Bei einem interreligiösen Friedenstreffen während seines Besuchs in der kamerunischen Stadt Bamenda warnte Papst Leo eindringlich vor dem Missbrauch des Glaubens zur Rechtfertigung von Gewalt. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kämpfe in den anglophonen Regionen des Landes rief er zu Versöhnung, Dialog und gemeinschaftlichem Engagement für Frieden auf. Zugleich würdigte er die Solidarität der leidenden Bevölkerung und erinnerte daran, dass Frieden durch Gemeinschaft entsteht.
Friedenstreffen inmitten eines Konfliktherdes
In Bamenda, dem Zentrum der anglophonen Regionen Kameruns, ist die Gewalt seit Jahren allgegenwärtig. Seit der Eskalation des Konflikts im Jahr 2017 haben die Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und separatistischen Gruppen Tausende Menschenleben gefordert. An diesem besonderen Ort, in einer von Unsicherheit und Leid geprägten Region, fand nun ein interreligiöses Friedenstreffen mit Papst Leo XIV. statt. Vertreter unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften und gesellschaftlicher Gruppen schilderten eindrücklich die Realität vor Ort. Ein traditioneller Herrscher des Mankon-Volkes, ein Imam, ein Vertreter der presbyterianischen Kirche, eine Ordensfrau sowie ein Binnenvertriebener berichteten stellvertretend vom anhaltenden Leid der Bevölkerung – und von der Hoffnung auf ein Ende der Gewalt.
Der Papst griff diese Erfahrungen in seiner Ansprache auf und zeigte sich bewegt von den Zeugnissen: „All das Leid, das euer Volk heimgesucht hat, lässt heute umso deutlicher erkennen: Gott hat uns niemals verlassen!“ Zugleich betonte er die Kraft des Glaubens als Quelle neuer Zuversicht: „In ihm, in seinem Frieden, können wir immer wieder neu beginnen.“ Seine Worte richtete er an die Gläubigen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kathedrale des heiligen Josef, während sich auch vor dem Gotteshaus zahlreiche Menschen versammelt hatten, um an dem Treffen teilzunehmen.
Appell an gemeinsame Verantwortung für den Frieden
Papst Leo würdigte in Bamenda insbesondere die Annäherung zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften infolge der Krise. Durch das Engagement religiöser Führungspersönlichkeiten sei ein „Netzwerk der Hoffnung“ entstanden, das aktiv versuche, „zwischen den gegnerischen Parteien zu vermitteln“. Dies sei ein ermutigendes Zeichen weit über die Region hinaus, betonte der Pontifex und fügte hinzu: „Ich würde mir das für so viele Orte auf der Erde wünschen.“ In diesem Zusammenhang fand er deutliche Worte für den Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt: „Selig sind die Friedensstifter! Wehe jedoch denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke missbrauchen.“ Solches Handeln ziehe „das Heilige in Schmutz und Finsternis“, warnte er.
In einer frei auf Englisch gehaltenen Passage rief der Papst die Gläubigen dazu auf, sich aktiv für den Frieden einzusetzen: „Heute hat der Herr uns alle dazu auserwählt, als Arbeiter Frieden in dieses Land zu bringen“, sagte er und lud zu einem gemeinsamen Gebet ein. „Lasst uns alle gemeinsam zum Herrn beten: dass wahrer Frieden unter uns herrschen möge. Dass, wenn wir diese weißen Tauben als Symbol des Friedens freilassen, Gottes Friede auf uns allen und auf diesem Land ruhen und uns alle in seinem Frieden vereint halten möge.“
Seit Jahrzehnten schwelt im Norden Kameruns die sogenannte anglophone Krise zwischen der französisch geprägten Zentralregierung und den überwiegend englischsprachigen Regionen des Landes. 2017 eskalierten die Spannungen zu einem offenen bewaffneten Konflikt, der seither immer wieder aufflammt. Schätzungen zufolge kamen bislang rund 6.000 Menschen ums Leben.

unser Glaube ist das Größte und mächtigste was wir besitzen und genau so sollten wir ihn auch behandeln!