StartWeltSchließung katholischer Schule in Indien – Vorwürfe religiöser Beeinflussung

Schließung katholischer Schule in Indien – Vorwürfe religiöser Beeinflussung

Im indischen Bundesstaat Rajasthan haben Behörden einer katholischen Schule die staatliche Anerkennung entzogen und damit den Schulbetrieb erheblich eingeschränkt. Betroffen ist die St. Paul Secondary School im Distrikt Dungarpur, an der rund 500 Schüler unterrichtet werden. Die Behörden werfen der Einrichtung unter anderem religiöse Beeinflussung, Disziplinverstöße und Regelverletzungen vor, darunter angebliche Konversionsversuche sowie die öffentliche Darstellung religiöser Symbole.

Vorwürfe von Konversion und religiöser Beeinflussung

Die Bildungsbehörde begründete den Entzug der staatlichen Anerkennung unter anderem mit dem Vorwurf, die Schule habe versucht, Schüler zum Christentum zu bekehren. Dies geht aus einem Bericht des Nachrichtenportals ucanews.com hervor. In einem Schreiben vom 2. April wurde der Einrichtung untersagt, weiterhin Unterricht abzuhalten, neue Schülerinnen und Schüler aufzunehmen oder Prüfungen durchzuführen. Zudem ordneten die Behörden an, die rund 500 betroffenen Kinder auf umliegende Schulen zu verteilen.

Als weitere Begründungen wurden unter anderem körperliche Züchtigungen, die Verwendung religiöser Anreden wie „Father“ oder „Sister“ sowie die Aufstellung einer Marienstatue auf dem Schulgelände genannt. Letzteres werteten die Behörden als unzulässige religiöse Einflussnahme. In dem Schreiben heißt es, die Statue der Mutter Maria deute auf die Förderung einer bestimmten Religion hin und könne den Eindruck erwecken, Schüler würden zu einem bestimmten Glauben gedrängt.

Die Schule ist Teil der katholischen Diözese Udaipur und wurde ursprünglich 1952 gegründet. In ihrer heutigen Form als englischsprachige Bildungseinrichtung besteht sie seit 2011. Der aktuelle Fall wird von Beobachtern zudem in einen größeren gesellschaftlichen und politischen Kontext eingeordnet. Der Bundesstaat Rajasthan gehört zu 13 indischen Regionen, in denen Anti-Konversionsgesetze gelten. Laut der Volkszählung von 2011 stellen Christen dort lediglich 0,14 Prozent der mehr als 68 Millionen Einwohner, während die hinduistische Bevölkerung rund 88,5 Prozent ausmacht. Kirchliche Vertreter berichten seit dem Amtsantritt der hindu-nationalistischen BJP-Regierung im Jahr 2023 von einem zunehmenden Druck auf christliche Einrichtungen im Land.

Schließung katholischer Schule „rechtswidrig und böswillig“ – Höhepunkt einer „Hexenjagd“

Schulmanager Pater Sanjay Dodiyar wies die gegen die Einrichtung erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Er sprach von einer „rechtswidrigen und böswilligen“ Entscheidung, die ohne vorherige Anhörung getroffen worden sei. Die Schule habe mittlerweile beim High Court des Bundesstaates Klage eingereicht, so Dodiyar weiter. Nach seinen Angaben stehe der Entzug der Anerkennung am Ende einer mehrmonatigen Überprüfung. Bereits im September 2025 hätten Behörden gemeinsam mit Mitgliedern einer hindu-nationalistischen Gruppe sowie der Polizei eine unangekündigte Kontrolle an der Schule durchgeführt. Der Priester bezeichnete die Entwicklungen als „Hexenjagd gegen die Schule“, die bereits im vergangenen Herbst begonnen habe.

Im Zuge der Überprüfung hätten einige Beteiligte behauptet, Schülerinnen und Schüler würden zur Konversion gedrängt. Einen Tag nach der Kontrolle habe der zuständige Bezirkssammler die Schule besucht und sich nach Angaben Dodiyars mit Eltern und Schülern getroffen. Diese hätten „ihn über die Realität informiert, aber ohne Erfolg“, hieß es. In einem Schreiben an den Bezirksbildungsbeauftragten wiesen Eltern von rund 100 Schülern die erhobenen Vorwürfe zurück. Das „Umfeld in der Schule sei sehr diszipliniert und bildungsfördernd“, heißt es in dem Brief.

Zugleich forderten die Eltern die Behörden auf, die staatliche Anerkennung der Schule wiederherzustellen. Die Konversionsvorwürfe wiesen sie ausdrücklich zurück. Die Schüler „wurden nie gezwungen, einer bestimmten Religion, einschließlich des Christentums, anzugehören oder diese anzunehmen“, betonten sie in dem Schreiben. An der Schule lernten Kinder aller Religionsgemeinschaften, darunter Christen, Hindus, Muslime und Jains. Darüber hinaus hob der Brief hervor, die Einrichtung biete „eine qualitativ hochwertige Ausbildung“ und fördere die Entwicklung der Schüler in den Bereichen Persönlichkeit, Disziplin, Ethik und allgemeine Werte.

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