Glauben

Mariä Himmelfahrt: Ein Hochfest zu Ehren der Gottesmutter Maria

Mariä Himmelfahrt verbindet katholische Marienverehrung mit lebendigem Brauchtum. Was hinter dem Fest am 15. August steckt und warum die Kräutersegnung bis heute dazugehört.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Mariä Himmelfahrt: Ein Hochfest zu Ehren der Gottesmutter Maria
(c) Wikimedia Commons - Public domain

Am 15. August feiert die katholische Kirche das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel. Was im Volksmund meist als „Mariä Himmelfahrt“ bezeichnet wird, hat theologisch eine wichtige Besonderheit: Maria steigt nach katholischem Verständnis nicht aus eigener Kraft in den Himmel auf, sondern wird von Gott mit Leib und Seele in seine Herrlichkeit aufgenommen. Das Fest, dessen Wurzeln bis in die frühe Kirche zurückreichen, verbindet bis heute Glauben, Marienverehrung und lebendiges Brauchtum. Besonders die traditionelle Kräutersegnung macht sichtbar, wie eng christlicher Glaube und die Wahrnehmung der Schöpfung miteinander verbunden sind.

Mariä Himmelfahrt – ein Fest mit langer Tradition

Das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel geht auf eine Tradition zurück, die sich bis ins 5. Jahrhundert verfolgen lässt. In der Ostkirche wurde zunächst die „Entschlafung“ – die Dormitio – der Gottesmutter gefeiert. Im Westen setzte sich das Fest spätestens im 7. Jahrhundert durch.

Am 1. November 1950 verkündete Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Glaubensaussage ist nicht ausdrücklich in der Bibel überliefert, gründet jedoch auf einer langen kirchlichen Tradition und war über Jahrhunderte in Liturgie und Volksfrömmigkeit verankert.

Die Bedeutung Marias wird in den christlichen Konfessionen unterschiedlich akzentuiert. In der katholischen Kirche nimmt sie eine zentrale Rolle ein und wird von den Gläubigen in besonderer Weise verehrt. In den protestantischen Kirchen steht Maria dagegen weniger im Zentrum; eine der katholischen Marienverehrung vergleichbare Frömmigkeitspraxis gibt es dort in der Regel nicht.

Maria: aufgenommen, Christus: aufgefahren

Im Mittelpunkt des Hochfestes Mariä Aufnahme in den Himmel steht die einzigartige Beziehung Marias zu ihrem Sohn Jesus Christus. Für die Gläubigen ist sie deshalb nicht nur die Mutter Jesu, sondern auch ein Vorbild christlichen Lebens und ein Zeichen der Hoffnung auf die Erlösung. Die katholische Kirche versteht ihre Aufnahme in den Himmel als besondere Teilhabe an der Auferstehung Christi und als Vorwegnahme der Auferstehung aller Gläubigen.

Im Deutschen wird sowohl die Himmelfahrt Jesu als auch die Aufnahme Mariens in den Himmel häufig als „Himmelfahrt“ bezeichnet. Theologisch handelt es sich jedoch um zwei unterschiedliche Ereignisse: Christus fährt aus eigener göttlicher Vollmacht zum Vater auf, während Maria durch Gottes Gnade in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wird. Die lateinischen Begriffe bringen diesen Unterschied deutlich zum Ausdruck: Ascensio Christi bezeichnet die Himmelfahrt Christi, Assumptio Mariae die Aufnahme Mariens.

Die umgangssprachliche Bezeichnung „Mariä Himmelfahrt“ ist daher zwar weit verbreitet, kann aber missverständlich sein. Sie könnte den Eindruck erwecken, Maria sei aus eigener Kraft in den Himmel gelangt. Nach katholischer Lehre wurde sie vielmehr „mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen“.

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Maria nimmt im Heilsplan Gottes eine einzigartige Stellung ein. Durch ihr Ja zur Geburt Jesu stimmte sie der Menschwerdung Gottes zu und wurde so zu einer herausragenden Gestalt der Heilsgeschichte. Ihre Aufnahme in den Himmel gilt als Vollendung dieses Lebensweges und als Ausdruck ihrer besonderen Verbundenheit mit Christus. Sie steht damit nach katholischem Verständnis als „neue Eva“ in einzigartiger Beziehung zum „neuen Adam“, Jesus Christus, dessen Sieg über Sünde und Tod in ihr bereits sichtbar wird. Diese Nähe zu Gott endet nach dem Glauben der Kirche nicht mit dem Tod, sondern findet in der himmlischen Herrlichkeit ihre Vollendung.

Kräutersegnung und gelebtes Brauchtum

Das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel wird in vielen Gemeinden mit einer Vielzahl liturgischer und volksreligiöser Bräuche begangen. Für zahlreiche Kirchen ist der 15. August zugleich der Tag ihres Patroziniums. In verschiedenen Regionen gehören Wallfahrten und Prozessionen zum festen Bestandteil der Feierlichkeiten. Besonders in Süddeutschland und Österreich ziehen Gläubige dabei durch festlich geschmückte Straßen. Auch Marienbilder und -statuen werden vielerorts aufwendig gestaltet und in die Feier einbezogen.

Besonders verbreitet ist die Kräutersegnung. Dabei bringen Gläubige Sträuße aus Kräutern und Blumen zur Kirche, die im Gottesdienst gesegnet werden. Der Brauch ist im deutschen Sprachraum eng mit dem Fest Mariä Aufnahme in den Himmel verbunden und wurde bereits in das Rituale Romanum, das liturgische Buch für besondere Feiern und Segnungen, aufgenommen. Auch der Wohlgeruch von Blumen und Kräutern wurde sinnbildlich mit ihren Tugenden in Verbindung gebracht.

Die volkstümlichen Erzählungen über den Ursprung der Kräutersegnung gehören in den Bereich der Legenden und sind nicht als historische Berichte über den Tod oder die Aufnahme Mariens in den Himmel zu verstehen. In apokryphen Schriften, also frühchristlichen Texten außerhalb der Bibel, wird etwa erzählt, dass aus dem Grab Mariens ein besonderer Duft strömte und ihr Leib in den Himmel aufgenommen wurde.

Je nach Region unterscheiden sich die Kräutersträuße in Größe und Zusammensetzung. Häufig werden sieben, neun oder zwölf Pflanzen gebunden. Verwendet werden unter anderem Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian und Eisenkraut. Die Kräutersegnung verbindet so die Feier des Marienfestes mit der Wahrnehmung und Wertschätzung der Schöpfung.


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