Blutwunder von San Gennaro ereignet sich 2026 zum dritten Mal
Am Gedenktag des Stadtpatrons ereignete sich in Neapel erneut das berühmte Blutwunder – schon zum dritten Mal in diesem Jahr. Was hinter der Tradition steckt.
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Im Dom von Neapel hat sich am Samstag erneut das traditionelle Blutwunder des heiligen Januarius (San Gennaro) ereignet. Anlässlich des Gedenktags des Stadtpatrons verflüssigte sich die in einer Glasampulle aufbewahrte Reliquie um 10.04 Uhr – und damit bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. Die Gläubigen in der Kathedrale reagierten mit Beifall. Das Blutwunder gilt in der lokalen Tradition als gutes Zeichen für Neapel.
Blutwunder bereits zum dritten Mal
Das traditionelle Blutwunder des heiligen Januarius hat sich in Neapel in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ereignet. Das Phänomen zeigte sich zunächst bei den Feierlichkeiten im Frühjahr sowie beim Besuch von Papst Leo XIV. am 8. Mai – und nun erneut am 19. September.
In Neapel gilt die turnusmäßige Verflüssigung als gutes Zeichen für die Stadt. Traditionell wird das Ereignis an drei Terminen erwartet: am Samstag vor dem ersten Sonntag im Mai, am 19. September und am 16. Dezember. Der September-Termin fällt auf den Gedenktag des Stadtpatrons, während der Dezember-Termin an die Überlieferung erinnert, wonach Neapel 1631 vor den Folgen eines Vesuvausbruchs bewahrt worden sei.
Dass sich die Reliquie auch außerhalb dieser festen Termine verändert, ist selten. In diesem Jahr verflüssigte sie sich die Substanz beim Besuch von Papst Leo XIV. am 8. Mai, während der Papst die Ampulle in den Händen hielt. Auch bei früheren Papstbesuchen wurde das Phänomen beobachtet: 1848 bei Pius IX. und teilweise 2015 bei Franziskus. Bei Johannes Paul II. 1979 und Benedikt XVI. 2007 blieb die Verflüssigung dagegen aus.
Wissenschaftliche Erklärungsversuche verweisen unter anderem auf die sogenannte Thixotropie. Dabei können bestimmte Stoffe durch Bewegung oder mechanische Einwirkung vorübergehend ihre Viskosität verändern und sich verflüssigen.
San Gennaro: Schutzpatron Neapels
Hinter dem Blutwunder steht die jahrhundertealte Verehrung des heiligen Januarius, in Italien San Gennaro genannt. Der Überlieferung zufolge war er Bischof von Benevent und wirkte während der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian heimlich in der Gegend von Puteoli, dem heutigen Pozzuoli.
Als sein Diakon Socius als Christ entlarvt wurde, besuchte Januarius gemeinsam mit weiteren Gefährten den Gefangenen. Daraufhin wurden auch sie festgenommen und dem Richter Dragontius vorgeführt. Der Legende zufolge überstand Januarius zunächst unversehrt einen glühenden Ofen. Anschließend sollten er und seine Gefährten im Amphitheater von wilden Tieren getötet werden. Doch die Tiere sollen sich demnach zu seinen Füßen gelegt und die Christen verschont haben.
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Schließlich wurden Januarius und seine Gefährten zu den heißen Schwefelquellen von Puteoli gebracht und dort enthauptet. Einer alten Überlieferung zufolge fing eine fromme Frau das Blut des Märtyrers auf – jene Reliquie, die heute im Mittelpunkt des berühmten Blutwunders steht.
Die Reliquien des Heiligen gelangten im Jahr 367 nach Neapel. Zwischen 413 und 431 wurden sie in die Katakomben übertragen, die später nach Januarius benannt wurden. Im Jahr 472 wurde er zum Schutzpatron von Neapel erklärt. Bis heute ist San Gennaro damit eng mit der Stadt und ihrer religiösen Identität verbunden.
Kardinal warnt vor Camorra
Beim Gottesdienst zum Gedenktag des Schutzpatrons richtete Neapels Kardinal Mimmo Battaglia deutliche Worte gegen den Einfluss der organisierten Kriminalität. Die Camorra führe einen „Krieg ohne Kriegserklärung oder Uniformen“, sagte Battaglia und warnte insbesondere vor der Anwerbung junger Menschen.
„Jedes Mal, wenn ein Junge von der Straße rekrutiert wird, haben wir eine Schlacht verloren“, betonte der Kardinal. Gleiches gelte, wenn Kinder glaubten, „schnelles Geld sei der einzige Weg“, oder wenn die Mafia das Schweigen ganzer Viertel erkaufe.
Battaglia verwies zudem auf die Folgen der Kriminalität für den Alltag der Menschen. Er sprach von Kindern, denen vermittelt werde, „dass eine Waffe mehr Respekt einflößen kann als ein Buch“, von eingeschüchterten Geschäftsleuten und von Menschen, die zwischen Mut und dem eigenen Überleben abwägen müssten.
Dabei stellte der Kardinal auch einen Bezug zur Verehrung des Stadtpatrons her. Die Camorra habe „nichts Religiöses an sich“. Es reiche nicht, vor einer Statue zu beten: „Man kann hundert Kerzen für San Gennaro anzünden, aber wenn man das Leben seines Bruders auslöscht, werden diese Kerzen kein Licht spenden.“
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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