StartWeltKapuziner in Pakistan warnen vor anhaltender Kindersklaverei

Kapuziner in Pakistan warnen vor anhaltender Kindersklaverei

Die Kapuziner in Pakistan haben am Internationalen Tag gegen Kindersklaverei am 16. April erneut auf die anhaltende Ausbeutung von Kindern im Land aufmerksam gemacht. Der Kapuziner Lazar Aslam aus dem Punjab, Leiter der Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie der Kapuziner-Kustodie in Pakistan, betonte dabei die schwierige Lage vieler Kinder, insbesondere aus christlichen Familien. Trotz staatlicher und kirchlicher Initiativen bleibe Kinderarbeit in Pakistan weit verbreitet und werde vor allem durch extreme Armut, niedrige Löhne, fehlenden Zugang zu Bildung und strukturelle Diskriminierung begünstigt. Besonders betroffen seien Kinder in der Ziegelindustrie sowie im häuslichen Dienst, wo sie häufig unter ausbeuterischen Bedingungen und in Formen der Schuldknechtschaft leben müssten.

Kindersklaverei: Systematische Benachteiligung von Christen

Der internationale Gedenktag erinnert an Iqbal Masih, einen pakistanischen Jungen, der sich aus der Sklaverei befreien konnte und später zu einem Aktivisten für Kinderrechte wurde. Er wurde am 16. April 1995 im Alter von nur zwölf Jahren ermordet. Drei Jahrzehnte nach seinem Tod zieht Pater Lazar Aslam eine ernüchternde Bilanz: Trotz zahlreicher Initiativen von Staat und Kirche habe sich die Lage kaum grundlegend verbessert. Die Praxis der Kindersklaverei setze sich in einem hartnäckigen Kreislauf fort, der nur schwer zu durchbrechen sei.

Als zentrale Ursachen nennt der Kapuziner extreme Armut und niedrige Löhne, die viele Familien dazu zwingen, zusätzliche Einkommensquellen zu suchen. Hinzu komme der oft unzureichende Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung. Ohne schulische Perspektiven blieben Kindern häufig nur körperlich schwere Tätigkeiten. Besonders gefährdet seien Kinder im häuslichen Dienst, die oft isoliert lebten und einem erhöhten Risiko von Missbrauch ausgesetzt seien. Für Kinder aus christlichen Familien komme zudem die Gefahr von Zwangsbekehrungen hinzu.

Nach Angaben von Aslam sind christliche Kinder überproportional von diesen Missständen betroffen. Dies sei wesentlich auf historische Diskriminierung gegenüber der christlichen Minderheit sowie auf ein System der Arbeitsausbeutung zurückzuführen, das besonders die ärmsten Bevölkerungsgruppen treffe, so der Kapuziner.

Fehlende Bildung und Ruf nach Reformen

Vor allem in ländlichen Regionen des Punjab gelte die Ziegelbrennerei häufig als einzige Einkommensquelle. Die Branche basiere vielfach auf Schuldknechtschaft: Familien nehmen dabei Kredite auf, die sie durch Arbeit abbezahlen sollen. In der Praxis seien die Bedingungen jedoch so gestaltet, dass eine vollständige Rückzahlung kaum möglich ist und sich die Verschuldung über Generationen fortsetzt. Nach Angaben Aslams stellen Christen in einzelnen Regionen rund 60 Prozent der Arbeitskräfte in diesem Sektor, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung landesweit nur etwa 1,5 Prozent beträgt.

Der Kapuziner führt die anhaltende Problematik auch auf unzureichende politische Maßnahmen zur sozialen Inklusion zurück. Wo es an Schulen, staatlicher Gesundheitsversorgung und sozialer Unterstützung fehle, entstünden Strukturen, in denen Kinderarbeit und Ausbeutung weiter bestehen könnten. Pater Aslam betont in diesem Zusammenhang die zentrale Bedeutung von Bildung: „Die Priorität ist es, eine universelle Bildung zu garantieren und den Schulabbruch zu verhindern“, so der Kapuziner. Pfarreien und religiöse Kongregationen im Land engagieren sich daher verstärkt in Bildungsprojekten, um Kinder vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen und ihnen langfristige Perspektiven zu eröffnen.

Abschließend erinnerte der Kapuziner an das Vermächtnis von Iqbal Masih, der sinnbildlich für den Kampf gegen Kinderarbeit steht. Dessen Worte, wonach Stifte und Bleistifte die einzigen Werkzeuge sein sollten, die ein Kind in den Händen halte, hätten bis heute nichts an Aktualität verloren. „Noch heute ist Iqbal Masih ein Symbol der Befreiung und Hoffnung für alle Kinder, die in Pakistan und weltweit zur Sklavenarbeit gezwungen werden“, so Aslam.

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