Bischof Varden warnt vor politischer Instrumentalisierung des Christentums
Bischof Erik Varden warnt vor politischer Instrumentalisierung des Christentums und sieht KI nicht als Weg geistlicher Erneuerung.

Der norwegische Trappistenbischof Erik Varden hat vor einer politischen Vereinnahmung des Christentums gewarnt und Christen zu einer stärker christozentrischen Glaubenspraxis aufgerufen. Im Interview mit dem US-Amerikanischen Portal „OSV News“ betonte der Bischof von Trondheim, das Evangelium dürfe nicht für ideologische oder politische Zwecke instrumentalisiert werden. Zugleich äußerte sich Varden skeptisch gegenüber Künstlicher Intelligenz als Mittel geistlicher Erneuerung: Wahre Bekehrung könne kein Algorithmus, sondern nur das menschliche Herz bewirken.
Warnung vor politischer Instrumentalisierung des Glaubens
Bischof Erik Varden hat vor einer politischen oder ideologischen Vereinnahmung des Christentums gewarnt. Im Gespräch am Rande seines Besuchs in Baltimore betonte der norwegische Trappist, das Evangelium Jesu Christi sei „ein Selbstzweck“ und dürfe nicht für andere Ziele instrumentalisiert werden. Jeder Versuch, das Christentum kulturell, ideologisch oder politisch zu funktionalisieren, sei „fragwürdig“.
Mit Blick auf gesellschaftliche Debatten erklärte Varden zudem: „Wenn das Christentum als Bestandteil dessen herangezogen wird, was letztlich Hassrede ist, dann dürfen wir einfach nicht auf diesen Zug aufspringen.“ Christen müssten vielmehr „entschlossen christozentrisch bleiben“ und sich zuerst selbst an den Geboten und Verheißungen Christi orientieren. Zugleich warnte der Bischof vor übermäßiger Rhetorik. Entscheidend sei nicht die Lautstärke öffentlicher Debatten, sondern glaubwürdiges christliches Leben. „Hüten wir uns vor zu viel Rhetorik, hüten wir uns vor zu vielen Worten und schauen wir darauf, wie die Menschen leben“, sagte Varden.
Varden, der für Papst Leo XIV. und die römische Kurie die Fastenexerzitien predigte, verwies zudem auf die Anfänge des Christentums in der Spätantike. Nicht allein Predigt, Lehre oder Katechese hätten damals die Menschen überzeugt, sagte der seit 2020 amtierende Bischof, sondern vor allem die konkrete Erfahrung einer neuen Form des Zusammenlebens. Das Christentum habe eine „erschöpfte Welt erneuert“, weil Menschen dort „eine neue Art, Mensch zu sein“, erlebt hätten.
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Versöhnung statt gesellschaftlicher Polarisierung
Besonders prägend sei die Fähigkeit zur Versöhnung und Vergebung gewesen. Die frühen Christen hätten gezeigt, dass sich Gemeinschaft und sogar eine „neue Stadt“ auf dieser Grundlage aufbauen ließen. Gerade diese gelebte Praxis habe Gesellschaften tiefgreifend verändert, erklärte der Trappistenmönch. Vor diesem Hintergrund rief er die Gläubigen dazu auf, Konflikte nicht weiter zu befeuern, sondern „die Wahrheit in Liebe zu sagen“. Christliche Liebe bedeute nicht, Fehler zu verschweigen, betonte der Bischof. Vielmehr gehe es darum, diese „auf konstruktive Weise anzusprechen“, statt gesellschaftliche Spannungen weiter anzuheizen.
Als Antwort auf Polarisierung und Orientierungslosigkeit verwies der norwegische Bischof auf eine tiefere Verwurzelung im Glauben. Christen sollten die Heilige Schrift intensiver lesen, den Glauben gründlicher studieren und die sakramentale Dimension der Kirche bewusster leben. Aus dieser geistlichen Tiefe heraus könne glaubwürdig gesprochen und gehandelt werden, sagte Varden. Dies sei letztlich „das ultimative Heilmittel“. Die Kirche entfalte dann ihre eigentliche Anziehungskraft: als „Gemeinschaft der Erlösten“, die aus der Gnade lebe und von der Liebe Christi geprägt sei. Eine solche konkrete und gelebte Gemeinschaft besitze, so Varden, „eine Anziehungskraft und eine Schönheit“, die andere Formen der Zugehörigkeit überstrahlen könne.
Bischof Varden skeptisch gegenüber KI als Mittel geistlicher Erneuerung
Ein weiteres Thema seines Besuchs in den USA war der Umgang mit Künstlicher Intelligenz, deren rasante Entwicklung seit Jahren von der Kirche mit Blick auf die geistlichen und gesellschaftlichen Folgen beobachtet wird. Auch der Vatikan beschäftigt sich intensiv mit dem Thema, das auch in der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV., die noch in diesem Monat erwartet wird, eine wichtige Rolle spielen könnte.
Bischof Erik Varden äußerte sich dazu skeptisch. Er setze „in Bezug auf Spiritualität absolut keine Hoffnungen in die KI“, so das deutliche Urteil des norwegischen Trappisten. Zwar könnten digitale Medien und künstliche Intelligenz hilfreich sein, Zeit sparen und nützliche Hinweise liefern. Als Weg zur inneren Umkehr helfe die Technologie jedoch nicht. „Ich habe wenig Vertrauen in sie als Mittel zur Bekehrung“, sagte Varden. Jede echte geistliche Erneuerung müsse das menschliche Herz erreichen – und genau dazu sei „ein Algorithmus nicht in der Lage“.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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