Zum 70. Geburtstag: Georg Gänswein blickt auf prägende Jahre in Rom zurück
Er war jahrzehntelang eine der prägenden Figuren im Umfeld des Vatikans und enger Vertrauter von Benedikt XVI.: Zum 70. Geburtstag blickt Erzbischof Georg Gänswein auf einen bewegten Weg zurück.

Erzbischof Georg Gänswein feierte am Donnerstag seinen 70. Geburtstag. Anlässlich dessen blickt er auf ein außergewöhnliches Leben zurück: von den prägenden Jahren an der Seite von Papst Benedikt XVI. über die Rückkehr aus Rom bis zu seiner heutigen Aufgabe als Apostolischer Nuntius im Baltikum. Dabei spricht er offen über persönliche Einschnitte, neue Perspektiven und die Kraft des Glaubens.
Prägende Jahre an der Seite Benedikts XVI.
Als ältestes von fünf Geschwistern nennt Erzbischof Gänswein Glauben, familiären Zusammenhalt und Verbundenheit als prägende Werte seiner Kindheit. Nach der Entscheidung für den Priesterberuf führten ihn das Priesterseminar sowie Studien in Freiburg und Rom zur Priesterweihe. Während des ersten Studienjahres zog er zeitweise den Eintritt in den Karthäuserorden in Betracht. Ein zehntägiger Aufenthalt in einer Kartause im Allgäu habe ihn tief beeindruckt. Auf Anraten eines Paters schloss er jedoch zunächst sein Studium ab – eine Entscheidung, die schließlich den Weg in die Weltkirche ebnete.
Nach zwei Jahren als Kaplan in Baden, einem weiteren Studium in München und dem Wechsel nach Rom begann Gänsweins langjährige Zusammenarbeit mit Kardinal Joseph Ratzinger. Die rund 20 Jahre an der Seite des späteren Papstes Benedikt XVI. bezeichnet er als die prägendste Zeit seines Lebens. Besonders das gemeinsame Leben und Arbeiten habe die enge Verbindung gestärkt. Zu seinen eindrücklichsten Erinnerungen zählen die Papstwahl 2005 und die erste Begegnung mit dem neu gewählten Kirchenoberhaupt in der Cappella Paolina.
Freiburg gewährt „Asyl“
Doch auf die prägenden Jahre an der Seite Benedikts XVI. folgte ein heftiger Bruch. Die Entscheidung von Papst Franziskus, ihn ohne neue Aufgabe in seine Heimatdiözese zurückzuschicken, habe ihn schwer getroffen. „Ich fühlte mich wie ein Hund, der vom Hof gejagt wurde“, sagte Gänswein rückblickend den Badischen Neuesten Nachrichten.
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Die Zeit in Freiburg habe ihm jedoch geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Er spricht von einer „tiefen Wunde“, die die Versetzung hinterlassen habe. „Ohne Begründung abgeschoben zu werden, tut weh.“ Das päpstliche Machtwort habe er dennoch akzeptiert – aus dem Gehorsamsversprechen heraus, das er bei seiner Bischofsweihe abgelegt habe.
Auch öffentlich sprach Gänswein über die schwierige Phase. Bei einer Veranstaltung der Schwäbischen Zeitung sagte er, er habe „gebetet und gelitten“ und dabei „einen großen Satz an Sünden im Fegefeuer abgebüßt“. Freiburg habe ihm in dieser Zeit, so formulierte er es selbst, „Asyl gewährt“. Dafür sei er dem damaligen Freiburger Erzbischof Stephan Burger bis heute dankbar.
Blick nach vorn
In seiner heutigen Aufgabe als Apostolischer Nuntius in Litauen, Estland und Lettland erlebt der Erzbischof die angespannte Sicherheitslage im Baltikum aus nächster Nähe. Angesichts der spürbaren Verunsicherung der Menschen misst er der Botschaft von Hoffnung und Frieden besondere Bedeutung bei. Der Friedensauftrag, den auch Papst Leo XIV. seit Beginn seines Pontifikats betont, prägt dabei den Austausch mit Kirche, Politik und Gesellschaft.
Mit Blick auf die katholische Kirche in Deutschland wirbt Gänswein für eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung mit den laufenden Reformprozessen. Zuversicht schöpft er vor allem aus der Dynamik der wachsenden Kirchen in Asien und Afrika sowie aus jungen Menschen in Deutschland, die ihren Glauben bewusst neu entdecken und engagiert leben.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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