Glauben

Franziskus als Gegenbild zum „Kulturchristentum“

Er wollte keine bequeme Heiligkeit: Franz von Assisi steht für einen Glauben, der konsequent lebt, Frieden sucht und gerade dadurch Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche erreicht.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Franziskus als Gegenbild zum „Kulturchristentum“
(c) Wikimedia Commons - Sarah McDevitt - CC BY-SA 2.0

Ein Christentum, das sich aus Angst vor Konflikten anpasst und möglichst nicht aneckt, verliert nach Ansicht des Salzburger Weihbischofs Hansjörg Hofer seine Überzeugungskraft. Bei der traditionellen Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom stellte er den heiligen Franz von Assisi als Gegenbild zu einem solchen „Kulturchristentum“ vor: radikal in der Nachfolge Christi, zugleich versöhnlich und offen für alle Menschen.

Franziskus statt „Wischiwaschi“

„Radikal“ verstehe sich bei Franziskus im Sinne von Konsequenz und Kompromisslosigkeit im Glauben, sagte Hofer. Der vor 800 Jahren verstorbene Ordensgründer sei deshalb bis heute „provozierend, aber auch faszinierend“. Viele Christen seien dagegen heute allzu unverbindlich, angepasst und darauf bedacht, nicht aufzufallen. Franziskus habe ein solches „Wischiwaschi“ abgelehnt. „Wer selber nicht brennt, wird auch andere nicht entflammen können“, betonte der Weihbischof beim Festgottesdienst der Gebetsgemeinschaft „Rosenkranz-Sühnekreuzzug“ (RSK).

Zugleich sei die Radikalität des Heiligen untrennbar mit seiner Friedfertigkeit verbunden. Hofer verwies auf Franziskus’ „Christusähnlichkeit“: Zeitgenossen hätten in ihm Jesus wiedererkannt, besonders deutlich nach dem Empfang der Wundmale Christi. Seine Glaubenstreue habe ihn dabei nicht hart gemacht. Im Sonnengesang verbinde Franziskus vielmehr die Bereitschaft zur Vergebung und das Leben im Frieden mit dem Lob Gottes.

Dass Franziskus bis heute Menschen weit über kirchliche Kreise hinaus anspricht, führt Hofer auf dessen konkrete Lebensweise zurück. Kinder und Naturschützer fühlten sich ebenso zu ihm hingezogen wie Kirchenkritiker und „religiöse Profis“. Das Motto der Feier – „Franziskus – Bruder aller Menschen“ – treffe daher den Kern seines Wirkens. Auch Nichtchristen könne der Heilige etwas sagen, weil er den Blick auf grundlegende Fragen des Lebens lenke.

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Als besonders aktuell nannte Hofer unter Berufung auf den Franziskus-Autor Markus Hofer den freiwilligen Verzicht, Gewaltlosigkeit, die Nähe zu Ausgegrenzten, Naturverbundenheit, Einfachheit, Nachhaltigkeit und Entschleunigung. Das seien in einer von Überfluss und Beschleunigung geprägten Zeit „heilsame Dinge“.

Das vermeintlich Schwache

Damit knüpft auch der geistliche Impuls des Guardians des Wiener Franziskanerklosters, P. Oliver Ruggenthaler, an. Er erinnerte daran, dass Franziskus trotz seiner späteren Verehrung als „Superheiliger“ oder gar „zweiter Christus“ ein kleiner und äußerlich unscheinbarer Mann gewesen sei. Der Ordensgründer sei nur etwa 1,50 Meter groß gewesen und nach Aussagen von Zeitzeugen „nicht von sonderlich schöner Gestalt“. Auch sein Latein sei fehlerhaft gewesen. Für den Guardian des Wiener Franziskanerklosters liegt gerade darin eine geistliche Botschaft: Gott erwähle mitunter das vermeintlich Schwache, „um das Starke zu überwinden“.

Zugleich stehe Franziskus für ein Christentum, das fest in der Welt und der Schöpfung verwurzelt sei. Er habe die „Mutter Erde“ geliebt und in der Natur Spuren Christi gesucht. Auch das braune Ordensgewand der Franziskaner verweist Ruggenthaler zufolge auf diese Erdverbundenheit – im Gegensatz zum Klerikerschwarz. Franziskus habe damit zu einer wachen und weltzugewandten Spiritualität ermutigt. Sein Verständnis von Kloster und Welt fasste Ruggenthaler prägnant zusammen: „Unser Kloster ist die Welt, nicht die Klausur.“


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