KI-Studientag der DBK: „Wir brauchen nicht weniger Religion, sondern eine veränderte Religion“
Bischof Wilmer und Kardinal Marx sprechen bei der DBK-Vollversammlung über Chancen und Gefahren Künstlicher Intelligenz für Gesellschaft, Kirche und Glauben.

Wie verändert Künstliche Intelligenz die Gesellschaft – und welche Rolle bleibt dabei der Kirche? Mit diesen Fragen hat sich die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda beschäftigt. Im Mittelpunkt eines Studientags stand die Sozialenzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV., die sich mit den ethischen Herausforderungen Künstlicher Intelligenz, der Menschenwürde und dem Gemeinwohl auseinandersetzt.
Umgang mit KI benötigt Verantwortung
Die Sozialenzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. stellt die ethischen Herausforderungen Künstlicher Intelligenz, die Menschenwürde und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt. Das Schreiben habe weltweit in Kirche, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft Beachtung gefunden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer.
Wilmer bezeichnete die Enzyklika als „richtungsweisenden Meilenstein“ und als „hermeneutischen Schlüssel“ zum Denken des Papstes. In einer zunehmend von Algorithmen und gesellschaftlicher Fragmentierung geprägten Welt setze Leo XIV. ein klares Zeichen gegen eine Gesellschaft, in der allein Effizienz und wirtschaftlicher Nutzen zählen.
Der Mensch dürfe nicht zum „bloßen Datenmaterial“ oder zu einem Faktor ökonomischer Verwertbarkeit werden, betonte Wilmer. Zwar könne KI etwa bei der Krankheitsfrüherkennung oder zur Erleichterung von Arbeit wertvolle Dienste leisten. Neutral sei sie jedoch nicht: In den Systemen spiegelten sich stets auch „Macht- und Entwicklerinteressen“ wider. Entscheidungen in Bereichen wie Bildung, Arbeit oder Gesundheit dürften deshalb nicht einfach an Maschinen delegiert werden.
Die entscheidende Frage sei letztlich nicht, was technische Systeme leisten könnten, sondern wie verantwortungsvoll der Mensch mit ihnen umgehe. „Die eigentliche Herausforderung liegt daher nicht zuerst in der Leistungsfähigkeit der Systeme, sondern in unserer moralischen Reife“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Damit verbinde sich für ihn eine Reihe grundlegender Fragen: „Können wir technologischen Fortschritt mit Gerechtigkeit verbinden?“ Und: „Bleibt der Mensch Subjekt seines Handelns – oder wird er zum Objekt einer Logik aus Daten, Kontrolle und Optimierung?“
Kirche im Zeitalter der KI
Auch mit der Zukunft der Kirche im Zeitalter von KI und technologischem Wandel setzte sich Wilmer auseinander. An eine Ablösung der Kirche glaubt der Bischof nicht: „Ich glaube nicht, dass wir als Kirche ersetzt werden. Ganz sicher nicht.“
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Gleichzeitig werde sich die Religion verändern. Wilmer ist überzeugt, dass es dabei nicht um ein Weniger an Religion gehen dürfe, sondern um eine neue Form: „Wir brauchen nicht weniger Religion. Wir brauchen eine veränderte Religion.“ Entscheidend sei, dass Glaube und Kirche dazu beitrügen, „dass unser Denken, Handeln und Hoffen die Menschheit menschlicher macht und Licht für die Welt ist.“
Kardinal Marx warnt vor Vertrauensverlust
Auch Kardinal Reinhard Marx warnte vor den gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz. Zwar biete die Technologie große Chancen, zugleich könne sie jedoch zur „negativen Verstärkung“ von Desinformation und Manipulation werden.
KI könne die Medienarbeit erleichtern, Recherchen unterstützen und Zusammenhänge sichtbar machen, sagte Marx. Gleichzeitig könnten Fälschungen und manipulativ verbreitete Inhalte „schneller und ungefilterter“ ein großes Publikum erreichen. Das gefährde das Vertrauen in die öffentliche Kommunikation. „In der Masse zersetzen sie das Vertrauen“, so der Kardinal. Es könne der Eindruck entstehen, „dass nichts mehr wirklich oder wahrhaftig sein könnte“.
Marx sieht zudem die wachsende Macht großer Tech-Konzerne über die digitale Infrastruktur kritisch. Er sprach sich für eine stärkere Regulierung, ein internationales Bildungsbündnis und einen konsequenten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Online-Inhalten aus.
Die Verantwortung liegt aber nicht allein bei Politik und Unternehmen. Auch jeder Einzelne müsse lernen, KI „angemessen, wahrhaftig“ und damit „menschendienlich“ einzusetzen. Dafür brauche es Sensibilität und entsprechende Kompetenzen.
Eine zentrale Rolle komme dabei der Bildung zu. „Die beste Technologie“ könne ohne ausreichende Bildung „schnell ein Problem“ werden, warnte Marx. KI dürfe das eigene Denken nicht ersetzen – vielmehr seien grundlegende Denkfähigkeiten, Allgemeinbildung und Medienkompetenz entscheidend für einen verantwortungsvollen Umgang mit der neuen Technologie.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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