Erzbischof Bentz: Christliche Identität darf nicht zur Abgrenzung führen
Bei den Salzburger Hochschulwochen warnte Erzbischof Udo Markus Bentz vor einer Vermischung von christlichem Selbstverständnis und identitären politischen Strömungen. Statt Abschottung plädierte er für ein Christentum, das offen bleibt und die Freiheit anderer achtet.

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz warnt vor einem zu engen Verständnis christlicher Identität. Christsein bedeute nicht, sich von anderen abzugrenzen, sondern lebe von der Beziehung zu Christus, zur Kirche und zu den Menschen. Bei einem Vortrag in Salzburg sprach sich Bentz für ein offenes und dynamisches Verständnis christlicher Identität aus.
Hochschulwochen mit Bentz zu Ende gegangen
Mit einem Akademischen Festakt sind am Sonntagvormittag die diesjährigen „Salzburger Hochschulwochen“ zu Ende gegangen. Sie standen vom 3. bis 9. August unter dem Thema „Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone“. Zum Abschluss sprach der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz über christliche Identität.
Bentz beschrieb Identität als etwas, das sich entwickelt und von Beziehungen geprägt ist. „Meine Identität als Christ ist nicht starr und fest umrissen, sondern in gewisser Weise liquide – mit einem hoffentlich festen inneren Kern“, sagte er bei seinem Vortrag in Salzburg. Christliche Identität sei daher „in ihrem innersten Kern relational, aber nicht relativistisch“.
Als wichtige Bezugspunkte nannte der Erzbischof Christus, die Kirche und ihre Tradition, aber auch die eigene Biografie und kulturelle Prägung. Hinzu komme die Wahrnehmung durch andere, „die mich als Christen identifizieren“. In der Kirche finde dieses Verständnis einer relationalen Identität seine Entsprechung im Begriff der Synodalität, so Bentz.
Grußworte beim Festakt sprachen neben dem Obmann der Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger, unter anderem die Vizerektorin der Universität Salzburg, Prof. Michaela Rückl, und Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf.
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Christliche Identität braucht Offenheit
Bentz verwies darauf, dass ein relationales Verständnis von Identität bereits in der Bibel angelegt sei. Israel werde dort als ein „wanderndes, abhängiges und von Gottes Treue getragenes Volk“ beschrieben – geprägt von Verheißung und Erinnerung, „aus Beziehung statt aus Selbstbesitz“. Im Neuen Testament werde Christus zum „Referenzpunkt der Identität“ seiner Nachfolger. Christliche Identität sei deshalb als „empfangene, erzählte und gelebte Christusbeziehung“ zu verstehen.
Gleichzeitig warnte der Erzbischof davor, christliche Identität unter dem Druck der Säkularisierung vor allem über Abgrenzung und den Schutz des vermeintlich Eigenen zu definieren. Eine solche Haltung könne „Resonanz und Inspiration in politisch identitären Bewegungen“ finden. Sorgen bereite ihm, dass die Nähe zwischen „politischen, identitären und autoritären Strömungen“ und bestimmten Gruppen und Entwicklungen in der katholischen Kirche zunehmend eine „toxische Melange“ bilde.
Ein christliches Identitätsverständnis dürfe zudem nicht an einem bestimmten historischen Moment „festfrieren“. In einer pluralen Gesellschaft bedeute Christsein vielmehr, „präsent sein, ohne zu vereinnahmen“ und „Zeugnis geben, ohne zu zwingen“. Ebenso gelte es, die eigene Hoffnung zu bekennen, ohne die Freiheit anderer zu bedrohen, sowie zu widersprechen, „ohne zu zerstören“, und einzuladen, „ohne zu vereinnahmen“, sagte Bentz.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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