche Worte für das Leid der Betroffenen: vier Jahre Zerstörung, getrennte Familien, Kinder in Schutzräumen, Mütter auf der Flucht, Väter an der Front. „Im Namen Gottes: Dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt“, appellierte er. Frieden sei „kein ferner Traum“, sondern bleibe konkrete Aufgabe.
