Glauben

Geschenktes Kreuz- In meinem Leben geht es nicht um mich.

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A - von Pfarrer Daniel Sluminsky Erste Lesung: Jer 20, 7-9; Zweite Lesung: Röm 12,1-2; Evangelium: Mt 16, 21-27

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Redaktion
4 min Lesezeit
Geschenktes Kreuz- In meinem Leben geht es nicht um mich.
(c) adege - pixabay user_id:4994132

Wie kann ich ein glückliches und erfülltes Leben erhalten? Das ist doch die Frage, die uns Menschen zu allen Zeiten bewegt. Der Bestsellerautor Jordan Peterson hat in seinem Buch „12 Rules for Life“ im Kern die Frage dadurch beantwortet, indem er sagte, dass es im Kern darum gehe, wie man mit dem Schmerz umgeht. Er kritisiert das Bild, das in der Öffentlichkeit kursiert stark der Gedanke, dass man nach Glück strebt. Und Glück sei die Wirklichkeit ohne Leiden und Schmerz. Aber dies sind Realitäten, die immer irgendwann ins Leben treten werden. Wie mit ihnen umgehen?

Am vergangenen Sonntag sind wir Zeugen geworden, wie Simon Petrus Jesus als den Messias bekannt hat. Mit diesem Bekenntnis sagte Simon, der dann Petrus wurde auch, dass in diesem und durch diesen Jesus das Ziel und der Sinn allen Daseins erschienen ist. In ihm wird deutlich, was Leben in Fülle wirklich bedeutet.

Umso schockierender muss es für Petrus und die anderen Jünger die Aussage Jesus im heutigen Evangelium klingen: Die Ankündigung von Ablehnung, Leiden und Tod. Also all das, was wir Menschen gerne aus unserem Leben streichen wollen, was wir gerade nicht mit erfülltem Leben verbinden. Wir verbinden mit einem Leben in Fülle ein Leben, indem wir uns selber verwirklichen können. Aber Jesus verkündet ein anderes Leben mit seinem Leben: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden“ (Mt 16,25) mit diesen Worten beschreibt der Herr die geistliche Logik des übernatürlichen Lebens. Ein erfülltes Leben ist ein Leben, dass sich verschenkt.

In deinem Leben geht es nicht um dich!“ hat einmal der US-Bischof Robert Barron in einem Vortrag gesagt und dies als einen der wichtigsten Punkte für den Weg zur Heiligkeit bezeichnet.

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Leben nicht für uns selber

Es sind diese beiden Haltungen, die zwischen menschlicher und göttlicher Sicht auf das Leben aufeinander prallen. Da ist der Mensch, der meint, dass sein Leben ihm selber gehört und der sich gerne auch um sich selbst dreht. In der heutigen Zeit haben wir diese Haltung schon fast perfektioniert: Mein Leben, meine Entscheidung, mein Geschlecht, meine Haltung, mein Beruf, meine Art es zu machen etc. Alles dreht sich scheinbar ausschließlich um uns. Die so genannte Selbstverwirklichung ist das hohe Ziel, das man verkündet.

Aber genau diese Haltung führt nicht in ein erfülltes Leben, sondern in die Isolation, in die Bedeutungslosigkeit und am Ende in den Tod. Der Mensch übernimmt sich vollkommen und macht sich selber zum Ursprung seines Glückes. Aber genau das ist so nicht vorgesehen für uns. Wir sind als Abbilder Gottes geschaffen und finden uns erst wirklich selber in Beziehung zu Gott, der selber in sich wiederum Beziehung ist. Und dann werden wir erst vollkommen, wenn wir uns selbst, wie Gott es tut, dem Nächsten schenken. In unserem Leben geht es nicht um uns, sondern darum, dass wir uns verschenken.

Christusförmigkeit des Lebens

Nichts anders tut Christus in seiner ganzen Existenz. Gott schenkt sich einer jungen Frau, die ihn vorbehaltlos annimmt. Er gibt sich uns hin am Kreuz. Christi Leben ist eine, wie es die Theologen schreiben, Pro-Existenz. Er verschenkt sich. Und genau das ist es, wozu er uns auffordert: Ich werde am Kreuz sterben und auferstehen. Ich werde mich verschenken und hingeben für das Heil der Welt. Verschenkt ihr euch auch. Gebt euch ganz hin. Und hier liegt der große Widerspruch des Christen zur unseren Zeit. Während die Welt verkündet: Sorge für dich selbst und stelle dich selbst in den Mittelpunkt! Verkünden wir: Gib dich hin! Investiere dich in die Welt in größter Liebe. Denn nur das macht dich wirklich glücklich! Dann werden wir Christusförmig.

Sie glauben mir nicht? Machen Sie doch bitte mal folgenden Gedanken-Test: Sie liegen nach einem langen Tag voller Arbeit und Aufgaben auf ihrem Sofa. Sie blicken auf den Tag zurück, an dem Sie vielen Menschen begegnet sind, wo sie viele Tätigkeiten erledigt haben, viele Gespräche geführt haben, Ihren Liebsten zugehört und mit ihnen gesprochen haben. Sie merken, Sie sind erschöpft. Aber Sie sind auch glücklich, da Sie Ihren Teil getan haben. Sie haben sich hingegeben in den 1000 Kleinigkeiten Ihres Alltags, aus Liebe zu Gott und zu den Menschen. Das ist Hingabe, die die Welt nicht versteht, aber die sie braucht. Amen

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