Erwachsenentaufen boomen – doch die Bischöfe sehen keine religiöse Trendwende
Immer mehr Erwachsene lassen sich taufen – doch was steckt wirklich dahinter? Die Bischöfe diskutierten in Fulda über Begleitung, Glauben und gesellschaftliche Spaltung.

Die Zahl der Erwachsenen, die sich taufen lassen, steigt in mehreren europäischen Ländern. Die Deutsche Bischofskonferenz sieht darin jedoch keine Abkehr vom allgemeinen Trend der Säkularisierung. Bei ihrer Vollversammlung in Fulda berieten die Bischöfe über Erfahrungen aus Frankreich und darüber, wie Menschen auf ihrem Weg zur Taufe künftig intensiver begleitet werden können. Daneben äußerte sich der Vorsitzende Heiner Wilmer bei der Abschlusspressekonferenz zur politischen Polarisierung in Deutschland und warnte vor extremistischen Tendenzen an den Rändern des politischen Spektrums.
Erwachsenentaufen – neue Wege der Begleitung
Im Mittelpunkt der Beratungen stand dabei die Frage, wie die Kirche mit Menschen umgehen kann, die sich erst im Erwachsenenalter für die Taufe entscheiden. Generalsekretärin Beate Gilles berichtete über die Erfahrungen aus Frankreich, die der Vorsitzende der Pastoralkommission, Peter Kohlgraf, bei einer Delegationsreise gesammelt hatte.
In Frankreich wurden zuletzt 13.234 Menschen über 18 Jahren getauft. Die Bischofskonferenz wertet diese Entwicklung allerdings nicht als Zeichen einer grundlegenden religiösen Trendwende. Vielmehr gehe die Zunahme der Erwachsenentaufen mit einem Rückgang der Kindertaufen einher. Auch gezielte Werbekampagnen oder besondere pastorale Strategien seien nicht der entscheidende Grund für die steigenden Zahlen. Die Motive der Taufbewerber seien vielmehr vielfältig und individuell.
Umso wichtiger sei es, die kirchlichen Strukturen auf diese Entwicklung vorzubereiten. Frankreich verfügt seit Jahrzehnten über etablierte Formen des Katechumenats. Dazu gehören persönliche Begleitung, gemeinschaftliche Glaubensunterweisung, liturgische Feiern und die schrittweise Einbindung in die Gemeinde. Das Modell greift eine Praxis der frühen Kirche auf, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil neu aufgegriffen wurde. Im Mittelpunkt steht die Begleitung der Menschen auf ihrem Weg zur Taufe, Firmung und Eucharistie.
Für die Kirche in Deutschland gehe es dabei ausdrücklich nicht darum, möglichst viele neue Mitglieder zu gewinnen. Entscheidend sei vielmehr eine „qualifizierte Begleitung“ von Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und religiösen Erfahrungen. Die Erfahrungen aus Frankreich sollen deshalb in die Arbeit der neu gebildeten Kommission für missionarische Pastoral und kirchliche Dienste einfließen – sowohl mit Blick auf die Evangelisierung als auch auf die allgemeine Seelsorge.
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Warnung vor politischer Polarisierung
Mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, vor einer zunehmenden politischen Polarisierung gewarnt. Teile der Programmatik, Rhetorik und politischen Ausrichtung der AfD stünden im Widerspruch zum christlichen Gottes- und Menschenbild, sagte Wilmer. „Völkischer Nationalismus und Christentum“ seien unvereinbar. Menschen nach ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit zu bewerten, widerspreche der Haltung der Kirche.
Mit einem Rückblick auf die deutsche Geschichte äußerte Wilmer die Sorge, dass extremistische Überzeugungen zunehmend in den öffentlichen Diskurs einfließen und die politische Mitte schwächen könnten. Die Bischofskonferenz unterstütze deshalb ausdrücklich das Bistum Magdeburg und dessen Initiative, Wählerinnen und Wähler vor der Wahl für die entsprechenden Positionen zu sensibilisieren.
Gleichzeitig forderten die Bischöfe eine klare Abgrenzung gegenüber extremistischen Tendenzen im linken politischen Spektrum. Nach dem Wahlergebnis in Berlin müsse sich Die Linke unmissverständlich von antisemitischen Positionen und von Organisationen distanzieren, die als terroristisch eingestuft werden. Der Schutz jüdischer Bürgerinnen und Bürger und der Einsatz gegen Antisemitismus seien für die Kirche „unverhandelbare Grundlagen“.
Die Bischofskonferenz plädierte insgesamt für den Erhalt einer stabilen und handlungsfähigen demokratischen Mitte. Bei einem Austausch mit dem Frankreich-Korrespondenten des Deutschlandradios, Stephan Detjen, ging es zudem um die europäische Dimension gesellschaftlicher Spaltungen. Ziel der Kirche sei es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, „spalterischen Parolen“ entgegenzutreten und eine Debattenkultur zu fördern, die sich am Schutz der Menschenwürde orientiert.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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