Glauben

Erzbischof Heße in Fulda: Kirche muss bei den Menschen bleiben

Erzbischof Stefan Heße deutet in Fulda die Botschaft der Engel und mahnt zugleich eine kritische Selbstprüfung der Kirche an.

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Andreas Nachbar
2 min Lesezeit
Erzbischof Heße in Fulda: Kirche muss bei den Menschen bleiben
(c) Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

In der Predigt bei einer Messe im Rahmen der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat Erzbischof Stefan Heße die Botschaft der Engel und ihre Bedeutung für die Gegenwart betrachtet. Dabei blickte der Hamburger Erzbischof auch kritisch auf das von der katholischen Kirche verursachte Leid. Zugleich gehe es nicht darum, für alles eine Lösung oder überzeugende Antwort bereitzuhalten: „Die Kirche muss nicht immer alles lösen und überzeugen – sie kann es auch oft nicht.“ Entscheidend sei vielmehr, bei den Menschen zu bleiben, zuzuhören und sich ihnen zuzuwenden.

Kirche muss sich ihrer Wunden stellen

Engel seien auch in einer säkularisierten Gesellschaft präsent, sagte Heße. Ihre Bilder und Bedeutungen seien vielfach anschlussfähig und artikulierten eine Sehnsucht nach Transzendenz, Schutz und Heilung. „Dass die sichtbare Welt nicht alles ist; dass jemand über mich wacht; dass es eine Botschaft gibt; dass Heilung möglich ist“ – darin sieht der Erzbischof Anknüpfungspunkte für die christliche Botschaft.

Zugleich verband Heße die Frage nach der Bedeutung der Engel mit einer kritischen Selbstprüfung der Kirche. Er erinnerte an „die Zeiten der Sklaverei, den geistlichen und institutionellen Machtmissbrauch, Ausgrenzung und das Nichthören auf Betroffene“. Die Kirche müsse sich deshalb auch fragen: „Wo sind wir selber verwundet und bedürfen der Heilung und Umkehr?“

Gerade in einer säkularen Gesellschaft gehe es für die katholische Kirche darum, sich auf Spurensuche zu begeben. Orientierung könne dabei die Botschaft der Engel geben, so Heße.

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Engel verweisen auf Gott

Engel hätten als „Zwischenwesen“ und „Boten und Übersetzer“ eine besondere Vermittlungsfunktion, sagte Heße. Gerade deshalb seien sie auch heute für viele Menschen anschlussfähig: „Wenn sie erscheinen, sprechen sie immer Menschen an und ermöglichen Kommunikation und Begegnung.“

Darin zeige sich eine Sehnsucht nach einer Wirklichkeit, die über das Sichtbare hinausweist – nach Schutz, einer Botschaft und der Möglichkeit von Heilung. An diese Sehnsucht könne die Kirche anknüpfen. Zugleich gehe die christliche Tradition darüber hinaus: Die Erzengel Michael, Gabriel und Raphael seien „keine diffusen Chiffren für ein gutes Gefühl“, betonte Heße. Ihre Namen und biblischen Geschichten verwiesen vielmehr auf den Gott, „der schützt, spricht und heilt“.

Besonders der Erzengel Michael stelle dabei die Frage nach der Stellung Gottes. Sein Name „Wer ist wie Gott?“ mache deutlich, dass Gott „absolute Priorität“ gebühre, so Heße. Kein Mensch, kein Volk und kein Staat, aber auch keine Partei oder Glaubensgemeinschaft könne sich an Gottes Stelle erheben.

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