Zum Auftakt seines Besuchs in Kamerun hat Papst Leo XIV. im Präsidentenpalast von Yaoundé eindringlich zu mehr Gerechtigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und nachhaltigem Frieden aufgerufen. Vor politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Zivilgesellschaft betonte er die Bedeutung des Dialogs, insbesondere unter Einbeziehung junger Menschen und Frauen, und würdigte die kulturelle Vielfalt des Landes als Chance für Zusammenhalt und Stabilität.
Kameruns Vielfalt als Chance für Frieden
Papst Leo XIV. hat bei seiner Ansprache vor dem Präsidenten, dem diplomatischen Korps und Vertretern der Zivilgesellschaft zunächst für den herzlichen Empfang gedankt. Kamerun würdigte er dabei als „Afrika im Kleinen“ – ein Land, das sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Landschaften, Kulturen und Sprachen auszeichne. Diese Unterschiede, so der Papst, seien kein Hindernis, sondern vielmehr ein „Versprechen der Geschwisterlichkeit“ und ein tragfähiges Fundament für dauerhaften Frieden.
Zugleich umriss das Kirchenoberhaupt seine eigene Rolle während des Besuchs: Er verstehe sich als „Hirte und Diener des Dialogs, der Geschwisterlichkeit und des Friedens“. In dieser Funktion wolle er die Menschen ermutigen, sich weiterhin für das Gemeinwohl einzusetzen. Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen warnte Leo XIV. vor wachsender Resignation und einem Gefühl der Ohnmacht, das notwendige Erneuerungsprozesse blockieren könne. Dem stellte er die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung entgegen: „Gerechtigkeit, Teilhabe und Frieden“ seien entscheidend für eine stabile und hoffnungsvolle Zukunft.
Papstbesuch in Kamerun: Botschaft als „belebende Quelle“
Ein besonderes Augenmerk legte Papst Leo XIV. auf die junge Generation. Es sei sein Anliegen, „die Herzen aller zu erreichen, insbesondere die der jungen Menschen“, die dazu berufen seien, aktiv an einer gerechteren Welt mitzuwirken – „auch in politischer Hinsicht“.
Ebenso hob das Kirchenoberhaupt die Rolle der Frauen hervor. Mit deutlichen Worten erinnerte er daran, dass sie häufig „die ersten Opfer von Vorurteilen und Gewalt“ seien, zugleich aber eine zentrale Kraft für den Frieden darstellten. Frauen wirkten unermüdlich in Bildung, Mediation und beim Wiederaufbau gesellschaftlicher Strukturen mit; ihr Einsatz sei „unvergleichlich“ und trage dazu bei, Korruption und Machtmissbrauch einzudämmen. Deshalb müsse ihre Stimme in politischen Entscheidungsprozessen „voll und ganz anerkannt werden“. Für diese Passage erhielt der Papst besonders starken Applaus.
Kameruns Präsident Paul Biya schlug in seiner anschließenden Rede einen ernsteren Ton an. Er verwies auf eine von Krisen geprägte Weltlage, die von Kriegen, wirtschaftlicher Not und sozialer Verzweiflung bestimmt sei. Angst und Unsicherheit prägten das Leben vieler Menschen. Vor diesem Hintergrund würdigte Biya die Botschaft des Papstes als eine „belebende Quelle“, die Hoffnung spende und den Wunsch nach Harmonie in einer zerrütteten Welt neu entfache.
